Reklamemarken für die Automobil-Fabrik SAFIR. Zürich: Graphische Anstalt J. E. Wolfensberger, 1907. Farblithografie. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

SAFIR – ein Auto aus Zürich-West

Wo heute das Zürcher Tonhalle-Orchester spielt und der Prime Tower in den Himmel ragt, wurden von 1913 bis 1991 Zahnräder, Pumpen und Werkzeugmaschinen produziert. Und von 1907 bis 1910 ein paar Dutzend Automobile der Marke SAFIR.

In Zürich-West erinnern die Bezeichnungen Maag-Areal und Tonhalle Maag an den ehemaligen Industriestandort. Die Automobil-Fabrik SAFIR ist vergessen. Von ihrer Existenz zeugen unter anderem ein paar hervorragend gestaltete Werbedrucksachen in der Grafischen Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums.

In nächtlicher Fahrt steuert eine nackte, in grelles Licht getauchte Frau mit loderndem Haar einen Kraftwagen aus einer Kurve heraus haarscharf am Betrachter vorbei in die Tiefe. Auf dem dunklen Hintersitz kauert ein golemhafter Riese und verleiht dem Gefährt gewaltigen Schub. Im Scheinwerferlicht die Automarke: SAFIR. Die scharfe S-Kurve nimmt den Anfangsbuchstaben des Firmennamens vorweg. Man hört das Bild buchstäblich. Das ist mehr als visuelle Kommunikation. Das ist visuelle Akustik. Hier ist ein Meister der jungen Schweizer Werbegrafik am Werk: Burkhard Mangold. Im Auftrag des innovativen Zürcher Druckereiunternehmers Johann Edwin Wolfensberger entwirft er eine Werbekampagne für die Zürcher Automobilfabrik SAFIR, mit kleinformatigen Reklamemarken, Werbekarten und Prospekten sowie Plakaten im neuen Weltformat. Nicht nur die dynamische und lautmalerische Gestaltung, auch das Produkt, für das geworben wird, ist im Jahr 1908 noch neu. Die Frage, ob die Landstrasse für das Automobil freigegeben werden soll, war damals ein beliebtes Aufsatzthema.

Die von den beiden St. Gallern Anton Dufour und Jakob Schmidheiny 1906 in Rheineck gegründete und 1907 nach Zürich verlegte Automobilfabrik SAFIR produzierte bis 1910 ein paar Dutzend Kraftfahrzeuge. 1913 übernahm Max Maag, Maschineningenieur und Gründer der Max Maag Zahnradfabrik, später Maag-Zahnräder AG, die Hallen der 1910 liquidierten Autofabrik. Der Firmenname SAFIR steht für Schweizer Automobil Fabrik in Rheineck. Anton Dufour, wie der spätere Verwaltungsratspräsident der Maschinenfabrik Escher Wyss AG, Jakob Schmidheiny, ein Schweizer Pionier der Technik, war die erste Person, die im Kanton St. Gallen ein Auto fuhr. Und: Bei SAFIR entwickelte Rudolf Diesel, der Erfinder des nach ihm benannten Dieselmotors, 1908 den ersten schnell laufenden Fahrzeug-Selbstzünder und machte damit einen entscheidenden Schritt zum Antrieb von Nutzkraftfahrzeugen.

Kleinplakat für die Automobil-Fabrik SAFIR in Zürich aus der Graphischen Anstalt J. E. Wolfensberger. Graphiker: Burkhard Mangold. 1908. Farblithografie. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Ein SAFIR Lastwagen in voller Fahrt. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Faltprospekt für die Automobil-Fabrik SAFIR. Zürich: Graphische Anstalt J. E. Wolfensberger. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Felix Graf
Felix Graf, bis 2017 Kurator am Landesmuseum Zürich, ist freier Publizist.

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