
Interrail – Jugend auf grosser Fahrt
Für 275 Franken einen Monat mit dem Zug durch Europa reisen. Dieses Angebot wurde 1972 unter dem Begriff Interrail eingeführt. Es verleitete Sommer für Sommer Zehntausende Schweizer Jugendliche zu Reisen quer über den Kontinent. Für viele junge Menschen war dies gleichzeitig die erste selbständige Auslandreise überhaupt.
Jubiläum als Basis für freie Fahrt
Dieses Angebot eröffnete insbesondere Schülerinnen und Schülern, Lernenden oder Studierenden eine kostengünstige Reisemöglichkeit. Unter diesen jungen Menschen stiess das Angebot denn auch auf eine grosse Nachfrage. Die ursprünglich nur für das Jahr 1972 und auf einige Monate befristete Aktion wurde zum Grosserfolg: Waren 1972 in der Schweiz noch 8726 Karten verkauft worden (in Europa 87'625), wurden es ein Jahr später bereits 13’059 verkaufte Karten in der Schweiz und 119'011 in Europa. Kein Wunder, entwickelte sich Interrail fortan zum permanenten Angebot. 1974 konnte der Pass bereits während des ganzen Jahres genutzt werden, nicht nur während der Hauptreisezeit. Zwei Jahre später wurde die Altersgrenze auf 23 heraufgesetzt, 1979 auf 26 Jahre.
Autostopp per Bahn
Kilometer fressen
Destination Europa
«Es reicht, sommers einige Stunden den Aufbruch jüngerer Rucksacktouristen am Zürcher Hauptbahnhof zu beobachten. Abweichungen von der Nord-Süd-Route sind selten». Was die NZZ in den 1980er-Jahren berichtete, meldete die SBB auch für die Anfangsjahre des Interrail: Ein grosser Teil der Schweizer Jugend fuhr Richtung Norden. Umgekehrt schienen Reisende aus den skandinavischen Ländern gerne die Schweiz besucht zu haben: «[Es] hat sich eine gegenseitige Anziehung zwischen unserem Land und den vier Ländern Skandinaviens gezeigt, indem unsere Jugendlichen rund einen Viertel aller Personenkilometer im hohen Norden abgefahren haben, während die jungen Dänen, Finnen, Norweger und Schweden nahezu die Hälfte der in unserem Land geleisteten Inter-Rail-Kilometer buchen konnten». Akzentuiert wurde das grosse Interrail-Interesse an den nordischen Ländern durch die Eröffnung des ersten Interrail-Zentrums 1984 im Hauptbahnhof Kopenhagen. Angeboten wurden Speise- und Aufenthaltsräume, Duschen, Rucksackdepots, Getränke- und Sandwichautomaten von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts.
Hoch im Kurs standen auch die mediterranen Länder wie Italien, Spanien oder Griechenland. Dies führte im Sommer mitunter zu Kapazitätsengpässen bei den Eisenbahnen der südeuropäischen Länder. Ein Sonderfall auf der Interrailkarte war Marokko, das es als einziger nichteuropäischer Staat in die Interrail-Union schaffte.
Die Bahn entdeckt die Jugend
Einbruch, Aufbruch


