Mauer des römischen Kastells in Irgenhausen (Pfäffikon). Foto: Wikimedia / Roland zh

Die römische Mauer

Die römische Grenze war nicht nur ein Schutz, sondern auch eine Einnahmequelle. Dort wurde nämlich Zoll erhoben. 10 bis 25 Prozent kassierten die Römer bei Ein- und Ausfuhren.

Die An- und Übergriffe der Barbaren auf das römische Reich blieben nicht ungeahndet: Das Imperium schlug zurück. Doch die militärischen Erfolge gegen die Germanen, Perser und weitere Gegner waren oft Pyrrhussiege: Die römische Kriegsmaschinerie verschlang enorme personelle und finanzielle Ressourcen, die an anderer Stelle dringend gebraucht worden wären. Das Bruttoinlandprodukt schrumpfte, die Steuern stiegen und mit der römischen Wirtschaft ging es talwärts. Dies auch, weil der Handel mit dem wichtigen «Absatzmarkt Barbaricum» erheblich schwankte. Wenn die potenzielle Kundschaft die Ladentür eintritt und sich selbst bedient – sprich: Grenzen überrennt, Landschaften verwüstet und Städte plündert – dann läuft das Geschäft eher unbefriedigend.

Dabei bildeten die Stämme jenseits des Limes in friedlichen Zeiten eine wichtige Einnahmequelle. Und nicht nur Produzenten und Händler, auch der Staat verdiente kräftig mit. Was das Reich verliess oder eingeführt wurde, bekam einen Zoll von 10 bis 25 Prozent aufgedrückt. Die ebenfalls existierenden Binnenzölle – beispielsweise in Zürich – blieben mit 2 bis 3 Prozent vergleichsweise moderat.

Holzmodell des römischen Kastells von Irgenhausen. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Roms Grenzen waren Verteidigungslinien und Zollstationen. Eine davon, der obergermanisch-rätische Limes, liess sich zwischen 260 und 285 n. Chr. nicht mehr halten und so verliessen die Legionäre die eher schwach befestigten Palisaden und zogen sich zurück an den Rhein. Dieser hatte schon zwei Jahrhunderte zuvor die Grenze gebildet und war mit steinernen Kastellen verstärkt. Mit zusätzlichen Kastellen im Hinterland schützten die Römer zudem auch strategisch wichtige Punkte und Strassen im Reich.

Eines dieser Verstärkungs-Forts war das Kastell von Irgenhausen. Dieses thronte auf einem kleinen Hügel über der Strasse zwischen Vitodurum (Winterthur) und dem oberen Zürichsee und hatte einen quadratischen Grundriss mit Seitenlängen von beachtlichen 60 Metern Länge. Die Ruine des um 295 oder um 370 erbauten Kastells erhebt sich heute noch über Irgenhausen und bleibt eines der eindrücklichsten römischen Relikte der Nordostschweiz.

Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

Benedikt Meyer
Historiker Benedikt Meyer ist auf historische Reportagen spezialisiert. Er schreibt unter anderem für das Reisemagazin Transhelvetica.

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