Grabplatte von Rudolf von Habsburg im Dom von Speyer. Die Darstellung gilt als erstes lebensechtes Herrscherporträt im Reich. Foto: Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz

Vor 800 Jahren geboren: Rudolf von Habsburg

Rudolf von Habsburg gehört zu den erfolgreichsten Persönlichkeiten, die unser Land je hervorgebracht hat. Der spätere König des Heiligen Römischen Reiches legte den Grundstein für das habsburgische Österreich.

Das 18er-Jahr ist in vielerlei Hinsicht ein Jubel- und Gedenkjahr für die Schweiz. Das Jahr 1218 hat für die Geschichte des Raums der heutigen Schweiz eine besondere Bedeutung. Mit dem Aussterben der Herzöge von Zähringen, der dominierenden Familie im Südwesten des Heiligen Römischen Reichs, werden 1218 die Karten neu gemischt. Profiteure sind südlich des Rheins in erster Linie die Grafen von Kyburg, in zweiter Linie aber auch die Grafen von Habsburg, die sich als treue Vasallen der Stauferkönige erwiesen haben. Und 1218 gilt auch als Geburtsjahr von Rudolf von Habsburg, dem grossen Aufsteiger des 13. Jahrhunderts und Stammvater des späteren habsburgischen Weltreichs.

Die Stammburg der Habsburger ob der gleichnamigen Gemeinde im Aargau. Foto: Bruno Meier

Urkunde von 1243 mit dem Siegel des Grafen Rudolf von Habsburg. Das Siegel zeigt den aufsteigenden Löwen als Wappen der Habsburger. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Um die Geburt von Rudolf spinnt sich die Legende, dass der Stauferkönig Friedrich II. sein Taufpate gewesen sei. Unabhängig davon, ob das stimmt, die Habsburger haben sich immer als staufertreu bezeichnet und sich in der Nachfolge der Staufer gesehen, obwohl sie nicht mit ihnen verwandt waren. Viele Legenden um Rudolf von Habsburg sind kurz nach seinem Tod im Umfeld der familiennahen Chronistik entstanden und können als Herrschaftspropaganda bezeichnet werden. Sie schildern den Habsburger als erfolgreichen, zupackenden, aber auch volksnahen und weisen Herrscher.

Rudolf war der Sohn von Albrecht IV., der mit Heilwig von Kyburg verheiratet und wahrscheinlich 1239/40 auf einem Kreuzzug gestorben war. Aus dieser Verbindung leitete sich später auch der Anspruch der Habsburger auf das Erbe der Kyburger ab. Rudolf übernimmt 1240 zusammen mit seinen Vettern aus dem später als Laufenburger Linie bezeichneten Familienteil Verantwortung in der Familie. Er wird sichtbar als Dienstmann des Stauferkönigs in den oberitalienischen Kriegen und hält Friedrich II. auch die Stange im heftigen Konflikt mit dem Papst in den Folgejahren, dies im Gegensatz zu seinen Vettern. Erst nach dem Tod des Königs 1250 und dessen Sohnes Konrad IV. 1254 passt sich Rudolf notgedrungen der neuen Situation an. Im gleichen Jahr heiratet er Gertrud aus dem schwäbischen Adelsgeschlecht der Hohenberg. Rudolf von Habsburg gehört in den folgenden Jahren zu den erfolgreichsten Adligen, die im sogenannten Interregnum, der Zeit ohne die Präsenz eines anerkannten Königs, ihre Macht massiv ausbauen können. Dazu gehört seine Präsenz im Elsass, die durch seine Heirat gestärkt wird und wo er sich rechtzeitig auf die Seite der Stadt Strassburg im Konflikt mit dem Strassburger Bischof stellt. Dazu gehört ein gewaltsamer Machtausbau im Schwarzwald und schliesslich als Höhepunkt die Übernahme des kyburgischen Erbes ab 1264 gegen den Widerstand der Grafen von Savoyen. Ein Erbe, das er teils selbst beansprucht, teils seinem Vetter Eberhard der Laufenburger Linie weiterreicht und so seinen Einfluss wahrt. Damit wird Rudolf von Habsburg zur dominierenden Figur im Raum zwischen Genfersee und Bodensee.

Rudolf von Habsburg erfährt vor Basel von seiner Wahl zum König. Spiezer Chronik um 1483, Burgerbibliothek Bern. Bild: e-codices

1273 wird er überraschend zum König gewählt. Die Gründe dazu sind nicht bekannt, vermutet wird, dass die wählenden Fürsten nicht einen der ihren mit grosser Macht wollten, sondern einen weniger mächtigen, der aber das Potenzial hatte, die im Interregnum vernachlässigten Strukturen des Reichs wiederherzustellen. Und das gelang Rudolf in erstaunlich kurzer Zeit und mit grossem Erfolg. Nicht nur brachte er seine Familie mit zahlreichen Eheschliessungen auf Augenhöhe mit den grossen Reichsfürsten, er setzte sich auch im Konflikt mit dem König von Böhmen um die Herzogtümern Österreich und Steiermark 1278 durch. Vier Jahre später krönte er diesen Erfolg mit der Verleihung der beiden Herzogtümer an seine Söhne Albrecht und Rudolf und legte damit den Grundstein für das habsburgische Österreich.

Rudolf von Habsburg auf dem Sterbebett. Silbereisen: Chronicon Helvetiae, Teil 1, um 1576, Aargauer Kantonsbibliothek. Bild: e-codices

Rudolf starb am 15. Juli 1291 in Speyer. Er inszenierte seinen Tod am Ort der Grablege von salischen und staufischen Königen und manifestierte damit den Anspruch der Habsburger auf deren Nachfolge. In der eidgenössischen Geschichte hat Rudolf erstaunlicherweise ein recht positives Image erhalten, obwohl er den Machtausbau im heutigen Schweizer Mittelland konsequent vorantrieb und kurz vor seinem Tod mit dem Kauf von Luzern auch eine bedeutende Erwerbung in der Zentralschweiz machte. Ob in der Folge seines Todes die drei Länder Uri, Schwyz und Unterwalden tatsächlich ein Bündnis abschlossen, bleibt ungewiss, da der Bundesbrief von Anfang August 1291 bis heute kontrovers beurteilt wird. Auf jeden Fall aber hatten sich vor allem seine Enkel und Urenkel im 14. Jahrhundert mit den expandierenden Eidgenossen auseinanderzusetzen, meist mit schlechtem Ausgang für sie selbst.

Und trotzdem: Rudolf von Habsburg, wenn wir ihn als Teil der Schweizer Geschichte reklamieren, gehört zu den erfolgreichsten Persönlichkeiten, die unser Land je hervorgebracht hat.

Rudolf von Habsburg auf einer Zeichnung nach dem nicht erhaltenen Stifterscheiben-Zyklus in Königsfelden. Fugger’scher Ehrenspiegel des Hauses Österreich von 1555, Bayrische Staatsbibliothek. Bild: digitale-sammlungen.de

Bruno Meier
Dr. phil. Bruno Meier aus Baden ist Spezialist für die Frühgeschichte der Habsburger. Sein neuestes Buch: «1291. Die Geschichte eines Jahres», Baden 2018.

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