Die Hohle Gasse heute. Bild: Robert Rosenberg, Einsiedeln

Küssnacht, Hohle Gasse – Geschichte ‘raus, Mythos ‘rein

Lässt sich das Rad der Zeit zurückdrehen? Schwierig. Trotzdem hat man das 1935 in der Hohlen Gasse bei Küssnacht versucht. Mit Erfolg? Jedenfalls mit Felsblöcken, Pickel und Schaufel. Merke: «Geschichte ist machbar, Frau Nachbar.» Überdies: Dass die nahe Kapelle mit einem Wandgemälde an Gesslers Tod erinnert, drängt sich auf. Der abgestrafte Tyrann muss aber draussen bleiben, im Vorbau. Auch Tells Tod wird dargestellt, an derselben Rückwand der Kapelle, jedoch auf der Innenseite. Wie Tag und Nacht. Die Rettung eines Kindes bezahlt Tell mit seinem Leben. So stirbt ein Held.

Schuld ist Schiller, könnte man annehmen. Tatsächlich prägte «Wilhelm Tell» die historischen Vorstellungen im 19. Jahrhundert so wirkmächtig, dass Fiktion für Geschichte gehalten wurde. Entstanden 1804, in der «Franzosenzeit», wurde das Freiheitsdrama in der liberal dominierten Regenerationszeit zum Fanal. Als 1839 in Luzern das neue Stadttheater eingeweiht wurde, kam nur ein Stück in Frage: Wilhelm Tell. Schiller hatte den Stoff nicht erfunden. Er begnügte sich damit, daraus Weltliteratur zu machen. Bis heute hat das Drama seine suggestive Wirkung bewahrt. In den Köpfen war die packende Geschichte seit Jahrhunderten.

Erinnerungskultur der breiten Bevölkerung. Holzrelief von 1557, angebracht am Schützenhaus auf der Eigenwies in Ibach bei Schwyz, Jahrzahl oben in der Mitte. Apfelschussszene; auf einem Baumstrunk stehend, erwartet der Sohn treuherzig den Meisterschuss seines Vaters (auf das Bild klicken um Detail zu vergrössern); im Zentrum der Bundesschwur, darunter die Wappen von Uri, Schwyz und Unterwalden. Über Generationen hinweg erinnerten historische Objekte im öffentlichen Raum an die Befreiungssage und formten das Geschichtsbewusstsein der Bevölkerung.
Bild: Reproduktion nach Andreas Suter: Der schweizerische Bauernkrieg von 1653. Tübingen 1997, S. 459. 

Erinnerungskultur der Oberschicht. Keramik-Kachel in einem vornehmen Haus in Zürich, vor 1615. Erschiessung des Landvogts Gessler durch Wilhelm Teil in der Hohlen Gasse. Verdutzt blickt der Begleiter, dessen Hut mit einer herrschaftlichen Pfauenfeder geschmückt ist, auf den tödlich getroffenen Vogt, während sich Tell oben rechts zu erkennen gibt und das Weite sucht. Oben links hat der Maler den Tellsprung festgehalten (auf das Bild klicken um Detail zu vergrössern). Die Insassen des Schiffs verwerfen Arme und Hände, als Tell das Schiff zurückstösst und mit seiner erhobenen Armbrust das rettende Ufer in Sisikon erreicht. Die Tellskapelle steht bei der Ankunft des Meisterschützen bereits.
Bild: Reproduktion nach Andreas Suter, S. 457.

Tells erster Pfeil durchbohrte in Altdorf den Apfel, der zweite in Küssnacht das Herz des Tyrannen. Ob als Holzrelief in Schwyz oder als Ofenkachel in Zürich, ob für die sogenannt kleinen oder grossen Leute bestimmt: Dreidimensional verkörperten solche Sachquellen über Epochen hinweg die virtuelle Geschichte in den Köpfen. Noch eindringlicher manifestierte sich das Geschichtsbewusstsein, wenn historische oder mythische Figuren nicht bloss geschnitzt, gemalt oder beschrieben wurden, sondern als leibhaftige Menschen auftraten. So geschehen im Bauernkrieg von 1653, dem bedeutendsten Aufstand der alten Schweiz. Bereits beim verbotenen Bauernbund und bei der Knüttelweihe auf Heiligkreuz bei Hasle LU traten gleich drei Tellen in historischen Kostümen auf, stellvertretend für alle bäuerlichen Untertanen der Schwurgemeinschaft. Die Tellfiguren gingen als Produkte aus dem kollektiven Geschichtsbewusstsein hervor und produzierten ihrerseits wieder kollektive historische Vorstellungen. Erst wurden sie vom Geschichtsbewusstsein gemacht, dann machten sie Geschichtsbewusstsein.

Hohle Gasse im Entlebuch: Zinggenbrücke bei Hasle, 29. September 1653. Seit Beginn des Bauernaufstands personifizierten drei Tellen in historischen Gewändern den Widerstand der Talschaft. Das Ritual, das aus dem Dunkel der Vergangenheit hergeleitet wurde, mochte besonders wichtig sein, wenn die Untertanen mit Versammlungen, Bewaffnung und Schwurgemeinschaft geltendes Recht übertraten. – Nach der Niederschlagung des Bauernaufstands reiste eine Luzerner Ratsdelegation zum Schwörtag nach Schüpfheim. Dabei lehnte die Obrigkeit das Gnadengesuch für die nicht gefassten Bauernführer und die drei Tellen ab. Als die Ratsherren zurückritten, wurde die Zinggenbrücke über die Kleine Emme zur Hohlen Gasse. An diesem Engnis verübten die drei Tellen, wie angekündigt, ein Attentat auf die Ratsvertretung aus Luzern. Zeugherr Caspar Studer wurde tödlich getroffen, Schultheiss Ulrich Dulliker verwundet. Am Tag danach brachten die Attentäter zum Ausdruck, dass sie sich als Teil der Talgemeinschaft verstanden. Nach wie vor in Tellenkleidern, besuchten sie demonstrativ den Gottesdienst in der Pfarrkirche. Beim erneuten Einmarsch der Luzerner Truppen verloren sie jedoch die Unterstützung in der Bevölkerung. Zwei Tellen wurden nach kurzem Kampf erschossen, der dritte entzog sich, wurde verraten und hingerichtet.
Bild: Kurt Messmer

Nicht nur im Entlebuch traten drei Tellen auf, sondern auch in den Freien Ämtern und im Emmental. Das zeigt, wie verbreitet, populär und prägend die Tellsgeschichte war. «Gleich wie zu Tellen Leben, also tut’s jetzt hergohn», sangen die aufgebrachten Bauern 1653 im neuen Tellenlied und klagten gegen «die Landvögt, die alls wend haben, Ross, Rinder, Kälber, Schaf». Tell, der Befreier von den alten Tyrannen, sollte wiedererweckt werden und nun von den neuen Tyrannen befreien, den Aristokraten. «Ach Tell! Ich wollt‘ dich fragen: Wach auf von deinem Schlaf!» Aber die Untertanen hatten keine Chance. Da halfen auch drei Tellen nicht. In Bern wurde Leuenberger gevierteilt, ein jeder Teil seines Leibs an einem der vier Stadttore aufgehängt, gegen die Landschaft hinaus. In Luzern wurden die Köpfe von Aufständischen auf Stangen gesteckt und am Baslertor zur Schau gestellt, Richtung Entlebuch, künftigen Tellen zur Abschreckung. Ach Geschichte der alten Eidgenossenschaft. Wilhelm Tell, den es nicht gegeben hat, kennen alle. Die drei Tellen, die es gegeben hat, kennt fast niemand. – Zweihundert Jahre später, auf dem Weg zum Bundesstaat, solidarisierte sich die liberale Saftwurzel Martin Disteli (1802–1844) noch immer mit den Untertanen von damals und hielt die Entlebucher Tellen im Bild fest. «Das Gebäude schweizerischer Eidgenossenschaft, mit Bauernblut gekittet, hat bis auf den heutigen Tag keinen festen Halt mehr bekommen», fügte er 1840 hinzu.

Zeitsprung, 20. Jahrhundert, Zwischenkriegszeit; dazu Szenenwechsel, Kapellplatz in Luzern, 600-Jahr-Feier des Waldstätterbundes. Mit erhobenen Schwurfingern stellten die Akteure den Bund von 1332 nach, meinten jedoch ihre Jetztzeit, den 11. September 1932. Vier Monate vorher, am 7. Mai, war im «Eisernen Besen», einem Kampforgan der Fröntler, zu lesen: «Schweizerbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volks­genosse kann nur sein, wer arischen Blutes ist. Ein Jude kann daher kein Schweizerbürger sein.» Waren die erhobenen Schwurfinger 1932 auch eine Antwort an die Nazi-Anhänger?

Der Bund der vier Waldstätte von 1332 war nicht gegen Habsburg gerichtet. Luzern blieb noch fünfzig Jahre eine österreichische Landstadt. Wenn 600 Jahre später die vermeintliche Bedrohung von damals mit der aktuellen Bedrohung verglichen wurde, so war das, rein historisch gesehen, jenseits von Gut und Böse. Entscheidend war jetzt aber nicht der geschichtliche Sachverhalt, sondern das kollektive Geschichtsbild. Geschichte und Gegenwart gingen ineinander über. «Ach Tell! Ich wollt‘ dich fragen: Wach auf von deinem Schlaf!» Der 11. September 1932 wurde zum Beginn der Geistigen Landesverteidigung.

«Heimkehr» der alemannischen Schweiz ins Grossdeutsche Reich, 1935 verkündet von Karl Haushofer (1869–1946), Professor für Geografie an der Universität München, 1938–1941 Leiter des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland. 1933 war Deutschland aus dem Völkerbund ausgetreten. Im darauf folgenden Jahr leiteten die Nazis den verbotenen Wiederaufbau von Wehrmacht, Kriegsmarine und Luftwaffe ein. 1935 wurde das «Saargebiet heimgeholt!» Im gleichen Jahr erschien die Karte «Grossdeutschlands Schicksalsstunde», welche die Schweiz entlang des Rösti-Grabens teilte, die sogenannt alemannische Schweiz einem angestrebten Grossdeutschland zuteilte. – Ebenfalls 1935 wurde die Stiftung zur Erhaltung der Hohlen Gasse errichtet. Schweizer Geschichte hört nicht an der Schweizer Grenze auf.
Bild: Werner Rings: Schweiz im Krieg 1933–1945. Zürich 1974, S. 65.

Eine Zeit voll politischer Sturmwarnungen. Auf die Stiftung zur Erhaltung der hohlen Gasse von 1935 folgte im Jahr darauf die Einweihung des Bundesbriefmuseums. In einer schwarzen Bundeslade wurde der «Bundesbrief» durch die Strassen von Schwyz getragen, als handle es sich um die Gesetzestafeln von Moses. Bald darauf, 1938, erhoben die Schweizer Stimmbürger Rätoromanisch demonstrativ zur vierten Landesprache, festgeschrieben in der Verfassung. Die Reaktionen der Schweiz erfolgten auf unterschiedlichen Ebenen, aber alle zielten in dieselbe Richtung.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs war eine Stärkung der Schweizer Identität gefragt. Heiligte der Zweck die Mittel? Durfte – in extremis – Geschichte für politische Zwecke in Dienst genommen werden? Allzu leicht sollte man es sich mit einer Antwort nicht machen. Die Geschichte nimmt uns in die Pflicht, das Denken und Fühlen, Tun und Lassen der Menschen aus ihrer jeweiligen Zeit heraus zu ergründen, im Kontext der jeweiligen historischen Grosswetterlage. Das gilt für Individuen und Kollektive. Die Farben der Geschichte sind nicht schwarz und weiss. Geschichte ist die Wissenschaft der Graustufen.

Geschichte ‘raus! Die Hohle Gasse war ein Wegstück, das jahrhundertelang zu einer überregionalen Verbindung gehörte. Die Jahrmärkte in Zurzach entwickelten sich im 16. Jahrhundert zu den bedeutendsten Messen im oberdeutschen Raum. Wenn der Transport von Gütern aus Oberitalien über den Gotthard und den Vierwaldstättersee führte, wurden die Waren in Küssnacht umgeladen und durch die Hohle Gasse nach Immensee gebracht, von wo man sie über den Zugersee und später über den Zürichsee an den Rhein spedierte. Umgekehrt gelangte das für die Viehhaltung unentbehrliche Salz aus dem Bodenseeraum via Zürichsee, Zugersee und Vierwaldstättersee ins Berner Oberland und passierte dabei ebenfalls die Hohle Gasse. Seit dem Mittelalter wurde dieses Wegstück von Menschen und Maultieren benutzt, später von Fuhrwerken, schliesslich von Autos. Damit war 1937 Schluss. Geschichte ‘raus.
Bild: Staatsarchiv Schwyz

Mythos ‘rein! Zunehmender Autoverkehr störte die Weihe des mythischen Orts. Eine Stiftung wollte deshalb 1935 «das Ganze stilgemäss instand stellen und es als Reservat verwalten und dauernd in gutem Zustand erhalten». Konkret hiess das: Rückbau. Richtungweisend war dabei Schillers Bühnenanweisung: «Felsen umschliessen die ganze Szene, auf einem der vordersten ist ein Vorsprung mit Gesträuch bewachsen.» – Schulkinder sammelten Geld, wie schon gut 80 Jahre zuvor für das Rütli. Arbeitslose Jugendliche halfen mit, das Werk zu vollbringen. Untergebracht waren sie im «Arbeitslager Tellenheim», das von der Caritas für rund 40 junge Helfer eingerichtet worden war. Die Einweihung der Hohlen Gasse erfolgte am 17. Oktober 1937 mit landesweiter Beteiligung. Der mythische Akt erreichte die ihm zugedachte Strahlkraft. Wurde die Hohle Gasse gerettet, die Geschichte geopfert?
Bild: Robert Rosenberg, Einsiedeln

«Der vaterländische Opfersinn der schweizerischen Schuljugend hat 1935–1937 den Bau der Umfahrungsstrasse ermöglicht und die Hohle Gasse für alle Zeiten sichergestellt», hielt die Schweizerische Stiftung zur Erhaltung der Hohlen Gasse 1935 auf dieser Gedenktafel fest. Für alle Zeiten, das ist recht lang, und beim vaterländischen Opfersinn der schweizerischen Schuljugend fragt man sich, ob die Jugend von ihrem Opfersinn wohl gewusst habe. Wenn in der Politik Kinder mit ins Spiel kommen, ob auf Bildern, in Reden oder Texten, wird es heikel. «Die Stiftung hat den Zweck, als Treuhänderin der schweizerischen Schuljugend die Hohle Gasse bei Küssnacht am Rigi samt der Tellskapelle dauernd als geschichtlich-vaterländische Stätte zu erhalten», wurde am 16. August 1935 notariell bestätigt. Die Hohle Gasse ist «seitdem Eigentum der Schweizer Schuljugend». Kann eine vaterländische Stätte auch in einem Mutterland stehen? Geschichte ist immer konkret, und Texte soll man stets so nehmen, wie sie dastehen. Daher die Frage, wer mit der Schweizer Schuljugend genau gemeint sei. Etwa jedes vierte Kind der Schuljugend in der Schweiz kommt heute aus einem anderen Land.
Bild: Kurt Messmer

Historische Fabrik

In einer losen Serie setzt sich Professor Kurt Messmer in die Historische Fabrik und «schraubt» alte Daten neu zusammen. Seit Jahrzehnten beschäftigt sich der Zentralschweizer mit den Geschichten hinter der Geschichte. Die Resultate seiner «Schichten» in der Fabrik sind spannend, manchmal irritierend und ab und zu revolutionär.

Die weiteren Folgen:

Der Nationalfeiertag: unveränderbar im Kalender, veränderbar im Kopf
1. August 1891/2017
Historische Fabrik Bern, Bundeshaus

Sempach, Wien/Zürich – So geht Geschichte. Ein Lehrstück
3. September 1865/2017
Historische Fabrik Stans, Dorfplatz

Ein Bild sagt mehr als 1315 Worte
15. November 1315/2017
Historische Fabrik Schwyz, Rathaus

Das usserwelte Volk Gottes im Zentrum der Welt, nämlich wir
31. Dezember 1479/2017
Historische Fabrik Einsiedeln, Kloster

Geschäft und Geschichte. Der Chronist bezahlt die Zeche
5. Januar 1477/2018
Historische Fabrik Bern, Ratsstube

Kurt Messmer
(*1946) von Emmen LU war Fachleiter Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Luzern und Lehrbeauftragter für Geschichtsdidaktik an der Universität Freiburg CH; seither freischaffender Historiker mit Schwerpunkt Geschichte im öffentlichen Raum.

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Ihr Kommentar





8 Kommentare

Ehre der aussterbenden Geschichtsvermittler-‚Rasse’: Fachhistoriker zuerst und dann auch noch Pädagoge! Endlich erhält der Geschichtsfabrikler Kurt Messmer seine nationale (wenn nicht internationale) Plattform, um das weitergeben zu können, was während der letzten drei Jahrzehnte ‚nur‘ seine SchülerInnen, Studierenden und das interessierte Fachlehrerkollegium mitbekommen haben. Prosit!

Steffen Walter sagt:

Einfach grossartig und spritzig zugleich! Diese Darstellung reizt mich, die Hohle Gasse wieder einmal zu besuchen.

Meine letzte Erinnerung an die „Hohle Gasse“ ist mit einem Autounfall verbunden: Ich wollte mit der Familie diese Gasse begehen und beim Abbiegen fuhr mir ein Schwyzer ins Heck. Die Polizei, die den Herrn offenbar gut kannte, verzeigte mich, obwohl eigentlich der nachfolgende Fahrer jederzeit bremsen muss. Ein nachhaltiges Erlebnis mit Folgen für mein Verhältnis zur Obrigkeit und deren Knechte.
Deine fundierten Ausführungen und die Abbildungen haben mich wiederum beeindruckt und ich freue mich auf die nächste Folge.

Max Siegrist sagt:

Einmal mehr ein Text mit Erkenntnissen, welche ich gerne der Lehrerschaft (und damit auch der „Schweizer Schujugend“), die zu meiner Schulzeit mein „Geschichtswissen“ darbrachten, gegönnt hätte.

Markus Ineichen sagt:

Ich kombiniere zügig und lustvoll beim Lesen und Schauen des Textes. Das hat zu tun mit der emotionalen Angeregtheit, mit dem unvermutet Hingeworfenen („Etwa jedes vierte Kind der Schuljugend in der Schweiz kommt heute aus einem anderen Land.“), mit dem unaufdringlich Verbindlichen („… Geschichte für politische Zwecke in Dienst genommen werden? Allzu leicht sollte man es sich mit einer Antwort nicht machen.“), mit dem zurückhaltend Didaktischen („Wilhelm Tell, den es nicht gegeben hat, kennen alle. Die drei Tellen, die es gegeben hat, kennt fast niemand.“), mit der metaphorischen und dennoch zuverlässigen Begrifflichkeit (z. B. Sakrallandschaft), mit der wissenschaftlichen Positionierung („Geschichte ist immer konkret, und Texte soll man stets so nehmen, wie sie dastehen.“).
Markus Ineichen

Peter Gyr, Kigali sagt:

Es freut mich, fernab der Heimat, die erfrischenden und witzigen Beiträge der historischen Fabrik zu lesen. So macht Lesen und Geschichte Spass!

F. Felix, Aesch BL sagt:

Da kann man nur sagen: Wer Geschichte nicht spannend findet ist selber schuld.

Hubert Schaller sagt:

Als Max Frisch dem Tell-Mythos 1971 eine eigene Version entgegensetzte, seinen sog. „Wilhelm Tell für die Schule“, wurden die Schulmeister im Bernischen Lehrerblatt vom August 1971 ausdrücklich vor diesem irreführenden Werk gewarnt und angehalten, den Schillerschen Tell noch intensiver als zuvor zu pflegen. Als Frisch sich nach der Veröffentlichung seiner Schrift im Theater Basel der Diskussion stellte, glänzten die Historiker und Geschichtslehrer durch Abwesenheit.
Seither ist viel Wasser in den Vierwaldstättersee geflossen. Heute betreiben die meisten Historiker ihr Geschäft mit mess(m)erscharfem Sachverstand. Im Zeitalter von fake news und der Renaissance nationalistischen Gedankenguts von der unappetitlichen Sorte eine wahre Wohltat!

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