Alpabzug in Flums, um 1940.
Schweizerisches Nationalmuseum

Eisen für das liebe Vieh

Was für Pferde das Hufeisen, ist für Rinder das Klaueneisen. Früher wurden Kühe, Ochsen und Rinder mit Eisenplatten an den Hufen versehen. Sie schützten die Hufe der Tiere bei hoher Beanspruchung.

Dass einst Lasten und Gefährte von Pferden gezogen wurden, ist vielen zumindest dank dem sprachlichen Überbleibsel PS – für Pferdestärken – noch bewusst. Dass aber auch Rinder und Ochsen früher als Zugtiere dienten, vergisst man im Zeitalter von Traktor und Lastwagen gerne. Klaueneisen für Zugvieh und Tiere, die oft auf schwierigem Gelände unterwegs sind, existieren schon lange und werden heute ab und zu immer noch verwendet. Ihre Funktion entspricht derjenigen von Hufeisen bei Pferden: die Eisenplatten sollen die Klauen der Rinder vor übermässiger Abnutzung und Verletzungen schützen.

Im Gegensatz zu Pferden, bei denen die Eisen aufgebrannt werden, beschlägt man Rinder kalt. Dabei werden die Eisen unten an die beiden Klauen des Rinderfusses – oder je nach Abnutzung auch nur an eine – angepasst. Zur Befestigung werden die Eisen auf der Aussenseite an die Klauen genagelt, auf der Innenseite dagegen werden sie mit einem Eisenfortsatz, der sogenannten Feder, am Zeh befestigt. Sie mögen heute ungewohnt anmuten, ganz verschwunden sind Klaueneisen für Rinder und Kühe aber auch im 21. Jahrhundert nicht: in Einzelfällen, beispielsweise bei spezieller Beanspruchung auf der Alp, kommen sie noch immer zum Einsatz.

Klaueneisen für Zugvieh.
Schweizerisches Nationalmuseum

Seit Jahrhunderten nutzen die Menschen in alpinen Gegenden die höher gelegenen Lagen im Sommer als Weideland für ihre Tiere. Da rund ein Drittel der landwirtschaftlich genutzten Flächen Alpweiden sind, machte dies auch ökonomisch Sinn. Das zusätzliche Futter erlaubte es den Bauern, grössere Herden zu halten. In den rauen Berggegenden war es öfter als im Tal nötig, die Tiere mit einem Klaueneisen auszustatten.

Claudia Walder
Claudia Walder ist Autorin und Redaktorin, unter anderem für das Schweizer Reisemagazin Transhelvetica und das Magazin des Schweizerischen Nationalmuseums.

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Ihr Kommentar





Ein Kommentar

Pirmin Burgi sagt:

Guten Tag. Ich finde das einen sehr schönen Beitrag, informativ und interessant. Und was nicht zu vernachlässigen ist, sind die sogennanten Welschlandfahrten. Bei diesen „Handelsreisen“ meisst aus der Innerschweiz wurde Rindvieh mit Eisen beschlagen und über den Gotthard geführt (gsänntnäd) um im Süden, Tessin und Oberitalien, teilweise bis nach Mailand auf den grossen Märkten, verkauft zu werden.