
Grünes Gold aus Niederländisch-Indien
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts suchte das Binnenland Schweiz nach Wegen, um sich die unermessliche Vielfalt der tropischen Botanik nutzbar zu machen. In Buitenzorg auf Java wurde man fündig.
Die Sorge, dass dem Binnenland Schweiz der Zugang zu tropischen Früchten, Samen sowie zu «medicinischen Zwecken dienenden Drogen» nur sehr eingeschränkt möglich sei, beschäftigte die damals mit dem Aufbau wissenschaftlicher Sammlungen befassten Botaniker und Pharmazeuten des eidgenössischen Polytechnikums (ab 1911: ETH) seit geraumer Zeit. Zudem drängten die Labore der Nahrungsmittelhersteller auf «exotische» Naturprodukte zur Entwicklung neuer Techniken und Produkte. «Im Vordergrund dieser Begehren stand das anwendungsorientierte Wissen für die Industrie», schreibt dazu der Historiker Andreas Zangger in seinem Standardwerk Koloniale Schweiz. Im Gegensatz zum britischen Weltreich oder zur Seegrossmacht Niederlande, die nach Belieben aus ihren Kolonien beschaffen konnten, war die Schweiz mit ihrem Begehren lange Zeit auf den patriotischen Goodwill ihrer überseeischen Landsleute oder auf dubiose Händler angewiesen, wobei Kosten stets vermieden werden sollten.
Der heute in der indonesischen Provinz West-Java gelegene botanische Garten war 1817 am Sitz des Niederländischen Gouverneurs gegründet worden, von wo aus er sich in den darauffolgenden Jahrzehnten zu einer der weltweit einflussreichsten und fortschrittlichsten botanischen Forschungs- und Lehrstätten entwickelte. Im Zentrum des Erfolgs von Buitenzorg stand die angewandte Botanik. Der Ort stand im Ruf eines «Botanischen Zentral-Instituts». Wissenschaftler aus aller Welt arbeiteten dort in sogenannten Besucherlaboren und international tätige Agronomie-Konzerne errichteten auf seinem Gelände Prüfstationen für Zucker, Kaffee, Tabak oder Gummi (US-Rubber Plantations). Der Genfer Botaniker Bénédict Hochreutiner berichtete 1904 im Journal de Genève: «c’est pas un jardin, une station d'étude, un institut c'est une faculté des sciences orienté vers le botanique.» Der Niederländer Treub, dessen Mutter Schweizerin war, begriff sofort, worum es in der hilfesuchenden Anfrage des Bundesrats ging. Mit seiner klug gewählten Auswahl ebnete er der Schweizer Wissenschaft den Weg in die Vielfalt und den Artenreichtum der tropischen Pflanzenwelt, wofür ihm der Bundesrat im November 1884 «hohe Anerkennung und unseren wärmsten Dank» aussprach.
Viele von ihnen bekleideten in der Folge Professuren an Schweizer Hochschulen, andere wandten sich der Ethnologie zu oder wurden von der Schweiz in internationale Organisationen entsandt.
Der 80 Hektar grosse Botanische Garten von Bogor (Kebun Raya Bogor) ist mit seinen 15’000 Arten von Bäumen und Pflanzen nach wie vor ein wichtiges Zentrum der botanischen Forschung.


