Madonna mit Kind, 1117, Lindenholz, entdeckt in Raron 1924.

Dornrös­chen­schlaf der anderen Art

1924 fand ein Arbeiter in Raron (VS) eine hölzerne Madonna. Es ist eines der bedeutendsten romanischen Kunstwerke der Schweiz.

Andrej Abplanalp

Andrej Abplanalp

Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

Es waren keine Rosen, die über den Schlaf der Thronenden Madonna mit Kind wachten, sondern menschliche Knochen. Und der Schlaf dauerte nicht einhundert, sondern mehrere hundert Jahre. Die Skulptur wurde im 16. Jahrhundert im Beinhaus der Kirche von Raron pietätvoll beigesetzt, so wie es in Europa Brauch war. Nach und nach verschwand sie unter Schädeln und Gebeinen.

Grund für die Beisetzung der hölzernen Figur war der Neubau der Pfarrkirche zwischen 1510 und 1515. Die romanische Madonna war aus der Mode gekommen.

Wachgeküsst hat sie schliesslich kein Prinz, sondern ein Walliser Handwerksmann. Als das Beinhaus von Raron 1924 restauriert wurde, sollte der Arbeiter die darin aufbewahrten Knochen wegschaffen. Zusammen mit weiteren Skulpturen fand er dort das bedeutendste romanische Kunstwerk der Schweiz.

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