Der Globi-Club

Globi beginnt seine Karriere als Werbefigur. Mitten in der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre soll er für Aufschwung sorgen. Kinder schliessen den lustigen Vogel schnell ins Herz und gründen aus eigenem Antrieb Globi-Clubs.

Inmitten der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre suchen Firmen nach Strategien, um neue Kundengruppen zu erschliessen. Die Akquise soll nachhaltig, zukunftsträchtig und konsumfördernd sein und setzt bereits bei den jüngsten Interessenten, den Kindern, ein. Diese Massnahmen führen zu Grosserfolgen der Kinderunterhaltung in einer Zeit, in welcher Konsumangebote für die Freizeit nur sehr spärlich verfügbar sind. So entwirft die Werbeabteilung des Warenhauses Globus unter Reklamechef Jgnatius Karl Schiele für das 25-Jahr-Jubiläum von 1932 eine Figur, welche bis heute Generationen von Kindern begeistert. Kimbukku soll der afrikanische Vogel, gezeichnet von Robert Lips, ursprünglich heissen, getauft wird er allerdings auf den werbetauglicheren Namen Globi. Als überlebensgrosses Pappmaskottchen tritt der Vogel an Jubiläumsfeiern, den sogenannten Jugend-Meetings, in den Globus-Filialen in Chur, Bern, Aarau, Zürich und Basel auf. In ungewohnter Szenerie der Warenhäuser ist es Kindern erlaubt, in den verschiedenen Abteilungen über 14 Tage lang zu basteln und zu malen. Auch Schiessbuden, Briefmarkenbörsen und Zeichenwettbewerbe gehören zum Unterhaltungsangebot. Globis Konterfrei wirbt für diese Veranstaltungen, die sich in den beiden Folgejahren wiederholen.

Globi wird schnell mehr als nur eine reine Werbefigur. Die zwischen 1935 und 1970 erscheinende Zeitschrift Der Globi begleitet und prägt Schweizer Kinder und Jugendliche über Jahrzehnte. Ebenfalls 1935 erscheint der erste Bildband Globis Weltreise. Den in der Erstausgabe fehlenden Text wird Alfred Bruggmann später dazu dichten. Es ist besonders dieses populäre Format der Globi-Bücher mit seinem charakteristischen Versmass und den Schwarz-Weiss-Illustrationen, welches tausenden von Deutschschweizer Kindheiten seither vertraut ist.

Robert Lips' Plakat für ein Globi-Jugend-Meeting aus dem Jahr 1934. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Kaspar Villigers Brief an Globi

Die Begeisterung für die Figur ist schliesslich so gross, dass der 14-jährige Gottfried Brunner aus Schwerzenbach 1936 aus eigenem Antrieb den ersten Globi-Club gründet. Bis 1952 entstehen in der Deutschschweiz circa 700 Clubs mit mehr als 9000 Mitgliedern. Die Redaktion der Globi-Zeitung nimmt diese Bewegung freudig auf, begrüsst jedes neue Mitglied einzeln und formuliert schliesslich Grundsätze für die Clubs, die vergleichbar den Regeln der Pfadfinder lauten; sinnvolle Freizeitgestaltung, Pflege der Kameradschaft und das Vollbringen von guten Taten sollen für die Globianer Ehrensache sein. So legt der spätere Bundesrat Kaspar Villiger 1952 – er ist damals elf Jahre alt – seinem Brief an die Redaktion selbstverdiente 15 Franken bei und trägt dieser auf, das Geld «unter den Armen» zu verteilen.

Globi wird in den vielen Fanbriefen an die Redaktion als Ansprechpartner in allen Belangen und sogar als Sorgenonkel angeschrieben. Diese Post beantworten die Mitarbeiter der Globi-Redaktion sorgsam. Auch vom Angebot, die Redaktion zu besuchen, sollen bis 1948 circa 39‘000 Kinder Gebrauch gemacht haben. In der nach 1968 veränderten Kinderkultur passen dann allerdings sowohl die Globi-Clubs wie auch die Globi-Zeitung nicht mehr zum Zeitgeist und werden eingestellt.

Auch andere Unternehmen versuchten mit Angeboten für Kinder neue Kunden zu gewinnen. Lesen Sie morgen, wie der Fip-Fop Club in den 1940er- und 1950er-Jahren mit mobilen Kinos die Kinder in den Bann zieht.

1952 schrieb der spätere Bundesrat einen Brief an die Redaktion der Globi-Zeitung. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Jugend-Meeting im Globus von 1934 (links). Im Zürcher Globus fanden drei grosse Kinderfeste für Globi-Fans statt (oben). Erstmals 1932. Fotos: Sammlung Beat Frischknecht, Zürich

Joggeli, Pitschi, Globi …
Beliebte Schweizer Bilderbücher

Landesmuseum Zürich

15.6. – 14.10.2018

Über Generationen begeistern die Figuren aus Schweizer Bilderbüchern unzählige Leserinnen und Leser. Die Familienausstellung im Landesmuseum Zürich lässt Kinder in die Bilderbuchwelten eintauchen, während Erwachsene ihren einstigen Lieblingen im kulturellen Kontext begegnen.

Anna Wälli
Anna Wälli hat Slavistik und Osteuropäische Geschichte studiert und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Schweizerischen Nationalmuseum.

Kategorien

Sharing is caring
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email

Ihr Kommentar