Kundensafe der Schweizerischen Volksbank, Basel, 1912.
Schweizerisches Nationalmuseum

Über Geld spricht man nicht

Schweizer Banken gelten als die besten Finanzinstitute der Welt. Der Weg zu diesem Ruf war aber alles andere als einfach und manchmal ziemlich holprig.

Der Aufstieg der Schweizer Banken begann im 19. Jahrhundert. In dieser Zeit wurden zahlreiche Sparkassen, Kantonalbanken und private Geldinstitutionen gegründet. Während des Ersten Weltkriegs flossen grosse Summen aus ganz Europa in die Schweiz. Dieser Trend hielt auch nach Kriegsende an. Während bei den einen Hyperinflation herrschte, erhöhten die anderen die Steuern für den Wiederaufbau. Nicht betroffen waren die Vermögen in der Schweiz – sie wurden meistens gar nicht deklariert. Frankreich und Deutschland reagierten: Sie entsandten Spione, welche Schweizer Bankiers bestachen, um an Informationen über deren Kunden zu kommen. 1931 wurde in Zürich der Deutsche Arthur Pfau enttarnt; viele weitere folgten. 1932 wiederum verhaftete die französische Justiz den Direktor der Pariser Filiale der Basler Handelsbank in flagranti bei der Hilfe zur Steuerflucht. Es war kein Einzelfall.

Ein nationaler Skandal war 14 Monate später der Beinahe-Crash der Volksbank. Die zweitgrösste Schweizer Bank war infolge der Weltwirtschaftskrise derart in Schieflage geraten, dass sie vom Bund mit 100 Millionen Franken gerettet werden musste – einem Betrag, der fast einem Viertel des Bundesbudgets entsprach. Aufgrund der Skandale implementierte das Parlament 1935 ein Gesetz, das den massiv gewachsenen Finanzmarkt regulieren sollte. Dieses hielt unter Artikel 47 fest, dass die Weitergabe von Kundendaten mit Geldbussen oder Gefängnis bestraft wurde.

Sparbüchse der Schweizerischen Volksbank.
Schweizerisches Nationalmuseum

Aus der Spionageabwehr wurde ein Trumpf des Finanzplatzes. Dieser profitierte davon, dass der Franken stark, das politische System stabil und das Land auch im Zweiten Weltkrieg verschont blieb. Spätestens nach 1945 avancierte die Schweiz zu einem der weltweit grössten Finanzplätze. Sie wurde zur Drehscheibe des internationalen Kapitals und zwischen 1955 und 1975 war der Zufluss an Geld sogar so gross, dass er gebremst werden musste. Mit mässigem Erfolg: Einige rasante Jahrzehnte später – am Anfang des 21. Jahrhunderts –  verwalteten Schweizer Banken das Zehnfache des Schweizer Bruttoinlandprodukts und einen Drittel aller transnationalen Privatguthaben der Welt. Einige dieser Gelder stammten aus zweifelhaften Quellen, was letztendlich zum Ende des Bankgeheimnisses geführt hat. Welchen Anteil dieses Geheimnis am Aufstieg des Schweizer Finanzplatzes hatte, wird wohl nie genau zu beziffern sein.

Die Finanzbranche in der Schweiz ist auch nach Ende des Bankgeheimnisses ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.
Schweizerisches Nationalmuseum

Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Er schreibt unter anderem für das Reisemagazin Transhelvetica.

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