
Als die Berner Gas gaben
Die Berner sind für ihre Gemütlichkeit bekannt, nicht für ihr Tempo. In Sachen Gasnutzung waren sie jedoch die Schnellsten im Land. Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sie schweizweit neue Standards.
Im Marzili-Quartier wurde noch im gleichen Jahr mit dem Bau einer Gasfabrik begonnen. Dort wurde aus einheimischer, nach Anschluss Berns ans Eisenbahnnetz in den 1860er-Jahren auch mit importierter Kohle Gas produziert. Gleichzeitig mussten die entsprechenden Leitungen verlegt werden. Das störte viele Bernerinnen und Berner, es kam zu einer Flut von Beschwerden. Hauptkritikpunkt: Der Verkehr werde gestört. Und das, obwohl die Arbeiter der Gasgesellschaft strenge Auflagen einzuhalten hatten. Innerhalb von fünf Tagen musste gegraben, die Leitungen verlegt und die Baustelle wieder geschlossen werden. Trotz aller Widerstände kam es am 25. April 1843 zur leuchtenden Premiere. Das Intelligenzblatt für die Stadt Bern schrieb zwei Tage später euphorisch: «Die Laternen in den Arkaden der Kramgasse und der Marktgasse brannten zum erstenmal, und liessen durch die Helligkeit ihres Lichts gegen dasjenige der neben ihnen brennenden düstern Öllampen am besten die Vortheile dieser neuen Beleuchtungsart der auf- und abströmenden neugierigen Menschenmassen erkennen.»
Plötzlich musste man auch nachts grüssen


