Im Oktober 1976 wurde in Zürich eine Gedenktafel für die gefallenen Schweizer eingeweiht, welche für die Spanische Republik gekämpft hatten.
Im Oktober 1976 wurde in Zürich eine Gedenktafel für die gefallenen Schweizer eingeweiht, welche für die Spanische Republik gekämpft hatten. Schweizerisches Sozialarchiv

In Gedenken an die Spanienkämpfer

1976 enthüllten Mitglieder der «Interessengemeinschaft ehemaliger schweizerischer Spanienkämpfer» in Zürich eine Gedenktafel für die Freiwilligen, die im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939) gefallen waren. Dies war der erste kleine Schritt Richtung Rehabilitierung.

Moisés Prieto

Moisés Prieto

Moisés Prieto ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin und forscht zu Diktatur und militärischen Gewaltkulturen.

Bereits im Herbst 1938, nach über zwei Jahren Widerstand gegen die Truppen unter General Francisco Franco, war die Niederlage der Spanischen Republik absehbar. Nachdem etwa ein Viertel der knapp 800 Schweizer Spanienfreiwilligen gefallen oder an den Folgen von Verwundung oder Erkrankung verstorben waren, eröffnete sich eine ungewisse Zukunft für die Heimkehrenden. Die Schweizer Militärgerichte warfen diesen vor, unter anderem gegen Artikel 94 des Militärstrafgesetzbuches («Verbot fremder Kriegsdienste») verstossen zu haben. Neben den unterschiedlich langen Gefängnisstrafen, die sich von weniger als einem Monat auf bis über zwei Jahren erstreckten, wurde der Mehrheit dieser Spanienkämpfer zusätzlich die Bürgerrechte, also Stimm- und Wahlrecht, für eine Dauer von bis zu fünf Jahren aberkannt.
Zahlreiche Menschen aus der Schweiz schlossen sich den internationalen Brigaden an und kämpften zwischen 1936 und 1939 in Spanien gegen die Franco-Truppen.
Zahlreiche Menschen aus der Schweiz schlossen sich den internationalen Brigaden an und kämpften zwischen 1936 und 1939 in Spanien gegen die Franco-Truppen. Schweizerisches Sozialarchiv
Die Demütigung nahm auch in der Öffentlichkeit ihren Weg. In der bürgerlichen und rechtskonservativen Presse wurden die ehemaligen Freiwilligen als «Extremisten» oder «Spanienfahrer» verunglimpft. Letztere Bezeichnung verwies auf die Söldnertradition der «Reisläufer» aus früheren Zeiten, die des Geldes wegen in den Diensten europäischer Machthaber gekämpft hatten. Aufgrund dieser öffentlichen Ächtung und Stigmatisierung scheint es nachvollziehbar, dass viele ehemalige Spanienkämpfer wie etwa der Waadtländer Lucien Bavaud oder der Winterthurer Hans Hutter ihren Einsatz lange Zeit geheim hielten.
Der ehemalige Spanienkämpfer Hans Hutter, fotografiert in den 1970er-Jahren.
Der ehemalige Spanienkämpfer Hans Hutter, fotografiert in den 1970er-Jahren. Schweizerisches Sozialarchiv
Ob tatsächlich kommunistisch oder allgemein antifaschistisch gesinnt, die ehemaligen Spanienfreiwilligen hatten es schwer, in der Nachkriegsschweiz Fuss zu fassen. Das Land der Geistigen Landesverteidigung hatte in einem politisch breiten Schulterschluss von Liberalismus, Konservatismus und Sozialdemokratie den Antikommunismus zur staatstragenden Doktrin und die Kommunisten zu Staatsfeinden erklärt. Einige Spanienkämpfer wurden in den folgenden Jahren von der politischen Polizei, dem Staatsschutz, rege beobachtet, fichiert, einer Postsperre unterzogen oder deren Telefone wurden angezapft. Bereits 1939 hielt die Frauenrechtlerin Regina Kägi-Fuchsmann fest: «Durch polizeiliche Nachfragen über das Verhalten der Rückkehrer, die in Arbeit stehen, werden vielfach Entlassungen verursacht, da die [Vorgesetzten] nicht ständig die Polizei im Geschäft haben wollen.» Im Falle des Churer Spanienkämpfers und Kommunisten Wilhelm Wyss wurden selbst seine Vermieter im solothurnischen Grenchen dazu genötigt, ihm die Wohnung zu kündigen.
Die Frauenrechtlerin Regina Kägi machte sich bereits früh für die Rechte und die gesellschaftliche Wiedereingliederung der ehemaligen Spanienfreiwilligen stark.
Die Frauenrechtlerin Regina Kägi machte sich bereits früh für die Rechte und die gesellschaftliche Wiedereingliederung der ehemaligen Spanienfreiwilligen stark. Schweizerisches Sozialarchiv
Als Vorbestrafte waren die Spanienkämpfer mit vielen Hürden konfrontiert und konnten beispielsweise nicht in den öffentlichen Dienst treten. Für viele blieb die selbständige Erwerbstätigkeit die einzige Möglichkeit, sich eine angemessene Existenz zu sichern: Der Aargauer Emil Hächler wurde Altwarenhändler, Otto Brunner und Ernst (genannt «Johnny») Linggi eröffneten jeweils ein Tabakwarengeschäft respektive ein Buchantiquariat in Zürich-Aussersihl, während Hans Hutter zusammen mit seinen Brüdern eine Autogarage in Oberwinterthur aufbaute. Dem Bieler Sozialdemokraten Ernst Stauffer gelang später sogar eine politische Karriere bis zum Berner Grossrat. Andere wiederum gerieten in eine prekäre Lage und waren auf die Sozialdienste ihrer Gemeinde, auf die Hilfe der medizinischen Hilfsorganisation Centrale Sanitaire Suisse oder auf das 1936 gegründete Schweizerische Arbeiterhilfswerk angewiesen.
TV-Gespräch mit dem ehemaligen Spanienfreiwilligen Ernst Stauffer aus dem Jahr 1986. SRF
In der Absicht, den Kampf gegen das Franco-Regime und für die Spanische Republik fortzusetzen, die Solidarität mit dem republikanischen Spanien zu pflegen, die Kameradschaft unter schweizerischen Spanien-Veteranen mit jenen anderer Länder aufzubauen und aufrechtzuerhalten und nicht zuletzt für die Rehabilitierung ihres Engagements gegen Faschismus und für Demokratie, gründeten Brunner und Linggi bereits 1939 die «Interessengemeinschaft der Schweizer Spanienfreiwilligen». Damit verbunden war auch das Anliegen, das Gedenken an die gefallenen Kameraden wachzuhalten und diese zu ehren. Der relativ hohe Anteil an Kommunisten in den Reihen der Spanienfreiwilligen – rund 60 Prozent davon waren Mitglieder der Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) oder nahestehender Organisationen – brachte die Interessengemeinschaft ins Fahrwasser des Verbots der KPS durch den Bundesrat (1940), so dass schliesslich 1941 auch die Interessengemeinschaft verboten wurde. Erst im Sommer 1946 erfolgte die Neugründung unter dem Namen «Interessengemeinschaft ehemaliger schweizerischer Spanienkämpfer» und erneut mit Brunner und Linggi an der Spitze. Die beiden waren auch Mitglieder der 1944 gleichfalls neu gegründeten Partei der Arbeit der Schweiz (PdA), der Nachfolgeorganisation der KPS. Es überrascht daher kaum, dass auch die Interessengemeinschaft ins Visier der politischen Polizei geriet.
Schweizerinnen und Schweizer, die in Spanien gekämpft hatten, trafen sich 1939 in Zürich.
Schweizerinnen und Schweizer, die in Spanien gekämpft hatten, trafen sich 1939 in Zürich. Schweizerisches Sozialarchiv
Zu den wichtigsten Solidaritätsaktivitäten der Interessengemeinschaft zählten die Spendenaufrufe für das Spital Varsovie im südfranzösischen Toulouse, das 1944 von spanischen Résistance-Kämpfern gegründet worden war und für die Pflege verletzter antifranquistischer Kämpfer diente. Zudem ermöglichte sie, dass Kinder von Exilspanierinnen und -spaniern Ferien bei Schweizer Gastfamilien verbringen konnten. In den Folgejahren stand vor allem die finanzielle Unterstützung politischer Gefangener in Spanien und deren Angehöriger im Zentrum ihres Engagements. Die Interessengemeinschaft unterhielt auch Briefwechsel mit Veteranenvereinen anderer Länder wie etwa der Lincoln Brigade (USA) oder jenen in Italien, der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik.

Zurück nach Spanien

Die gesellschaftliche Stigmatisierung und die wirtschaftliche Not prägten wichtige Entscheidungen im Leben der ehemaligen Spanienfreiwilligen. Eine gewisse Spanien-Sehnsucht lässt sich am Beispiel der Kampflieder und der spanischen Speisen erkennen, die jeweils an den Jahrestreffen gesungen und konsumiert wurden. Bei anderen äusserte sich das «Spanienweh» auf deutlich markantere Weise. Hans Hutter bereiste 1950 – wohlbemerkt zu einem Zeitpunkt, als das Franco-Regime noch international geächtet wurde – zusammen mit seiner Frau Spanien und besuchte dort den Ort, wo sein Bruder Max 1937 gefallen war. Andere hingegen liessen sich noch vor dem Ende des Regimes in Spanien nieder, wie etwa Karl («Carlos») Brunner und Rudolf Sigg, die in den 1940er-Jahren in einem franquistischen Konzentrationslager interniert worden waren, oder der Kommunist Werner Nef, Mitgründer der PdA, der 1967 nach Spanien zog und dort 1980 verstarb. Mit anderen Worten gingen diese Spanienkämpfer ein erhebliches Risiko ein, um die Erinnerung an ihre Tage in Spanien aus nächster Nähe zu erleben.
Das Leben in Francos Internierungslagern wie hier in San Pedro de Cardeña war hart. Das Bild entstand 1938 und zeigt internationale Gefangene bei der Arbeit. Auch einige Schweiz fristeten ihr Dasein in solchen Lagern.
Das Leben in Francos Internierungslagern wie hier in San Pedro de Cardeña war hart. Das Bild entstand 1938 und zeigt internationale Gefangene bei der Arbeit. Auch einige Schweizer fristeten ihr Dasein in solchen Lagern. Biblioteca Nacional de España
Ab den frühen 1970er-Jahren wandte sich das Blatt für die ehemaligen Spanienfreiwilligen. Der Spanische Bürgerkrieg wurde in der Schweizer Geschichtsforschung wiederentdeckt. Kurz darauf erschien auch Richard Dindos Dokumentarfilm «Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg» (1974), in dem einige Spanienfreiwillige, wie Linggi und Hutter, zu Wort kamen. Dindo schrieb später über seinen Film: «Auch ging es mir zuerst einmal einfach darum, diesen Männern und Frauen mit dem Film ein ‹Denkmal› zu errichten, unabhängig davon, in welcher Partei sie damals gewesen waren.»
Richard Dindos Film von 1974 in voller Länge. YouTube
In der Interessengemeinschaft gewann die Frage nach einem echten Denkmal zunehmend an Bedeutung. Linggi hatte im Oktober 1973 den Stadtrat von Zürich ersucht, eine Gedenktafel auf öffentlichem Grund aufstellen zu dürfen. Er begründete die Wahl der Stadt mit der hohen Zahl an Spanienfreiwilligen aus Zürich. Im Juli des Folgejahres kam die positive Antwort der Stadtkanzlei. Der Stadtrat hatte sich mit dem Verwaltungsrat der Volkshausstiftung abgesprochen, um die Tafel an einem geeigneten Ort anzubringen. Die Interessengemeinschaft entschied sich für eine Bronzetafel, die an der Fassade zur Stauffacherstrasse befestigt werden sollte. Die Enthüllung wurde auf den 2. Oktober 1976 terminiert, als Höhepunkt des vierten Kongresses der Interessengemeinschaft, der sich bis zum Folgetag erstreckte. Die Wahl des Zeitpunkts hing mit dem 40. Jubiläum der Gründung der Internationalen Brigaden zusammen.
Aus dem Bericht der politischen Polizei geht hervor, dass rund 150 Personen der Einweihung beiwohnten. Ernst Linggi eröffnete die Feier um 15 Uhr mit einer Rede, in der er die Gedenktafel als Mahnmal für die Lebenden präsentierte. Stadtrat und SP-Mitglied Jürg Kaufmann überbrachte die Grüsse der Stadtregierung. Es folgten jeweils zwei kurze Ansprachen von zwei SP-Nationalräten: Ezio Canonica, Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, und Rudolf Welter, Präsident der Volkshausstiftung. Auch der Schriftsteller Max Frisch nahm an der Feier teil. Dieser hatte sich 1954 in seinem Roman «Stiller» mit der Thematik der Spanienkämpfer am Beispiel des fiktiven Bildhauers Anatol Stiller auseinandergesetzt.
Ernst Linggi eröffnete die Einweihungsfeier, bei der die Gedenktafel in Zürich angebracht wurde.
Ernst Linggi eröffnete die Einweihungsfeier, bei der die Gedenktafel in Zürich angebracht wurde. Schweizerisches Sozialarchiv
Nicht nur die Wahl der Redner stand im Zeichen einer Versöhnung zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten. Die Broschüre, die im Vorfeld der Feier von der Interessengemeinschaft herausgegeben wurde, vermittelte den Eindruck eines gleichstarken geeinten Kampfes beider linken Gesinnungen, obschon in Wirklichkeit fünfmal so viele Kommunisten wie Sozialdemokraten unter den Schweizern vertreten gewesen waren. In der Tat waren die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern schon seit der Bürgerkriegszeit oft angespannt.
In den folgenden Jahren nahmen die Gedenkveranstaltungen sukzessive zu und auch das Schweizer Fernsehen befasste sich zunehmend mit den Spanienfreiwilligen in Interviews und Reportagen. Nachdem sich Spanien 1978 eine demokratische Verfassung gegeben hatte, bereisten die Veteranen unbefangen das Land, für dessen Freiheit sie einst gekämpft hatten und wofür viele ihrer Kameraden gefallen waren. «Die Generation der Spanienkämpfer stirbt aus», so Max Frisch in seinem Grusswort anlässlich des 50. Jubiläums des Beginns des Krieges in Spanien. Doch noch vor der Selbstauflösung der Interessengemeinschaft fand 1994 eine letzte grosse Ehrung im Zürcher Stadthaus mit einer mehrwöchigen Ausstellung und einer Vortragsreihe statt.

Internationale Tagung zum Spanischen Bürgerkrieg

Am 17. Juli 2026 jährt sich der Putsch hochrangiger Generäle auf die Zweite Spanische Republik zum 90. Mal. Aus diesem Grund veranstalten das Schweizerische Sozialarchiv, die Pädagogische Hochschule St. Gallen, die Universitäten Bern, Fribourg, Genf und Zürich sowie die Humboldt-Universität zu Berlin am 19. und 20. November 2026 im Sozialarchiv in Zürich die internationale Tagung «Ninety Years Since the Spanish Civil War. Experiences, Memories, Concepts (1936–2026)». Sowohl die Tagung als auch der Abendvortrag sind öffentlich. Mehr Informationen gibt es hier: Ninety Years Since the Spanish Civil War

Weitere Beiträge