Ohne Bär geht in Bern gar nichts. Fast jedes Regierungsgebäude im Kanton Bern kann mindestens einen Bären vorweisen. Foto: David Adair / Ex-Press

Die Entführung der Berner Bären

Am 23. März 1798 holten sich die Franzosen die Berner Bären und transportierten sie nach Paris. Dieser symbolische Akt beendete die Zeit des Alten Berns. Geblieben ist der Stolz der Berner auf ihr Wappentier.

Bern war Jahrhunderte lang ein mächtiger Stadtstaat. Zeitweise gehörten der heutige Aargau und die Waadt zum Herrschaftsgebiet. Dementsprechend stolz waren die Berner auf ihren Staat und ihre Herkunft. Der Bär, das Berner Wappentier, symbolisierte für sie Stärke, aber auch Gutmütigkeit und – wie sei es anders möglich – auch eine gewisse Behäbigkeit.

Gemäss der Legende soll der Bär nach einer Jagd des Stadtgründers Berchtold von Zähringen als Namensgeber und Wappentier etabliert worden sein. Als von Zähringen 1191 beschlossen hatte, an der Aare eine Stadt zu bauen, musste ein grosses Stück Wald abgeholzt werden. Der Herzog wollte ein letztes Mal in diesem Wald jagen und die neue Stadt nach dem ersten erlegten Tier benennen. Und dieses erste Tier war ein Bär. So wurde der Ort «Berne» genannt und der Bär als Symbol der Siedlung war gesetzt. Später tauchte das Tier zuerst auf Siegeln und Münzen, später auch im Wappen auf und blieb dort bis heute.

Postkarte aus dem 19. Jahrhundert, Lithographie auf Halbkarton. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Franzosen entführten die Berner Bären

Nach einigen Anfangsschwierigkeiten wuchs Bern zu einem mächtigen Stadtstaat heran und das Banner mit dem Bären wurde gefürchtet und verehrt. Bis 1798. Als sich Napoleon aufmachte, die Schweiz zu erobern, konnten ihm auch die Berner nichts entgegensetzen. Es war das Ende des Alten Berns und eine Schmach für die stolzen Aarestädter. Diese Schmach wurde noch tiefer, als die Franzosen am 26. März 1798 die Bären, die seit dem 16. Jahrhundert in Bern gehalten wurden, nach Paris «entführten». Damit machten sie klar, wer die neuen Herren waren. Nur ein neugeborenes, aber totes Bärchen liessen sie zurück. Dieses wurde sorgfältig ausgestopft und steht heute im Bernischen Historischen Museum. Es erinnert an den Untergang des Alten Bern, aber auch an die glorreichen Zeiten des mächtigen Stadtstaats.

Erstes Fazit der Geschicht: Ohne Bären geht es nicht. Bereits 1810 schenkte ein Waadtländer Hauptmann der Stadt zwei junge Bären, die bald darauf in den Bärengraben einzogen und den gebrochenen Berner Stolz wieder etwas aufrichteten. Interessanterweise war es ein ehemaliger Untertan, der dieses Präsent gemacht hatte. Ein Indiz, dass sich das Verhältnis zwischen Herrschern und Untertanen auf Berner Boden relativ schnell harmonisiert hat.

Zweites Fazit der Geschicht: Es gibt Dinge, die vergisst man nicht. 1513 standen sich die Berner und die Franzosen in Novara gegenüber. Die Berner waren Teil des eidgenössischen Heers, das die Franzosen vernichtend schlug. Dabei erbeuteten sie einen lebenden Bären, welchen sie nach Bern transportierten und beim heutigen Bärenplatz zur Schau stellten. Die Franzosen hatten dies wohl nicht vergessen und sich 1798 zurückgeholt, was ihnen knapp 300 Jahre vorher gestohlen wurde.

Der letzte Bär des Alten Bern. Foto: Bernisches Historisches Museum

Auch auf den Münzen der Berner war der Bär zu finden. Ein Vierer der Stadt Bern von 1775. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Raub des Berner Staatsschatzes und der Bären in Bern, Karikatur von Balthasar Anton Dunker (1746-1807). Foto: Bernisches Historisches Museum

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Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

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