Der Rütlischwur auf einer amerikanischen Banknote

Im Mai hat die Schweizerische Nationalbank die 20-Franken-Note der neuen Serie präsentiert, die 10-Franken-Note folgt im Oktober. Wer darauf Wilhelm Tell oder den Rütlischwur erwartet hat, liegt falsch. Hauptelement der neuen 20er-Note ist das Licht. Als Sujet auf einer Banknote gibt es den Rütlischwur zwar – aber auf einer amerikanischen Note.

Wenn wir einige Jahrhunderte zurückblenden, treffen wir im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania auf eine Banknote, auf der nicht nur der Rütlischwur abgebildet ist, sondern die auch auf Deutsch beschriftet und als Thaler bezeichnet wird. Wie kam es dazu?

In den Vereinigten Staaten war Pennsylvania das Hauptziel der früheren Auswanderer aus der Schweiz und aus Deutschland. Ende des 18. Jahrhunderts war rund ein Drittel dieses Bundesstaates deutschstämmig. In der Gegend von Northampton wurde sogar vorwiegend Deutsch gesprochen. Deshalb hat die Northampton Bank in den 1830er-Jahren Banknoten sowohl mit deutschem als auch mit englischem Text herausgegeben. Auch in der Gestaltung der Noten unterschieden sie sich je nach Sprache stark. Auf den deutschen Banknoten wurden keine amerikanischen, sondern deutsche und schweizerische Berühmtheiten gezeigt. Etwa Goethe, Haydn oder wie in diesem Fall der Zürcher Theologe und Schriftsteller Johann Caspar Lavater und der deutsche Theologe und Dichter Christian Fürchtegott Gellert. Die Geldsorte auf den beiden Noten unterschied sich ebenfalls: Thaler und Dollar. Allerdings nicht so sehr, wie man auf den ersten Blick meint. Der Name Dollar stammt nämlich vom niederdeutschen Daler, dem alten deutschen Taler ab und kam über Süd- und Mittelamerika in die Vereinigten Staaten.

Banknote der Northampton Bank zu 5 Taler, Lecha County, Pennsylvania, 1836. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Die 5-Thaler-Note der Northampton Bank ist mit dem Rütlischwur und der Abbildung von Johann Caspar Lavater «helvetisch» angehaucht und stammt aus dem Jahr 1836. Die Northampton war die erste amerikanische Grossbank und ging – auch das eine Premiere – 1843 bankrott. Die Banker hatten das Geld der Kunden in Wasserkanäle und Wälder investiert. Nach einer riesigen Flut waren diese Investments jedoch wertlos und die Bank musste ihre Tore schliessen. Die Bankkunden sahen nie mehr Geld, weder Thaler noch Dollar.

Die neue 20-Franken-Note. Foto: Schweizerische Nationalbank

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Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint. Die Museen präsentieren Schweizer Geschichte von den Anfängen bis heute, und erschliessen - auch mit temporären Ausstellungen zu aktuellen Themen - die schweizerischen Identitäten und die Vielfalt der Geschichte und Kultur unseres Landes.

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