Skifahren war Anfang des 20. Jahrhunderts noch eine schweisstreibende Angelegenheit.
Schweizerisches Nationalmuseum

Aufwärts in Davos

1934 wurde Skifahren endlich angenehm. Mit dem ersten Bügelskilift der Welt ging's in und mit Davos rasant aufwärts.

Benedikt Meyer

Benedikt Meyer

Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

Aufwärtsfahren! Auf die Bretter stehen und einfach den Berg hinaufgleiten! Davon träumten die keuchenden, staksenden und stolpernden Skifahrerinnen und Skifahrer etwa 54 Minuten pro Stunde. Nur die übrigen sechs Minuten fuhren sie bergab. Bis 1934 in Davos der Bolgen-Lift eröffnet wurde. Der erste Bügelskilift der Welt – und eine mittlere Sensation.

Skis erreichten die Schweiz erst Ende des 19. Jahrhunderts. Nach der Geschichte über einen Meisterschützen waren sie bereits der zweite wichtige Kulturimport aus der norwegischen Telemark. Und die dazugehörige Sprache lieferten die Skandinavier gleich mit: «ski», «slalåm», «løype».

Für die Wintersportler in Davos war der Lift ein Segen. Die Tageskarte für den 270 Meter langen Lift kostete 50 Rappen. Schon im ersten Jahr transportierte er 70'000 Personen. Im zweiten wurden die J-Bügel durch T-Bügel ersetzt und so die Kapazität verdoppelt. Kein Wunder wurden in den nächsten Jahren im ganzen Alpenraum Dutzende weitere Lifte installiert. Ein Segen war der Bolgen-Lift auch für Kinder wie Paul Accola. Dieser sammelte im Frühling jeweils das Kleingeld von der Wiese, welches den Skifahrenden bei Stürzen aus den Taschen gefallen war (Reissverschlüsse waren noch unüblich).

Der erste Bügelskilift der Welt in Davos, 1934.
Seilbahnmuseum

Vor allem aber war der Lift ein Segen für die Hoteliers. Der Sport ermöglichte es ihnen, die Hotels auch im Winter offen zu halten. Und die Tourismus-Organisationen unterstützten sie dabei, indem sie einige ihrer schönsten Plakate drucken liessen, um den Leuten das Skifahren schmackhaft zu machen. Zunächst ging es dabei vor allem um Gäste aus dem Ausland. Erst als diese im Zweiten Weltkrieg ausblieben, wurde das Skifahren als Volkssport idealisiert. Sogar die Winterferien wurden 1941 deswegen verlängert. Mit Erfolg: Dank Werbung, Skilagern, Musik und natürlich dem Skirennsport wurde das Selbstbild der Schweiz als Skination gefestigt.

Einer, der diesen Rennsport mitprägte, war Paul Accolas Sohn Paul junior. Der vierschrötige Querkopf wuchs nahe der Piste auf und lernte am Bolgen-Lift so ausserordentlich gut Skifahren, dass er 1988 eine olympische Medaille und 1992 den Gesamtweltcup gewann. Leider in der von ihm ungeliebten Kombination. Jener Disziplin, von der er einmal gesagt hatte, dass sie «keinen Schwanz interessiert». Dementsprechend lapidar war «Päulis» Kommentar: «Bringt nüt, schadt nüt.»

Mehr zum Thema Winter­sport gibts hier:

Swissair-Werbung für Winterferien in der Schweiz, ca. 1959.
Max Schneider / Schweizerisches Nationalmuseum

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