Plakatentwurf, undatiert. Ginder-Ale. Auftraggeber: Brauerei Ginder-Ale, Martinas, Merchtem. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Zum 108. Geburtstag von Donald Brun

Am 30.10.1909, heute vor genau 108 Jahren, wird Donald Brun in Basel geboren. Seit Brun seine Lehre zum Reklamezeichner 1930 abgeschlossen hat, haben sich Technik und Arbeitsgeräte gewandelt. Seine Plakate werden aber noch heute verstanden und manches Schmunzeln ist zeitlos.

Öffnet man im Depot für Druckgrafik des Schweizerischen Nationalmuseums eine der zahlreichen säurefreien Schachteln mit Plakatentwürfen von Donald Brun, taucht man ein in eine bunte Welt. In eine bunte und reich bevölkerte! Denn der Grafiker erweckt die Produkte in seinen Werbeplakaten gerne zum Leben. So zeigt eine Reklame für Schläuche nicht einfach das leblose Werkzeug, sondern demonstriert die nützliche, wohltuende und offensichtlich erfreuliche Wirkung des zu verkaufenden Produkts ganz plastisch. Der Schlauch wird zum Rüssel eines Elefanten, der Dickhäuter beobachtet die erfreuliche Wirkung scheinbar lächelnd aus den Augenwinkeln.

Zum Leben erweckt wird auch die Toblerone-Tafel. Die Stolz gestreckte Haltung der Schokolade animiert den Grafiker dazu, die Süssigkeit zum Star zu machen –sozusagen zum singenden Star mit Schokoladen-Mikrofon, ­ was dem Auftraggeber nur gefallen kann. Obwohl es in diesem Fall zwei Lesarten gibt – denn es könnte auch sein, dass die Toblerone mit silbrig gewelltem Haar nicht singt, sondern gerade dabei ist, eine ebensolche Toblerone-Tafel zu verspeisen. Du bist was du isst, mag man denken, doch das regt an zu Ausführungen über Schokoladen-Kannibalismus, was hier nicht weiterverfolgt werden soll.

Plakatentwurf, undatiert. Schlauch-Werbung mit Elefant. Firma unbekannt, Signet nicht identifizierbar (Behrmann/Bosshard Schläuche/Gummi Maag?). Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Plakatentwurf, undatiert. Toblerone. Auftraggeber: Tobler & Co. AG, Bern. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Der Basler wirbt jedoch nicht nur für Produkte des täglichen Gebrauchs oder Genussmittel – gerade auch die Chemische Industrie ist ein wichtiger Auftraggeber. Für sie gestaltet er zahlreiche Messestände an der Basler Mustermesse, und 1958 an der Weltausstellung in Brüssel den Pavillon für Chemie. Das zeigt sich auch in seinem Plakatschaffen.

Obwohl hier so unterschiedliche Produkte beworben werden, die Entwürfe und Plakate zeigen deutlich: Der freischaffende Grafiker Brun stellt das beworbene Produkt gerne in den Mittelpunkt, zumeist fast ohne Worte, dafür mit viel Witz und Farben.

Plakat «... wieder vögeliwohl. Contra-Schmerz. Gegen Kopfweh, Migränen, Rheuma, Erkältungserscheinungen.», 1944. Auftraggeber: Dr. Wild & Co., Basel. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Mit Pinsel und Tusche

Von 1927 bis 1930 absolviert Donald Brun bei Ernst Keiser, dem damaligen Lehrer für Kalligrafie an der Fachklasse für Grafik der Allgemeinen Gewerbeschule Basel, eine dreijährige Lehre als Reklamezeichner. Diese Berufsbezeichnung beschreibt auch Bruns technische Herangehensweise sehr gut: Selten arbeitet er mit dem Medium Fotografie, fast immer gestaltet er seine Plakate grafisch. Auch als langjähriger Fachlehrer (1946-74) an der Gewerbeschule Basel gibt er diese Philosophie weiter: Von seinen Schülern fordert er, dass die Entwürfe mit Bleistift, Tusche, Pinsel und Farbe auf Papier gestaltet werden sollen.

Die Verwendung einer Fotografie ist äusserst selten für Brun und  kann als Zugeständnis an den Auftraggeber verstanden werden. Plakatentwurf, 1969. «Bata». Auftraggeber: Bata. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Auch Schere und Leim gehören zu den oft benützten Werkzeugen Bruns: Seine Plakatentwürfe gestaltet er oftmals als Collagen. So verwendet er die Zigarrenschachtel, um den Körper des bekannten Gauloises-Gockels darzustellen. Auch bei weiterem Federvieh bedient er sich dieser Technik, man betrachte nur den schön herausgeputzten Merrent-Vogel, der für «Damen- und Herrenkleidung» wirbt. Denn auch wenn Kleidermoden sich ändern, und die Arbeitsweisen der Grafiker heute andere sind: Die Plakate von Donald Brun entlocken mit ihrer Farbenpracht und ihrem Humor immer noch so manches Lächeln.

Plakatentwurf, 1958. Auftraggeber: Gauloises. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Plakatentwurf, undatiert. Auftraggeber: Gauloises. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Plakatentwurf, 1970. «Merrent. Herren- und Damenkleider» Auftraggeber: Merrent [?]. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Donald Brun, um 1940. Foto: Privatbesitz R. Kupper

Daniela Schwab
Daniela Schwab ist Historikerin und Kuratorin für Druckgrafik, Alte Drucke und Rara sowie Swiss Graphic Design am Schweizerischen Nationalmuseum.

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