Beromünster auf einer Druckgrafik von 1790. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Chorherren rüsten für die Zukunft

Das Stift Beromünster feiert bald sein 1000-jähriges Jubiläum. Der Stift und seine Lateinschule hat über die Jahrhunderte zahlreiche Persönlichkeiten hervorgebracht.

Beromünster im Kanton Luzern ist über die Schweizer Grenzen hinaus für zwei historische Themen und mehrere Schweizer Persönlichkeiten bekannt: Aus jüngster Geschichte ist es als Wiege des Deutschschweizer Radios in Erinnerung: «Radio Beromünster» wurde ab den 1930er-Jahren zum Garant für guten Journalismus und zu einer Stimme der Freiheit. Ende 2008 wurde der Sender eingestellt. In den ehemaligen Senderäumen sorgt seither das Museum KKLB für «Kunst- und Kultur im Landessender Beromünster».

Nur knapp zwei Kilometer davon entfernt liegt das Chorherrenstift St. Michael. Dieses über Jahrhunderte gewachsene Gesamtkunstwerk ist von grosser kulturgeschichtlicher Bedeutung. Nach der Überlieferung soll hier der Sohn von Graf Bero auf einer Bärenjagd getötet worden sein. An der Stelle, wo man die Leiche fand, liess dessen Vater eine Kirche erbauen. Gesichert weiss man, dass Graf Ulrich «der Reiche» von Lenzburg, 1034/36 eine frühromanische Basilika errichten liess. Diese ist im Kern bis heute erhalten. 1036 wird das Stift in einer Schenkungsurkunde erstmals erwähnt. Seit dem 10. Jahrhundert lebt hier eine Gemeinschaft von Geistlichen.

1930 wurde mit Hilfe von italienischen Bauarbeitern der Landessender Beromünster gebaut. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Das Stift gleicht einem Dorf im Dorf. Es liegt in der Mitte der Gemeinde Beromünster und grenzt an den mittelalterlichen «Flecken» des Ortes. Es besteht aus der Kirche, einem angrenzenden Kreuzgang und der Galluskapelle. Umgeben ist die Kirche von 34 Chorhöfen. Dort wohnen zum einen Teil die Chorherren, zum anderen Teil Drittmieter. Zum Stift gehört auch ein prächtig renoviertes Stiftstheater sowie die «Schol». Diese einstige Lateinschule, die heute als Seminarhaus dient, und das Theater sollen künftig mehr Besucher aus der Ferne in das Stift zu locken.

Reichtum zog zahlreiche Künstler an

Die einst mehrheitlich adeligen Chorherren wurden nach dem 15. Jahrhundert zunehmend durch Söhne der Luzerner Patrizierfamilien abgelöst. Von deren Reichtum und Kunstverständnis zeugen noch heute die herrschaftlichen Stiftshäuser rings um die Kirche. Das Stift beschäftigte in dieser Zeit zahlreiche Künstler und Kunsthandwerker, die sich zu Füssen des Stiftsbezirks niederliessen. Aus dem Stift samt seiner damaligen Lateinschule entwuchsen Persönlichkeiten, die die Schweiz verändern sollten, unter anderem Chorherr Helias Helye (1400–1475): Er druckte in Beromünster 1470 das erste datierte Buch der Schweiz. In der gleichen Zeit reifte Chorherr Heinrich von Gundelfingen (1440/50–1490) zu einem Wegbereiter des Humanismus heran. Auch brachte das Stift einen «General im Chorhemd» hervor: Marian Herzog (1758 – 1828), Sohn eines Stiftsammanns in Beromünster, ging als Oppositioneller gegen den Franzoseneinfall von 1798 in die Geschichte ein. Er gehörte zu den eifrigen Aufrührern und zog gegen die aufrückenden Franzosen in den Kampf (dies dann allerdings nicht in Beromünster, sondern in Einsiedeln, wo der Benediktinerpater einst tätig war).

Das Stift in Beromünster hatte durch den Franzoseneinfall massive Einbussen zu verkraften: Unter anderem verlor es seinen Kirchenschatz. Schwerer aber wog die Auflösung der Feudalrechte durch die Revolution. So verlor das Stift seine Besitzungen und bisherigen Einkünfte.

Heute werden die Chorherren des Stifts längst nicht mehr von Revolutionären und wütenden Franzosen bedroht. Sie stehen indes vor grossen strukturellen und organisatorischen Herausforderungen: Es gilt, das langfristige Überleben des Stifts zu sichern und neue Finanzierungsquellen zu erschliessen. Im Jahr 2036 will das Stift sein 1000-jähriges Kirchenjubiläum feiern. Dazu muss es sich für die Zukunft rüsten. Eine der grössten Herausforderungen liegt dabei darin, eine langfristige, wirtschaftlich stabile Basis zu schaffen. Zugleich soll der Gründungszweck des Stiftes bestehen bleiben: Das gemeinsame tägliche Chorgebet und die Feier der Liturgie. Aus diesem Grund haben die Chorherren vor einem Jahr das Projekt «Ultra Fines» (siehe Box) ins Leben gerufen.

Marian Herzog versuchte, Einsiedeln mit 400 Mann gegen die anrückenden Franzosen zu verteidigen. Als er scheiterte, floh Herzog ins Kloster Bludenz. Foto: Wikimedia

Projekt Ultra Fines

Erste Schritte im Rahmen des Zukunftsprojektes «Ultra Fines» wurden bereits getätigt: So schafft das Projekt «Geistliche Musik im Stift Beromünster» neu eine Plattform, die sich mit Musikpraxis, Theologie und Forschung auseinandersetzt. Ein «Auszeithaus» bietet Ruhesuchenden eine Pause vom Alltag. Die Chorherren haben auch entschieden, dass die «Lebensgemeinschaft Arche» mit einer Wohngemeinschaft in das Stift einziehen soll. Das ist eine Organisation für Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen. Derzeit beschäftigen sich auch Studenten der Hochschule für Technik Rapperswil mit dem Projektmodul «Zukunftsland Beromünster». Als nächstes erarbeiten die Chorherren zusammen mit dem Pastoralraum St. Michelsamt das neue Projekt «Jugend und Stift».  

Mehr Infos: www.stiftberomuenster.ch

Stift Beromünster bei Nacht. Foto: Daniel Widmer

Gabriela Bonin
Gabriela Bonin (50), freie Journalistin, lebt seit sechs Jahren in Beromünster und wohnt in einem der 34 Häuser des Chorherrenstifts St. Michael.

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Ein Kommentar

Bis heute bin ich sehr mit Beromünster verbunden. Ich besuchte dort das Gymi.
Unsere drei Boys ebenfalls.
Könnte Beromünster nicht mehr aus sich machen? Ist es doch ein Bijoux in der Luzerner Landschaft.