Im Frühling zeigt sich der Garten des Château de Prangins von seiner schönsten Seite.

Ein Hauch von Frühling

Zum Frühlingsbeginn geizt der feuchtkalte Gemüsegarten meist noch mit seinen Reizen und geht mit einem ärgerlichen Rückstand ins Gartenjahr. Zum Glück sind da aber die Spalierbäume, welche die Besucherinnen und Besucher mit ihrer Blütenpracht entschädigen. Hintergründe und ein wenig Trost.

Schweizerisches Nationalmuseum

Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint. Die Museen präsentieren Schweizer Geschichte von den Anfängen bis heute, und erschliessen - auch mit temporären Ausstellungen zu aktuellen Themen - die schweizerischen Identitäten und die Vielfalt der Geschichte und Kultur unseres Landes.

«Ziehen Sie denn gar kein Gemüse mehr?» Ein ungeduldiger Besucher rühmt seine Gartenerfolge: Er selbst habe bei sich bereits Spargeln gezogen, Frühspinat geschnitten und reichlich Petersilie geerntet. «Haben Sie denn schon unsere Spaliere bewundert?», erkundigt sich André, der Chefgärtner des Gemüsegartens. Tatsächlich hatte der Besucher vor lauter Wintersalat und Federkohl (auch Krauskohl genannt) die schneeweissen und rosaroten Blüten der Aprikosen- und Pfirsichbäume übersehen – ein wahrlich festliches Bild, das unweigerlich an Japan erinnert!

Kalt im Mai, warm im November

Der Erwerb von Schloss Prangins durch Baron Louis Guiguer geht auf das Jahr 1723 zurück, und auf dem Grund des Wasserbeckens im Zentrum des Gartens fanden Archäologen die Jahreszahl 1729: Dies bedeutet, dass der Gemüsegarten in weniger als sechs Jahren erbaut worden ist. Das ist insofern beeindruckend, als dass der westliche Schlossgraben mehr als 25 Meter tief war und beträchtliche Erdmassen verschoben werden mussten, um die von einer Gletschermoräne geformten Anhebungen und Senkungen zu nivellieren. Das Resultat all dieser Mühen ist ein mehrere Meter tief liegender, von einer Mauer umfriedeter, flacher Garten. Entsprechend breit ist die Spannweite der Temperaturen, welche dieses Mikroklima prägen: Bis Mai liegt alles wie in einem Kühlschrank, dafür wirkt sich der Effekt der Sommerhitze bisweilen noch bis Ende November auf die Vegetation aus.

Der Gärtner des Schlossgartens bei der Arbeit.

Die Herausforderungen eines ganz besonderen Mikroklimas

Die tiefen Frühlingstemperaturen verlangen von den Gärtnern besondere Umsicht: Die exotischen Gewächse werden vom Topf über den Stamm bis zur Krone in besonders starke Schutztücher gehüllt, die Stöcke der Artischockenstauden und von anderen mehrjährigen Pflanzen werden mit Tannzweigen zugedeckt, und die zum Gemüsebleichen benutzten Säcke werden etwas länger auf den Kardonen belassen. Ein Teil der Sonnenwärme wird zudem mit Glasglocken und Frühbeetkästen zurückgehalten. Letztere waren im 18. Jahrhundert gang und gäbe und bestanden aus einem Holzrahmen mit einem gläsernen Aufsatz. Bevor man diese Kästen über den zu unterstützenden Pflanzungen anbrachte (zum Beispiel beim «Nüssler»), hob man eine Vertiefung aus, die man mit frischem Mist füllte. Sobald dieser zu fermentieren begann, setzte er Wärme frei, die von der gläsernen Decke zurückgehalten wurde. Von unten nach oben zeigt sich somit folgendes Bild: Eine dichte Dungschicht, darauf Erde und Pflanzen und über dem Ganzen ein in Holz gefasster Glasdeckel.

Erfrierungen an den Obstspalieren

Die Standorte der eng an der Gartenmauer am Spalier gezogenen Obstbäume richten sich nach dem Lauf der Sonne und dem Sonnenbedarf der jeweiligen Art. Den anspruchsvollsten, nämlich den Aprikosen- und Pfirsichbäumen, gehören die wärmsten Plätze auf der Südseite, die am wenigsten sonnenhungrigen, wie die Kirsch- und Apfelbäume, wachsen auf der Nordseite. Für den Aprikosenbaum, der in dieser Hinsicht am verwöhntesten ist, kann sich dies aber auch rächen: Je früher er blüht, desto mehr muss er die Kälte fürchten, da seine Blüten besonders frostempfindlich sind. Wer den Blick bis über seine Krone hebt, erkennt aber rasch die Lösung des Problems: Das an der Mauer befestigte Brett, über das sich so manche Besucher wundern, hält einen Teil der Sonnenwärme zurück, die sich tagsüber in der Gartenmauer anstaut und nachts wieder entweicht – gerade genug, um die empfindlichen Blüten zu schützen. Dieses seit geraumer Zeit überlieferte Wissen erlangte man über die Beobachtung von Spalieren, die unter Hofvordächern gezogen wurden.

Wer den Gemüsegarten in seinem eigentlichen Frühlingskleid erleben möchte, besucht ihn mit Vorteil eher Ende Mai als Ende März.

Château de Prangins

Das Château de Prangins liegt nur wenige Minuten von Nyon entfernt. Auf eindrück­li­che Weise zeigt sich hier die Verbin­dung zwischen einem lebendi­gen und gleich­zei­tig in der Geschich­te veranker­ten Ort. Sie werden fasziniert sein von dieser herrli­chen Anlage hoch über dem Genfersee und von seinem Schloss, das zusammen mit der englischen Parkan­la­ge und dem Gemüse­gar­ten nach alter Art sorgfäl­tig restau­riert worden ist.

www​.chateau​de​p​ran​gins​.ch

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