Viktor Giacobbo ist ein Meister des Rollentauschs. Ob als Harry Hasler, Fredi Hinz oder als Debbie Mötteli, der Komiker voll in seinen Rollen auf.
Vanessa Püntener, Wikimedia

Hasler, Hinz und Mötteli

Viktor Giacobbo über Freizeit, kulturelle Ratinglisten, seine Alter Egos und die Beziehung zu Museen.

Claudia Walder

Claudia Walder

Claudia Walder ist Autorin und Redaktorin, unter anderem für das Schweizer Reisemagazin Transhelvetica und das Magazin des Schweizerischen Nationalmuseums.

Viktor Giacobbo ist Komiker, Satiremacher, Autor, Regisseur, Filmemacher … und sagt, er sammle offenbar Berufsbezeichnungen. Bekannt ist er unter anderem für die Late-Night-Sendung «Giacobbo / Müller», die er von 2008 – 2016 mit Mike Müller für das Schweizer Fernsehen SRF moderierte.

Wie sehen Sie sich selber?
Viktor Giacobbo: Gut aussehend, faszinierend, blitzgescheit, etwas verlogen.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Giacobbo: Ich fürchte den Begriff «Freizeit», weil er mich unter Druck setzen könnte. Dem begegne ich mit dem exzessiven Verplempern von Stunden, Tagen …

Wer ist Ihr liebster Romanheld, Ihre liebste Romanheldin?
Ich habe in der Kultur keine ultimativen Ratinglisten – das ändert sich laufend, je nach Phase oder Gemütslage. In meiner Jugend Holden Caulfield aus «Der Fänger im Roggen», heute vielleicht Vernon Subutex in der gleichnamigen grandiosen Romantrilogie von Virginie Despentes.

Harry Hasler ist Ihr bekanntestes Alter Ego. Mit welchem würden Sie sich am besten verstehen?
Giacobbo: Mit Harry würde ich mich etwa fünf Minuten lang verstehen – auch dessen Publikum hat eine ähnlich kurze Halbwertszeit, dann geht er allen auf die Nerven. Am liebsten ist mir Schawinski … Quatsch! Fredi Hinz natürlich! Der ist irgendwann vor 30 Jahren von einem Trip nicht wirklich zurückgekehrt und seither von skurril- menschenfreundlicher Harmlosigkeit.

Ob als Harry Hasler oder als Fredi Hinz, Viktor Giacobbo schlüpft häufig und gerne in andere Rollen.
YouTube

Und welches nähmen Sie mit ins Museum?
Giacobbo: Donatella Versace ins HR Giger Museum.

Was verbinden Sie mit dem Begriff «Museum»?
Giacobbo: Grosse Vorfreude und Interesse mit manchmal schnell einsetzender Müdigkeit.

Welches Museum haben Sie zuletzt besucht?
Giacobbo: Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Die Objekte sind ebenso attraktiv wie das Gebäude. Ausserdem war es nahe bei meinem Zirkuswohnwagen beim Gastspiel in Basel …

Was war der eindrücklichste Moment, den Sie je in einem Museum erlebt haben?
Giacobbo: Als ich einziger Besucher in einem zum Museum umfunktionierten Kriegsschiff im Hafen von Kopenhagen war und die gespenstische Stille genoss.

Gibt es ein Museum, in dem Sie oder ein Werk von Ihnen zu finden sind?
Giacobbo: Ja, im Textilmuseum St. Gallen in der Ausstellung «MODE CIRCUS KNIE» ist mein Plakat aus dem Jahr 2006 zu sehen. Leider wollten sie bisher das Kostüm von Fredi Hinz nicht ausstellen!

Stellen Sie sich vor, Sie dürften eine Ausstellung gestalten …
Giacobbo: Die Ausstellung im Textilmuseum hiesse «Knöchel und Hals» und zeigte Bilder von Teenagern im Winter: nackte Fussknöchel und von Daunenjacken gestützte Drei-Meter-Schals um den Hals.

Weitere Beiträge