Die Slackline-Profis Sebastian Gum Chung Segraves aus Kalifornien und Daniel Laruelle aus Südafrika beweisen ihr Geschick im September 2017 am Moléson im Kanton Freiburg. Foto: Swiss Press Photo 18 / Michael Buholzer

Faktor Bewegung

Sportfotografen brauchen für das perfekte Bild nicht nur die richtige Ausrüstung, sondern auch ein gutes Auge und das Gespür für den richtigen Moment.

Die Pressefotografie gehört zu den anspruchsvollsten Kategorien der Fotografie. Emotionen einzufangen und in einem Bild eine ganze Geschichte zu erzählen, ist eine Kunst. Besonders herausfordernd sind Sportbilder, denn hier kommt der Faktor Bewegung erschwerend hinzu. Den leidenden Fussballer, der in der Luft einen Ball abnimmt und von einem Gegenspieler behindert wird, genau im richtigen Moment festzuhalten, ist schon fast so sportlich wie der körperliche Kampf um das runde Leder. «Es braucht eine Portion Glück, um ein perfektes Sportbild zu schiessen», sagt Alessandro Della Bella, der lange als Sportfotograf gearbeitet hat. Ein bisschen mehr als Glück braucht es aber schon. Den richtigen Moment, um abzudrücken, muss man spüren. «Es müssen Schlüsselszenen mit Fokus auf Action und Emotionen eingefangen werden», sagt Tobias Gysi, Bildchef der Blick-Gruppe. Auch die richtige Platzierung und der Winkel seien entscheidend. Für ein gutes Bild braucht es auch Kenntnisse über die Besonderheiten der jeweiligen Sportart. Gysi betont: «Der Fotograf muss die Sportart verstehen und immer fokussieren. Konzentration über einen ganzen Match sind ein Muss.»

Der Mazedonier Luka Bozhinovski hat an den Ski-Weltmeisterschaften im Februar in St. Moritz Pech: Im Riesenslalom der Männer verliert er einen Ski und scheidet aus. Foto: Swiss Press Photo 18 / Jean-Christophe Bott

Die richtige Bildauswahl

Nachdem die Bilder gemacht sind, steht die richtige Bildauswahl an. Dabei ist entscheidend, ob die Fotos für den Online- oder den Printbereich verwendet werden. Tobias Gysi erklärt: «Für Onlinemedien wirkt es generell besser, wenn man näher heran zoomt. Man hat theoretisch unbegrenzten Platz und kann mit Bildstrecken und Galerien Stories erzählen. Im Print ist man hingegen räumlich begrenzt und deshalb ist die Selektion noch wichtiger. Ausserdem ist etwas mehr Distanz gefragt, da oftmals noch Titel im Bild platziert werden.» Unter den Sportfotografen kennt man sich mit der Zeit. «Man geht kollegial miteinander um und ist hilfsbereit», erzählt Tobias Gysi. Wer wie Alessandro Della Bella lange als Sportfotograf gearbeitet hat, baut auch eine Beziehung zu den Athletinnen und Athleten auf. Man kennt und schätzt sich. Während den Olympischen Spielen werde auch mal zusammen etwas getrunken. Sowieso sind die Olympischen Spiele laut Alessandro Della Bella das Grösste für einen Sportfotografen. Quasi der Olymp der Sportfotografie.

 

Swiss Press Photo 18

Landesmuseum Zürich

4.5. – 1.7.2018

Swiss Press Photo 18» versammelt die besten Schweizer Pressebilder des Jahres 2017 im Landesmuseum Zürich. Die Ausstellung resümiert bildhaft prägende Ereignisse des vergangenen Jahres und erlaubt einen individuellen Blick aufs Geschehene. Die internationale Jury erkürt in sechs Kategorien die besten Fotografien und die Gewinnerbilder. Rund 90 Fotografien werden zu den Themen Aktualität, Alltag, Schweizer Reportagen, Porträt, Sport und Ausland gezeigt.

Andrej Abplanalp on Wordpress
Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

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