Der Zürcher Hauptbahnhof, um 1900.
Schweizerisches Nationalmuseum

Züge für Zürich

Dank Bahnpionier Alfred Escher wurde Zürich zum Eisenbahnzentrum der Schweiz und damit auch zur grössten Stadt des Landes.

Kein Denkmal steht an einem passenderen Ort, als das Escher-Denkmal vor dem Zürcher Hauptbahnhof. Alfred Escher: Zürcher Grossrat, Regierungsrat und Regierungspräsident, Erziehungsrat, Kirchenrat, Schulrat, Staatsschreiber, Gesandter der Tagsatzung, 34 Jahre lang Nationalrat, dreimal Nationalratspräsident, informeller Kopf der liberalen Partei, Gründer der Schweizerischen Kreditanstalt und vor allem, Gründer der Schweizerischen Nordostbahn.

Als Politiker hatte Escher 1852 durchgesetzt, dass der Eisenbahnbau nicht Sache des Staates, sondern von Privaten wurde. Und als Unternehmer machte er sich dann 1853 ans Werk. Eschers «Schweizerische Nordostbahn» baute innert Kürze ein um Zürich angelegtes und auf Zürich ausgerichtetes Bahnnetz. Die Stadt an der Limmat wurde damit zum ersten Eisenbahnknoten der Schweiz – und damit in der Folge zur grössten Stadt des Landes. Denn Zürich war eigentlich ein Spätzünder. Basel und Genf waren Anfang des 19. Jahrhunderts grösser, verfügten über wichtigere Finanzplätze und 373 beziehungsweise 274 Jahre ältere Universitäten. Bern war gerade Bundesstadt geworden und hätte der Bund die Schienen gelegt, wäre es wohl auch Eisenbahnzentrum geworden. Escher holte die Bahn nach Zürich und lenkte sie zugunsten dieser Stadt.

Porträt von Alfred Escher.
Schweizerisches Nationalmuseum

Die Bahn benötigte zwei Dinge: Knowhow und Kapital. Nach französischem Vorbild beschloss der Bund den Bau einer «École Polytechnique». Escher war mitverantwortlich, dass die ETH 1855 in Zürich eröffnet wurde, und agierte 28 Jahre als Vizepräsident des Schulrats. Nach Vorbild der Pariser «Crédit Mobilier» lancierte er überdies 1856 die «Schweizerische Kreditanstalt», womit das Geld Tausender Kleinsparer in den Eisenbahnbau investiert werden konnte (und die Basis für den Finanzplatz Zürich gelegt wurde). Ebenfalls nach französischem Vorbild liess Escher die Bahnhofstrasse gestalten: ein Boulevard à la parisienne.

Bauarbeiter vor dem Tunneleingang in Göschenen, um 1880.
Schweizerisches Nationalmuseum

Fahrplan der Nordostbahn vom 1. Juni 1862.
Schweizerisches Nationalmuseum

Eschers grösstes Projekt aber war der Bau der Gotthardbahn. Die Bahn über die Alpen wurde allerdings rasch teurer und kam langsamer voran, als budgetiert. Parallel dazu schlitterte die Nordostbahn in den 1870er-Jahren in eine Krise. Schliesslich musste der Bund einspringen und Escher wurde zum Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der Gotthardbahn gedrängt. Auch aus vielen weiteren Ämtern zog er sich zurück; mal aus gesundheitlichen Gründen und mal, weil die Opposition gegen ihn zu stark wurde. Als am Gotthard endlich der Fels durchbrochen wurde, war Escher nicht einmal eingeladen. An der Eröffnung 1882 fehlte er krankheitshalber und noch im selben Jahr starb er. 1909 wurde die Gotthardbahn verstaatlicht. Die Nordostbahn ging sogar schon sieben Jahre früher in der 1898 gegründeten SBB auf. Dies investierte munter weiter ins Zürcher Schienennetz und vollendete damit Eschers Vorhaben.

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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

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Ihr Kommentar





Ein Kommentar

Michael Gasser sagt:

Nur ein paar Anmerkungen zur Differenzierung: Sicher war Alfred Escher und ganz besonders das „System Escher“ mit all seinen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verästelungen ein gewichtiger Faktor in der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Auch die Gründung der ETH Zürich als Eidgenössische Polytechnische Schule fiel in diese Zeit grosser Umwälzungen. Sie war aber das Resultat eines komplexen politischen Aushandlungsprozesses im noch ganz jungen Schweizer Bundesstaat, und die Rolle, die Escher dabei spielte, wird häufig überzeichnet. Hätte sich der Machtmensch Escher sonst wirklich mit dem Posten des Vize-Präsidenten zufriedengegeben?
Auch die Vorstellung, dass am neu gegründeten Poly Ingenieure, Vermessungstechniker, Geologen und andere Spezialisten ausgebildet wurden, die dann die Gotthardbahn bauten, greift etwas zu kurz. Vielmehr wurden damit Fachkräfte wie Louis Favre, Wilhelm Hellwag oder Eduard Gerlich betraut, die Ausbildung bzw. praktisches Knowhow im Ausland erworben hatten. Allerdings wurde der an der Technischen Hochschule Wien ausgebildete Eduard Gerlich 1882 als Professor für Ingenieurwissenschaften ans Polytechnikum berufen, um sein Wissen im Bereich Eisenbahn- und Strassenbau an eine nächste Ingenieur-Generation weiterzugeben.