Das UNO-Gebäude in Genf.
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UNO

2002 trat die Schweiz der UNO bei. Als eines der letzten Länder der Welt. Der lange Weg der Eidgenossenschaft in die internationale Gemeinschaft.

Am Ende wechselte sogar Wilhelm Tell die Seiten. Als Schweizerinnen und Schweizer 2002 über den Beitritt zur UNO abstimmten, prangte der Nationalheld von den Plakatwänden und erklärte: «Die Schweiz ist stolz auf ihre Neutralität und sagt darum JA zur UNO.» Tell benannte das entscheidende Stichwort im Verhältnis zwischen der Schweiz mit der Welt: die Neutralität.

Dass sich künftige Katastrophen nur mittels internationaler Kooperation verhindern liessen, war schon nach dem Ersten Weltkrieg überdeutlich. Deshalb diktierten die Siegermächte 1919 in Versailles nicht nur die Friedensbedingungen, sondern legten auch die Basis für ein internationales Forum: den Völkerbund. Die Schweiz war interessiert, aber konnte ein neutrales Land einer Institution der Siegermächte beitreten? «Hütet Euch vor dem Versailler Völkerbund!» warnte der Plakat-Tell die Stimmbürger 1920. Erfolglos.

Die Schweiz wurde Gründungsmitglied, die Grossmächte anerkannten die Neutralität und Genf setzte sich im Rennen um den Hauptsitz gegen Brüssel durch. Die Schweiz engagierte sich diplomatisch und humanitär, agierte aber insgesamt zurückhaltend und im Hintergrund. Noch vorsichtiger wurde sie im Zweiten Weltkrieg. Nun wurde die Institution am Léman als neutralitätspolitisches Risiko eingestuft, als potenziell gefährliche Provokation Deutschlands und Italiens.

Als aus dem Völkerbund 1946 die UNO wurde, entschied sich der Bundesrat gegen eine Mitgliedschaft. Er hielt sie für nicht vereinbar mit der Neutralität. Nicht nur er: auch die Veto-Macht Frankreich wollte neutrale Länder zunächst nicht aufnehmen. Also blieb die Schweiz draussen. Auch als nach und nach immer mehr Staaten der UNO beitraten – neutrale inklusive. Die Schweiz blieb Beobachterin, unterstützte die UNO an ihrem grössten Sitz in Genf, leistete gute Dienste, Sondereinsätze, humanitäre Hilfe und arbeitete auch in diversen Unterorganisationen mit.

Propagandapostkarte für den Eintritt der Schweiz in den Völkerbund, 1920.
Schweizerisches Nationalmuseum

Warum also nicht gleich beitreten? 1986 befanden die Stimmbürger darüber und votierten zu 76 Prozent mit Nein. Viele setzten Neutralität mit Abseitsstehen gleich, andere meinten, dass sich die Sorgen der Welt von der Schweiz fernhielten, solange die Schweiz sich von den Sorgen der Welt fernhielt.

Drei Jahre später allerdings stand die Welt Kopf: Das Ende des Ost-West-Konflikts brachte eine neue Zeit und die Frage, wo die Schweiz in der Welt stand, wurde zum dominierenden Thema der 1990er-Jahre. Zwar trat sie 1992 Weltbank und Währungsfonds bei, den EWR-Beitritt lehnten die Stimmenden im selben Jahr indes ab. Nach diversen wirtschaftlichen und politischen Krisen kamen die Stimmenden zehn Jahre später zum Schluss, dass es in der vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts keine «splendid isolation» mehr gab und irgendeine Form von internationaler Einbindung wünschenswert sei. Mit Tells Hilfe und 54 Prozent Ja-Stimmen votierten sie am 3. März 2002 für den Beitritt zur UNO. Als eines der letzten Länder der Welt.

Englisches Stenografie-Büro des Völkerbundes, 1930.
Schweizerisches Nationalmuseum

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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

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