Lange ein fester Bestandteil des Alltags: Der Besuch am Bankschalter der Zürcher Kantonalbank.
Lange ein fester Bestandteil des Alltags: Der Besuch am Bankschalter der Zürcher Kantonalbank. e-pics

Banken im Wandel: Vom Schalter zur App

Wer heute eine Überweisung tätigt oder das Depot prüft, zückt ganz selbstverständlich das Smartphone. Dieser scheinbar einfache Vorgang ist das Resultat einer langen Entwicklung: In wenigen Jahrzehnten hat sich der Schweizer Finanzalltag von der physischen Schalterhalle in die (digitale) Hosentasche verlagert.

Andrea Weidemann

Andrea Weidemann

Andrea Weidemann ist Leiterin des Schweizer Finanzmuseums.

Noch vor wenigen Jahrzehnten war der Gang zur Bank ein fester Bestandteil des Alltags. Der persönliche Kontakt stand im Zentrum. Bankgeschäfte waren ortsgebunden, an Öffnungszeiten gekoppelt und stark vom Vertrauen in die Institution geprägt. Typisch für die Schweiz war dabei ein zweigeteilter Zahlungsalltag: Der Lohn ging auf das Bankkonto, Bargeld wurde darum am Bankschalter bezogen, um dann mit dem Bargeld die laufenden Rechnungen anschliessend am Postschalter wieder zu bezahlen.
Heute ist dieser Gang in die Filiale weitgehend verschwunden. Bankdienstleistungen sind jederzeit verfügbar – unabhängig von Ort und Zeit. Die Beziehung zur Bank ist dabei deutlich anonymer geworden.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie weit das Bankengeschäft in der Schweiz zurückgeht. Bereits im Mittelalter verleihen reisende Kaufleute Geld und entwickeln sich zu sesshaften Bankiers. In Schweizer Städten entstehen Wechselstuben, die Geld tauschen, Kredite vergeben und teilweise bereits Aufgaben einer Zentralbank übernehmen. Ab dem 18. Jahrhundert bilden sich erste Privatbanken heraus, und im 19. Jahrhundert beginn mit Sparkassen, Kantonalbanken und Grossbanken die Formation des modernen Finanzplatz Schweiz: Zwischen 1895 und 1910 entstehen in der Schweiz über 100 neue Banken.
Schalterhalle der Zürcher Kantonalbank in der oberen Bahnhofstrasse, um 1900. Zwischen den Säulen sind die Schalter angeordnet, in der Mitte befinden sich Schreibplätze für die Kundschaft.
Schalterhalle der Zürcher Kantonalbank in der oberen Bahnhofstrasse, um 1900. Zwischen den Säulen sind die Schalter angeordnet, in der Mitte befinden sich Schreibplätze für die Kundschaft. Zentralbibliothek Zürich

Erste Schritte ins Digitale

Der Weg zur mobilen Bank begann nicht mit dem Smartphone, sondern mit ersten Schritten hin zur Selbstbedienung. Bereits in den 1960er-Jahren experimentierten Banken mit neuen Formen des Zugangs: In Zürich eröffnete die Schweizerische Kreditanstalt (einstige Credit Suisse) im Juni 1962 eine sogenannte Auto-Bank, bei der Kundinnen und Kunden ihre Geschäfte direkt vom Auto aus erledigen konnten.
Eine Kundin in der Auto-Bank der Schweizerischen Kreditanstalt an der St. Peter-Strasse in Zürich, 1962.
Eine Kundin in der Auto-Bank der Schweizerischen Kreditanstalt an der St. Peter-Strasse in Zürich, 1962. e-pics
Ein möglicher Vorläufer des bargeldlosen Bezahlens entsteht bereits zuvor: Mit der ersten universell einsetzbaren Kreditkarte im Jahr 1950 wird es erstmals möglich, bei verschiedenen Anbietern ohne Bargeld zu bezahlen. Diese Kreditkarte des «Diners Club» war in 27 New Yorker Restaurants gültig. Anders als beim Bargeldbezug basiert dieses System auf Kredit – der Betrag wird erst später beglichen.
In den späten 1960er-Jahren folgt ein entscheidender Durchbruch der Selbstbedienung: 1967 wird in Zürich der erste Bancomat in Betrieb genommen. Er ermöglicht es erstmals, rund um die Uhr Bargeld zu beziehen – unabhängig vom Bankschalter. Damit verschiebt sich ein zentraler Teil des Bankgeschäfts aus der Schalterhalle hin zur Maschine.
Erster Geldautomat der Schweizerischen Bankgesellschaft an der Bahnhofstrasse in Zürich, aufgenommen am 8. November 1967.
Erster Geldautomat der Schweizerischen Bankgesellschaft an der Bahnhofstrasse in Zürich, aufgenommen am 8. November 1967. Keystone
Fast gleichzeitig entwickelt sich eine zweite Kartenlogik: die Debitkarte. Erste Pilotversuche starten ab 1960er-Jahren. Im Unterschied zur Kreditkarte greift sie direkt auf das Bankkonto zu – Zahlungen werden sofort verbucht. In Europa geht der Ursprung der Debitkarte auf die Eurocheque-Karte (kurz EC-Karte) zurück. Ursprünglich dient die 1978 eingeführte EC-Karte nur als Scheck-Garantiekarte, damit Unterschrift und Kartennummer verglichen werden können. Ab 1985 wird ihre Funktion erweitert; nun kann mit ihr Geld am Bancomaten bezogen werden. Zusammen mit dem Bancomat bildet sie die Grundlage für einen zunehmend automatisierten und später digitalen Zahlungsverkehr.
Werbefoto für Eurocheques und «EC-Karte» der Schweizerischen Kreditanstalt, um 1982.
Werbefoto für Eurocheques und «EC-Karte» der Schweizerischen Kreditanstalt, um 1982. Schweizerisches Nationalmuseum
Parallel dazu beginnen in den 1980er-Jahren die ersten digitalen Experimente im Bankenbereich. Das Videotex-System der PTT bildet die Grundlage für frühe Telebanking-Angebote: Über spezielle Terminals können Informationen abgerufen und erste Banktransaktionen ausgeführt werden. Damit verlagert sich das Bankgeschäft erstmals vom Schalter in den elektronischen Raum.
«Kann ich meine Rechnungen nicht zu Hause bezahlen?» Videotex-Werbungen aus den 1980er-Jahren.
«Kann ich meine Rechnungen nicht zu Hause bezahlen?» Videotex-Werbungen aus den 1980er-Jahren. Museum für Kommunikation
Mit dem Aufkommen des Internets setzt sich schliesslich das E‑Banking durch: Ende der 1990er-Jahre bringen Schweizer Banken ihre Dienstleistungen ins World Wide Web. Die Credit Suisse führt als Erste im April 1997 ein umfassendes Internet Banking ein, fünf Monate später folgt die Zürcher Kantonalbank. Der PC wird zum neuen Bankschalter im Wohnzimmer – und physische Filialen verlieren zunehmend an Bedeutung.
«Direct Net», das erste e-Banking der Schweiz, ging im April 1997 online. Screenshot der Startseite.
«Direct Net», das erste e-Banking der Schweiz, ging im April 1997 online. Screenshot der Startseite. blick.ch

Die Mobile-Bank

Den entscheidenden Umbruch bringt das Smartphone: Seit den 2010er-Jahren wandert die Bank endgültig in die Hosentasche. Kontoabfragen, Zahlungen oder Investitionen erfolgen unterwegs, oft in Sekunden.
Diese Entwicklung zeigt sich auch im Verhalten der Kundschaft: Bargeldbezüge gehen zurück, während mobile Zahlungen und App-Logins stark zunehmen. Gleichzeitig kommt ein neuer Player auf den Markt: Neobanken bieten vollständig digitale Dienstleistungen an – ohne Filialnetz und meist zu tieferen Kosten. Sie stehen für eine neue Generation des Bankings, die einfach, schnell und mobil funktioniert.
Noch nicht so lange her, aber trotzdem ein Bild aus vergangenen Zeiten: Schalterhalle der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute UBS), 1979.
Noch nicht so lange her, aber trotzdem ein Bild aus vergangenen Zeiten: Schalterhalle der Schweizerischen Bankgesellschaft (heute UBS), 1979. e-pics
Besonders in der Schweiz hat sich dieser Markt in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. Anbieter wie Neon, Zak oder Yuh gewinnen rasch an Bedeutung und erreichen eine breite, digitalaffine Kundschaft. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die Dynamik dieses jungen Segments: Einige Angebote etablieren sich erfolgreich und werden rentabel, andere verschwinden wieder oder passen ihr Geschäftsmodell an und positionieren sich neu. Der Schweizer Bankenmarkt befindet sich damit in einer Phase von Wachstum, Experiment und Konsolidierung – und bleibt entsprechend in Bewegung.
Früher stand die persönliche Beratung im Zentrum. Heute erfolgt ein grosser Teil der Interaktion digital – oft ohne direkten menschlichen Kontakt. Algorithmen übernehmen Aufgaben, die früher Bankberaterinnen und Bankberater innehatten, etwa bei Anlageentscheiden durch sogenannte Robo-Advisors. Zugleich entstehen neue Fragen: Wer verwaltet unsere Daten? Wem vertrauen wir unser Geld an? Und welche Rolle spielen globale Technologieunternehmen im Finanzsystem?

Bankenland Schweiz

12.06.2026 08.11.2026 / Landesmuseum Zürich
Die Schweiz zählt zu den bedeutendsten Finanzplätzen der Welt – doch was macht sie eigentlich zum Bankenland? Die Ausstellung zeigt, wie tief das Bankwesen in der Schweizer Identität verwurzelt ist. Jüdische Geldverleiher, lombardische Händler und später städtische «Wechselstuben» legten den Grundstein für den modernen Finanzplatz. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die historischen Entwicklungen, sondern lädt Besucherinnen und Besucher auch zur Auseinandersetzung mit dem Bankenland von heute ein.

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