Henri-Pierre Danloux, Le Baron de Besenval dans son salon de compagnie, 1791, Öl auf Leinwand, London, National Gallery, NG 6598
Das Porträt von Henri-Pierre Danloux zeigt Peter Viktor von Besenval umgeben von Gemälden und Kunstobjekten. Auf dem Kaminsims stehen chinesische Seladon-Vasen mit vergoldeten Bronzebeschlägen, hinten rechts ist auf einem Möbelstück die Sammlung japanischen Porzellans zu sehen. «Le Baron de Besenval dans son salon de compagnie», 1791. Wikimedia / National Gallery

Die Leiden­schaf­ten des Herrn von Besenval

Vor 300 Jahren wurde Peter Viktor von Besenval geboren. Der Schweizer Baron und Solddienstoffizier in französischen Diensten war ein leidenschaftlicher Sammler von Kunstgegenständen und Pflanzen und ein notorischer Liebhaber.

Andreas Affolter

Andreas Affolter

Leiter des Museums und Begegnungszentrums Schloss Waldegg.

Am 10. August 1795 bot sich den Pariser Kunstliebhabern die «brillante Gelegenheit, ausgezeichnete und erlesene Objekte» zu erwerben. Der Auktionskatalog, der mit diesen Worten warb, liess denn auch tatsächlich keine Wünsche offen. Unter den Hammer kamen Bilder zeitgenössischer Maler und alter Meister, exquisites Porzellan aus China und Japan, antike Statuen, Büsten, goldene Tabakdosen und prunkvolle Möbel. Knapp 300 Jahre später stehen verschiedene dieser Objekte in den renommiertesten Museen der Welt und erzielen bei erneuten Auktionen Millionenerlöse. Der einstige Besitzer dieser exquisiten Kunstschätze war Peter Viktor von Besenval. Der Solddienstoffizier aus einer der mächtigsten Solothurner Patrizierfamilien trug bis zum Ende seines Lebens eine Kollektion zusammen, die bereits seine Zeitgenossen ins Schwärmen brachte. Als leidenschaftlicher Liebhaber der Künste verkörperte Besenval alle Eigenschaften, die im 18. Jahrhundert einem «Amateur» zugesprochen wurden: einen auserlesenen Geschmack, einen Instinkt fürs Schöne und viele freundschaftliche Beziehungen zu Künstlern. Tatsächlich wurde der General denn auch als «Honoraire Amateur» in die Königliche Akademie der Malerei und Bildhauerei aufgenommen. Verschiedene Erbschaften und die im Militärdienst erzielten Einkünfte machten aus dem im Schloss Waldegg geborenen Solothurner, der seit seinem sechsten Lebensjahr in Frankreich lebte, einen wohlhabenden Mann. 1767 kaufte sich der Oberstleutnant des Schweizer Garderegiments im noblen Faubourg Saint-Germain ein Stadtpalais, in dem er Platz für seine ständig wachsende Kunstsammlung fand. Das gediegene Hôtel particulier trägt noch heute Besenvals Namen und ist seit 1938 der Sitz der Schweizer Botschaft in Frankreich.
Hôtel particulier an der Rue de Grenelle in Paris
1767 erwarb Besenval ein Hôtel particulier an der Rue de Grenelle in Paris und liess es vom Architekten Alexandre-Théodore Brongniart umbauen. Heute beherbergt das Gebäude die Schweizer Botschaft in Frankreich. Wikimedia / Chatsam
Sein neues Zuhause liess sich Besenval nach seinem Geschmack umgestalten. Er gewann dafür den renommierten Architekten Alexandre-Théodore Brongniart, der das Gebäude erweiterte und für die Gemäldesammlung – in dieser Zeit noch eine Novität – eine Galerie mit Oberlicht errichtete. Im Untergeschoss aber baute Brongniart dem Baron ein Nymphäum, ein hallenartiges Bad «à l’antique». Künstlerisch ausgeschmückt wurde es von Claude Michel, genannt Clodion, der dafür unter anderem zwei grosse Flachreliefs mit badenden Nymphen, Vasen mit Bacchantinnen und Faunen sowie die Statue einer Najade schuf. Das an antike Nymphäen angelehnte Bad mit seiner exquisiten Ausstattung erlangte sofort grosse Berühmtheit und wurde zu einer Sehenswürdigkeit in Paris. Als ein der Liebe und Schönheit gewidmeter Tempel trug das Nymphäum mit seinen erotischen Szenen auch viel zu Besenvals Nimbus als Liebhaber und Verführer bei.
Augustin-Claude-Simon Le Grand, Le repos, 1785. Radierung, Museum Schloss Waldegg, Wa 1018
Besenval verfügte über eine ganze Reihe exquisiter erotischer Gemälde. Die Radierung von Augustin-Claude-Simon Le Grande entstand nach dem Gemälde «Jeune grecque endormie» von Joseph-Marie Vien, das sich in Peter Viktor von Besenvals Sammlung befand, 1785. Museum Schloss Waldegg
Besenvals Erfolge bei den Damen und seine zahlreichen amourösen Abenteuer waren in aller Munde. Ohne je zu heiraten, pflegte der Baron neben vielen kurzlebigen Affären auch einige ernstere Liebesbeziehungen. Eine seiner langjährigen Mätressen, Louise-Anne de Vernon, Marquise de Ségur, war gleichzeitig die Gemahlin von Besenvals Freund und Kampfgefährte Philippe-Henri de Ségur. Das bis zu ihrem Tode währende Verhältnis zu Louise-Anne und ein unehelicher Sohn trübten aber weder die Beziehungen zwischen den Ehegatten noch zwischen Besenval und seinem Freund.
Atelier von François-Hubert Drouais, Louise-Anne de Vernon, Marquise de Ségur (1729–1778), um 1770, Schloss Waldegg, Wa 1211.
Die Marquise de Ségur ist sowohl die Gattin von Besenvals Freund Philippe-Henri de Ségur, wie auch Besenvals langjährige Mätresse und Mutter seines unehelichen Sohns Joseph-Alexandre de Ségur. Atelier von François-Hubert Drouais, Louise-Anne de Vernon, Marquise de Ségur (1729–1778), um 1770. Museum Schloss Waldegg
Vielmehr liebten die drei das Zusammensein. Besenval verbrachte viel Zeit im Schloss der Ségur in Romainville, wo er einer weiteren Leidenschaft nachgehen konnte: der Gartenkunst. Die im 18. Jahrhundert verbreitete «Gartenmanie» hatte nämlich auch Besenval voll erfasst. Unterstützt vom Architekten Brongniart liess er den Park seines Freundes in Romainville in einen anglo-chinesischen Garten umgestalten. Bestückt mit diversen «Follies» – unter anderem mit einem römischen und einem chinesischen Pavillon, einer ägyptischen Statue und einer Kaskade – entsprach der neue Park ganz dem Geschmack der Zeit!
Bildtafel Différentes Décorations de Romainville de l’Ordonnance de M. le Baron de Besenval, aus: Georges-Louis Le Rouge, Jardins anglo-chinois, 9e cahier, 1781.
Beim Schloss seines Freundes de Ségur in Romainville liess Besenval einen anglo-chinesischen Garten mit diversen «Follies» anlegen. «Différentes Décorations de Romainville de l’Ordonnance de M. le Baron de Besenval», um 1781. Museum Schloss Waldegg
Den Garten seines eigenen Hôtel in Paris liess Besenval in einen englischen Garten umwandeln und kultivierte in eigens erstellten Gewächshäusern seltene und exotische Pflanzen. Um an Samen und Exemplare von Orchideen, Jasminen und Tulpen zu gelangen, konnte er auf ein weites Netzwerk zurückgreifen. So erhielt er etwa 1785 über den Neuenburger Oberst Charles-Daniel de Meuron Zwiebeln von unbekannten Blumen vom Kap der Guten Hoffnung in Südafrika. Mit seiner Leidenschaft für seltene Pflanzen steckte Besenval nicht zuletzt auch die Königin Marie-Antoinette an. Auf seine Anregung hin liess sie im Garten von Trianon verschiedene kostbare Pflanzenarten ansetzen. Wie im Bereich der Kunst, wirkte Besenval auch im Bereich der Botanik als Mäzen. Als Dank für seine Unterstützung wurde sogar eine Pflanze nach ihm benannt. Unglücklicherweise hatte diese aber bereits einige Jahre zuvor ihren wissenschaftlichen Namen erhalten und ist deswegen heute nicht als «Besenvalia senegalensis», sondern als «Oncoba spinosa» bekannt.
Besenvalia senegalensis
Um sich die Gunst seines Patrons Besenval zu sichern, benennt Pierre-Joseph Buc’hoz 1782 eine Pflanze Besenvalia senegalensis. Mit der Namensgebung ist er allerdings zu spät. Seit sieben Jahren ist der dornige Strauch nämlich bereits als «Oncoba spinosa» bekannt. Unnummerierte Bildtafel um 1782. gallica.fr

Peter Viktor von Besenval (1721−1791). Ein Leben im Dienst der franzö­si­schen Krone

18.09.2021 31.05.2022 / Museum Schloss Waldegg
Vor rund 300 Jahren erblickte Peter Viktor von Besenval auf Schloss Waldegg das Licht der Welt. Fast sein ganzes Leben verbrachte er in Frankreich, wo er im Dienst der Krone zu Ruhm, Ehren und Reichtum gelangte. Schloss Waldegg zeigt ihn als Solddienstoffizier, Höfling und Vertrauten der Königin Marie-Antoinette, als Schriftsteller und Sammler von Kunstgegenständen und Pflanzen, als Mäzen und Bauherrn und als galanten Liebhaber. Die Ausstellung rückt dabei sowohl Besenvals Leben wie auch seine Lebenswelten ins Blickfeld und öffnet damit ein breites Panorama auf das französische 18. Jahrhundert.

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