Keltische Münze, Gallische Nachprägung der Philippus-Statere, Gold.

Geld und Handel in der Antike

Vor rund 2300 Jahren taucht auf dem Gebiet der heutigen Schweiz das erste Geld auf. Es dient aber zunächst nur zu Prestige- und Kultzwecken. Erst mit den Römern wird Europa zu einem gigantischen Wirtschaftsraum.

Die Handelsverbindungen in den Mittelmeerraum werden in der Eisenzeit (ab 800 v. Chr.) immer wichtiger. Seit dem
7. Jahrhundert vor Christus findet man in den Gräbern reicher Kelten griechische und etruskische Keramik und andere importierte Luxusgüter. Später führen die Kelten grosse Mengen von Wein aus dem Süden ein und bezahlen dafür angeblich mit Sklaven. Römische Händler und Geschäftsleute leben schon vor der militärischen Eroberung in Gallien.

Das Römische Reich ist ein gigantischer Marktplatz. Einheitliche Masse und Gewichte, eine einzige Währung und dazu sichere Fahrstrassen sowie Wasserwege zwischen Syrien und Spanien, England und Libyen ermöglichen einen blühenden Handel. In spätrömischer Zeit führen dann aber politische Instabilität und kriegerische Wirren in die wirtschaftliche Krise.

Korallen auf der Durchreise: Handel in der Hallstattzeit (800 – 450 v. Chr.)

Landwirtschaftliche Produkte, handwerkliche Erzeugnisse und Rohstoffe wie Eisen, Kupfer und Gagat wurden auf lokaler und regionaler Ebene gehandelt. Der Fernhandel betraf vor allem Luxusgüter und wertvolle Materialien, die sich in der Region selbst nicht fanden – so Bernstein, 

Korallen oder Wein. Von grosser Bedeutung war der Handel mit Salz. Die Intensivierung des Handels in der Hallstattzeit förderte auch das Entstehen neuer wirtschaftlicher Zentren entlang der Transalpinrouten sowie von Umladeplätzen, an denen die Waren vom Wasser auf Landwege verfrachtet wurden.

Das erste Geld im Gebiet der heutigen Schweiz

Goldmünzen lernten die Kelten vermutlich kennen, als sie griechischen Herrschern als Söldner dienten. Sie begannen, insbesondere die Goldmünzen von Philipp II. von Makedonien (382-336 v. Chr.) und seiner Nachfolger nachzuahmen. Wahrscheinlich dienen die ersten keltischen Münzen nicht primär als Zahlungsmittel. Mit der Zeit lösen sich die keltischen Stempelschneider von dieser Vorlage, um eigenwillige Münzbilder in einer typisch keltischen Formensprache zu schaffen. Die Herstellung von Geld führt vorerst nicht zu grossen wirtschaftlichen Veränderungen. Der Handel basiert weiterhin auf dem Prinzip des Warentausches. Die Goldmünzen sind Prestigeobjekte und eignen sich zum Anhäufen von Reichtum.

Halskette, Arbedo-Castione-Cerinasca, TI, Bernstein, um 400 v. Chr..

Keltische Münzen, oben: östliches Mittelgallien, Augst BL, Potin.
unten: Nordhelvetischer Büschlquinar, Balsthal SO, Silber.

Saftiger Schinken aus dem Norden:
Export während der Latènezeit (450 – 15 v. Chr.)

Aus dem Alpenraum und den gallischen Gebieten wurden vor allem Rohstoffe und landwirtschaftliche Produkte nach Italien geliefert. "Das Schweinevieh sei, sagt man, zum Tafeln ein Geschenk der Natur (. . .) Aus diesen Tieren pflegen die Gallier die besten und grössten Schweinehälften zu machen. Zeichen ihrer hervorragenden Güte ist, dass auch heute noch komazinische und kavarische Hinterkeulen und Vorderschinken von Gallien nach Rom geliefert werden", berichtet Varro. (römischer Universalgelehrter, 116-27 v. Chr.).

«In dem ganzen Bergland der Alpen gibt es auch hügelige Gegenden, die gut bebaut werden können, und trefflich angebaute Täler, der grössere Teil aber und besonders um die Berggipfel herum, wo auch die Räuber sassen, ist wegen des Frostes und der Rauheit des Landes unergiebig und unfruchtbar. Bei dem Mangel an Nahrungsmitteln und anderen Dingen schonten sie bisweilen die Bewohner in der Ebene, um Lieferanten zu haben. Dafür aber gaben sie Harz, Pech, Kienholz, Wachs, Käse und Honig, denn davon hatten sie in Menge", schreibt Strabo (griechischer Geschichtsschreiber, ca. 63 v. Chr.-23 n. Chr.).

Fernhandel und Serienproduktion:
Der römische Wirtschaftsraum (15 v. Chr. – 476 n. Chr)

Mit der Eingliederung ins römische Imperium werden die bestehenden Wirtschaftsstrukturen umgekrempelt. Die einzelnen Regionen sind nun Teil eines riesigen Marktes. Das einheitliche Währungssystem, allgemeingültige Masse und Gewichte und der Ausbau der Verkehrswege begünstigen den Fernhandel. In früheren Epochen gab es zwar auch schon Importe aus weit entfernten Ländern. Dabei handelte es sich jedoch um Luxusgüter für die Oberschicht. In gallo-römischer Zeit werden «exotische» Produkte alltäglich. Sie sind für den Grossteil der Bevölkerung erschwinglich. Aus dem Mittelmeergebiet und dem Nahen Osten kommen Fischsaucen, Olivenöl, Weine, Trüffel und Eingemachtes. Auch im helvetischen Gebiet verzehrt man in den wohlhabenden Häusern Austern und Datteln. Die Villen sind manchmal mit weissem Marmor aus Carrara oder rosafarbenem Stein aus Ägypten ausgestattet.

Keramikgeschirr wird nun an einigen Orten in grossen Serien industriell hergestellt. Solches Tafelgeschirr, die sogenannte Terra sigillata, findet im ganzen römischen Herrschaftsraum Absatz. Aus Mitteleuropa werden bestimmte handwerkliche Produkte, Fleischkonserven, Käse, Hölzer, Tierhäute, ebenso wie Sklaven in den Süden geliefert.

Selbstverständlich ist die wirtschaftliche Prosperität auf politisch stabile Verhältnisse und auf ein ökonomisches Gleichgewicht angewiesen. Im 3. Jahrhundert jedoch kommt es zu einer Krise des Währungssystems mit Geldentwertung und enormer Inflation. Diese neuen Phänomene treffen die globalisierte Wirtschaft empfindlich.

Römische Handelsgüter und -routen. Schweizerisches Nationalmuseum, nach A. Buonopane 2011.

Das römische Münzsystem

Das im ganzen römischen Imperium vereinheitlichte Münzsystem erleichterte Geldtransaktionen und Handel. Die Münzen wurden in verschiedenen, über das ganze Reich verteilten staatlichen Werkstätten geprägt. Herausgeber waren Kaiser, die mit der Zurschaustellung ihrer Porträts und wichtiger Ereignisse auf den Münzen zugleich Propaganda betrieben.

Das römische Münzsystem im 1. und 2. Jhd. n. Chr.

1 Aureus (à 7,8 g Gold) = 25 Denare (à 3,8 g Silber)
1 Denar = 4 Sesterze (à 25 g Bronze)
1 Sesterz = 2 Dupondien (à 12 g Bronze)
1 Dupondius = 2 As (à 11 g Bronze)
1 As = 4 Quadrans (à 3 g Bronze)

Was der Lebensunterhalt kostete

Es ist nicht ganz einfach, allgemeingültige Aussagen über das Preisgefüge im römischen Reich zu machen, denn die Preise schwankten beträchtlich und die überlieferten Angaben aus Texten, Inschriften und von Wandkritzeleien beziehen sich auf unterschiedliche Gegenden und Zeitabschnitte.

Ein Handwerker verdiente am Ende des ersten Jahrhunderts v. Chr. täglich etwa 4 Sesterze, ein Legionär 2,5 Sesterze, am Ende des 2. Jahrhunderts 4 Sesterze. Ein Centurio hingegen hatte ein Tagesgehalt von 50 Sesterzen, und ein höherer Offizier bezog ungefähr 80 Sesterze. Zahlreiche Graffiti auf den Mauern von Pompeji, das 79 n. Chr. zerstört wurde, liefern wertvolle Informationen über die Lebenskosten: Für 1 As erhielt man ein Kilogramm Brot oder einen halben Liter Tafelwein, einen Teller aus Keramik oder eine Tonlampe. Für 1 Sesterz gab es einen Halbliter Qualitätswein (Falerner) oder 330 Gramm Öl. Das Reinigen einer Tunika kostete ebenfalls 1 Sesterz. Für eine neue Tunika bezahlte man 15 Sesterze, für einen Maulesel 520 Sesterze.

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Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint. Die Museen präsentieren Schweizer Geschichte von den Anfängen bis heute, und erschliessen - auch mit temporären Ausstellungen zu aktuellen Themen - die schweizerischen Identitäten und die Vielfalt der Geschichte und Kultur unseres Landes.

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Ihr Kommentar





3 Kommentare

1 Dupondius = 2 As (11 g Bronze) ?

Müsste es hier nicht eher heissen: = 2 As (6 g Bronze), wenn frau alles in Relation setzt mit Sesterz und As ?

Alexander Rechsteiner sagt:

Die Angaben in Gramm beziehen sich auf jeweils eine einzige Münze, d.h. 1 Denar hat 3,8g Silber, 1 As hat 11g Bronze usw., wir haben das mit einem „à“ in der Grafik präzisiert, vielen Dank für den Hinweis.

Ivo Bieri sagt:

Grüezi mitenand.
Was mich immer wieder fasziniert und erstaunt ist, wie die Leute im grossen römischen Reich wussten (wussten sie es denn wirklich?) ob ein Geldstück erstens echt war und ob es überhaupt noch Gültigkeit besass. Dies unter dem Aspekt, dass viele römischen Kaiser ja nur kurze Zeit an der Macht waren, es aber dennoch nicht unterlassen konnten sofort eigene Münzen prägen zu lassen. Zudem sieht ja kein Geldstück genau gleich aus, wie dasselbe mit dem gleichem Motiv auf Vorder- und Rückseite.
Übrigens, läuft gerade eine Sonderausstellung im NM zu keltischen oder römischen Münzen?