
Bahnhof-Recycling
In den Anfängen der Eisenbahn wurde das neue Transportmittel kritisch beäugt. Dies zeigte sich auch in günstigen Bahnhof-Provisorien, welche erst nach und nach durch repräsentative Bauten ersetzt wurden und ein Bahnhof-Recycling nach sich zogen.
Innert kurzer Zeit wurden im ganzen Land zahlreiche Eisenbahnstrecken projektiert und gebaut. Die einzelnen Haltestellen boten Reisenden und den zu transportierenden Gütern teilweise nur primitiven Schutz vor Wind und Wetter. Güterschuppen trennte man oft mit einfachen Warteräumen und Toiletten vom Lagerraum ab. Der Verzicht auf solide Stationsgebäude war in der aktuellen Situation für die jungen Bahngesellschaften eine Kostenfrage.
Obwohl die Nordostbahn Ferdinand Stadler mit der entsprechenden Planung eines neuen Bahnhofs beauftragt hatte, blieb es vorerst beim Provisorium. Dieses, nach den Plänen des deutschen Architekten August von Beckh gebaute hübsche Fachwerkgebäude mit eingeschossigem Mittelteil und zwei zweistöckigen Flügeln, war schon bald zu klein für den prosperierenden Verkehrsknotenpunkt. Denn, der Siegeszug des neuen Transportmittels hielt an, und so wurde repräsentativer geplant und gebaut.


Rorschach, Winterthur oder Glarus sind gute Beispiele für das Bahnhof-Recycling, welches im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz betrieben worden war. Auch heute werden in der Schweiz noch Bahnhofsgebäude verschoben. Beispielsweise im Sommer 2022 in Lugano, wo ein 600 Tonnen schweres Haus um 40 Meter verschoben wurde. Allerdings sind die Gründe heute andere als in der Anfangszeit der Eisenbahn. Aktuelle Gebäudeverschiebungen werden meist aus denkmalpflegerischen Motiven gemacht.


