
Königliche Verlobung auf dem Lindenhof
Auf dem Zürcher Lindenhof stand ab ca. 850 eine Königspfalz. Die Karolingerkönige und die Herrscher des Heiligen Römischen Reiches machten dort immer wieder Halt auf ihren Reisen durch das Reich. Den vielleicht wichtigsten Moment erlebte der Lindenhof im Jahr 1055.
Nach der Verlobung wurde Bertha am salischen Kaiserhof grossgezogen – ein durchaus übliches Szenario im europäischen Hochadel. Heinrich III. starb ein knappes Jahr nach der Verlobung, wodurch Heinrich IV. noch im Kindesalter zum römisch-deutschen König wurde. Jedoch übernahm seine Mutter Agnes bis zu seiner Volljährigkeit die Regentschaft. Die Feier auf dem Lindenhof kennzeichnet einen Höhepunkt und zugleich das Ende der Geschichte der Zürcher Pfalz. Sie ist aber auch der Beginn von Heinrichs IV. Lebensreise.
Unbefleckte Königin?
So weiss Lampert vom Wormser Hoftag 1069 schlüpfrige Details zu erzählen. An diesem eröffnete Heinrich IV. den versammelten Fürsten und Bischöfen, dass er die Ehe mit Bertha auflösen wolle. Laut dem Chronisten sagte der junge König, er passe nicht zu seiner Gemahlin, denn er habe «keine Möglichkeit der ehelichen Gemeinschaft mit ihr» – im Bett lief es also nicht. Immerhin hatte Heinrich IV. versichert, dass er sie «unbefleckt und mit unversehrter Jungfräulichkeit bewahrt habe», sodass einer zweiten Eheschliessung nichts im Wege stünde. Da die Anwesenden die Sache als «widrig» und «mit der königlichen Majestät ganz unverträglich» empfanden, aber niemand den König brüskieren wollte, wurde die Entscheidung vertagt. Erst die Drohung des Papstes Alexander II., den König zu exkommunizieren und ihm die Kaiserkrönung zu verweigern, brachte Heinrich IV. von seinem Scheidungsvorhaben ab. So endete die unglückliche Ehe erst mit dem Tod Berthas im Jahr 1087.
Reiseunterkünfte
Verweigerte Gastfreundschaft
Hofstaat in Bewegung
Qual der Wahl
Für den letzten Ottonenkaiser, abermals ein Heinrich, diesmal aber der Zweite (973/8–1024), hat der Historiker Rudolf Schieffer die Reiseroute aus dem Jahr 1017 analysiert. Durch Chroniken und Urkunden sind 26 Aufenthalte an 21 verschiedenen Orten überliefert. Bei einer von Schieffer geschätzten Tagesetappe von 25 Kilometern liegen viele der Orte zu weit auseinander, um die Strecke ohne Zwischenhalte zu absolvieren. Schieffer kommt zum Schluss, dass sich die Übernachtungen von Heinrich II. und seinem Gefolge in diesem Jahr auf circa 50 verschiedene Orte verteilt haben mussten. Die Pfalzorte seien darunter nur eine Minderheit gewesen.
Monarchen auf dem Lindenhof
Die auf die Karolinger folgenden Ottonen begannen ab der Mitte des 10. Jahrhunderts Zürich immer häufiger zu besuchen. Für die Zeit zwischen 1004 und 1055 ist die Anwesenheit von römisch-deutschen Königen auf dem Lindenhof zehnmal bestätigt. Aus ungeklärten Gründen rissen die Ottonen jedoch das karolingische Pfalzgebäude ab und errichteten auf dessen Grundmauern ein grösseres. Für den Salierkaiser Heinrich III., der wiederholt in Oberitalien einmarschierte, war Zürich aufgrund der günstigen Lage ein zentraler Pfalzort. Nach der Verlobung seines Sohnes Heinrichs IV. 1055 sind jedoch keine weiteren Königsbesuche auf dem Lindenhof mehr überliefert. Es ist das Ende der Geschichte der Zürcher Pfalz als Unterkunft für umherziehende Könige.





