Mittel­al­ter­li­ches Rätsel

Andrej Abplanalp

Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

Heute lösen die Menschen in der S-Bahn ein Sudoku, um ihre Kombinationsfähigkeit zu trainieren. Im Mittelalter enträtselten die Leute das immense Bildprogramm der katholischen Kirche, zu dem neben Bibelgestalten und Heiligen auch weltliche Fabelwesen gehörten. Für ihren «verschlossenen Garten» stützte sich die Schöpferin des wertvollen Bildteppichs aus der Kapelle im Ried, im heutigen Kanton Schwyz, auf die frühchristliche Naturlehre «Physiologus». Sie besagt, dass ein Einhorn nur durch eine Jungfrau gefangen werden kann. In der der christlichen Interpretation ist Maria die Jungfrau und ihre Berührung des Horns verweist auf die unbefleckte Empfängnis.

Das herauszulesen war zwar anspruchsvoll, dem mittelalterlichen Kirchengänger jedoch möglich. Weniger vertraut war ihm hingegen der Umgang mit Buchstaben und Zahlen.

Kirchenbehang «Hortus Conclusus», 1480, Wolle, Seide, Gold- und Silberlahn, gewirkt.

Der Kirchenbehang stammt aus der Kreuzkapelle im schwyzerischen Lachen. Alle Fotos: Schweizerisches Nationalmuseum

Weitere Beiträge

Adresse & Kontakt
Schweizerisches Nationalmuseum
Landesmuseum Zürich
Museumstrasse 2
Postfach
8021 Zürich
info@nationalmuseum.ch

Design: dreipol   |   Realisation: whatwedo
Schweizerisches Nationalmuseum

Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint.