Im Postvertrag mit Österreich waren nicht mehr die Kantone, sondern der Bundesstaat für die «Übermittlung der Korrespondenzen» verantwortliche. Illustration von Marco Heer.

Trara, die Post ist da…

Der erste Staatsvertrag der Schweiz wurde im Juli 1849 mit Österreich abgeschlossen. Es war eine Einigung über die Regulierung der Postverhältnisse.

Andrej Abplanalp

Andrej Abplanalp

Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

Am 2. Juli 1849 schloss der junge Bundesstaat seinen ersten Staatsvertrag ab. Darin einigte man sich mit den Österreichern über eine Zusammenarbeit im Postwesen. So «sollen zwischen der österreichischen Postanstalt und der Postanstalt der schweizerischen Eidgenossenschaft gegenseitige Übermittlungen der Korrespondenzen und andern Sendungen, sowie wegen Beförderung von Reisenden, regelmässige Postverbindungen unterhalten werden». Geregelt wurde etwa, wieviel für Briefe und Pakete bezahlt werden musste. Wenn denn bezahlt wurde... Im 19. Jahrhundert galt vielenorts die Regel, dass der Empfänger und nicht der Absender eine Postsendung zu bezahlen hatte.
Postvertrag zwischen der Schweiz und Österreich, 1849.
Postvertrag zwischen der Schweiz und Österreich, 1849. Schweizerisches Bundesarchiv
Artikel 6 regelt, wer wie frankieren muss.
Artikel 6 regelt, wer wie frankieren muss. Schweizerisches Bundesarchiv
Ausgehandelt hatte diesen Vertrag Benedikt La Roche (1802–1876). Der Basler war 1848 zum ersten eidgenössischen Generalpostdirektor gewählt worden. Die Grundlagen der Einigung stammten allerdings aus dem Jahr 1847, aus einer Zeit also, in welcher der Bundesstaat noch gar nicht existierte. Das klingt kurios, hat aber eine logische Vorgeschichte. Ein Jahr vor der Bundesstaatsgründung verhandelten die Kantone mit Österreich in Wien über eine Regulierung der Postverhältnisse. Sie waren – mit Ausnahme von Neuenburg und dem Wallis – vollständig vertreten und wurden von Benedikt La Roche angeführt. Dieser vertrat nicht nur die Kantone Baselstadt und Baselland, sondern auch den Aargau, Solothurn, Bern, Freiburg, die Waadt, Genf und das Tessin. Anfang Juni 1847 war man sich grundsätzlich einig, doch der Sonderbundskrieg verhinderte den Abschluss des Vertrages. Er wurde auf Eis gelegt.
Porträt von Benedikt La Roche, um 1860.
Porträt von Benedikt La Roche, um 1860. Museum für Kommunikation
Einige Monate später war der Konflikt zwar beigelegt, die Welt aber war eine andere. Nun waren es nicht mehr die einzelnen Kantone, die mit Österreich über Posttaxen feilschen durften, sondern ein neuer Staat: die Schweiz. Glücklicherweise war der Chefunterhändler mit Benedikt La Roche noch der gleiche. Aus diesem Grund war eine schnelle Einigung auf Basis der 1847 beschlossenen Zusammenarbeit möglich. Bereits im Juli 1849 wurde der Vertrag Realität.
Postamtschild der Eidgenössischen Post in Genf, 1849.
Postamtschild der Eidgenössischen Post in Genf, 1849. Schweizerisches Nationalmuseum
Der österreichische Finanzminister Philipp von Krauss war nicht besonders erfreut über den Vertrag. Er befand das Briefporto als zu tief und zu vorteilhaft für die Schweiz. Er argumentierte, dass die Grundlagen des Vertrags 1847 mit den Kantonen ausgehandelt worden sein und dass man zu dieser Zeit einen guten Tarif angeboten habe, um die Kantone zu anderen Konzessionen zu bewegen.
Kreisschreiben an die Postdirektionen, 1849.
Die vereinbarten Posttarife brachten den österreichischen Finanzminister in Rage. Er fühlte sich gegenüber der Schweiz benachteiligt. Schweizerisches Bundesarchiv
Benedikt La Roche-Stehelin warf nur einige Tage nach der Unterzeichnung des Postvertrags den Bettel hin. Die Differenzen mit seinem Vorgesetzten, Bundesrat Wilhelm Mathias Naeff, waren zu gross. Er entschloss sich jedoch, seine Tätigkeit in Form eines Auftrags zu Ende zu führen und schloss in der Folge auch mit Frankreich und Belgien (November 1849) einen Postvertrag ab. Ausserdem initiierte er die Verhandlungen mit dem Königreich Sardinien, mit dem im Oktober 1850 eine Einigung erzielt werden konnte.
Porträt von Bundesrat Naeff, um 1870.
Bundesrat Wilhelm Mathias Naeff war der Vorgesetzte von Generalpostdirektor Benedikt La Roche. Schweizerisches Nationalmuseum
Bei den ersten Staatsverträgen der Schweiz ging es ausschliesslich um die Post. Erst Ende November 1850 wurde eine erste nicht postalische Vereinbarung unterzeichnet, der Freundschafts- und Handelsvertrag mit den USA.

Das erste Mal…

Es gibt immer ein erstes Mal. In dieser Serie werden historische Schweizer Premieren beleuchtet. Die Themen sind vielfältig: vom ersten Zebrastreifen bis zur allerersten Volksinitiative. Die Beiträge sind in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bundesarchiv entstanden.

Weitere Beiträge

Adresse & Kontakt
Schweizerisches Nationalmuseum
Landesmuseum Zürich
Museumstrasse 2
Postfach
8021 Zürich
info@nationalmuseum.ch

Design: dreipol   |   Realisation: whatwedo
Schweizerisches Nationalmuseum

Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint.