Gérald Rigolet im B-WM-Final am 13. März 1971. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum/ASL

In der Schusslinie

Der Schweizer Torhüter Gérald Rigolet schrieb 1971 Eishockey-Geschichte, als er das B-WM-Finale ohne Maske zu Ende spielte.

Alexander Rechsteiner

Hat Anglistik und Politikwissenschaften studiert und arbeitet bei der Kommunikation des Schweizerischen Nationalmuseums.

1971 gewann die Schweiz das Finale der Eishockey-Weltmeisterschaft. Zugegeben, es war die B-WM, die sechs besten Nationen spielen in der A-Gruppe. Doch an diesem 13. März 1971 steht die Eishockey-Schweiz Kopf. In einem einseitigen Spiel – der Gegner, die Mannschaft der DDR, ist krass überlegen – gewinnt die Schweiz trotzdem 3:1. Zu verdanken ist der Sieg dem Torhüter, Gérald Rigolet. Er pariert 68 Schüsse. In den letzten Minuten des Spiels verliert er nach einem Zusammenstoss mit einem gegnerischen Stürmer den Helm. Rigolet gibt aber nicht auf und spielt ohne Kopfschutz weiter. Mit blutüberströmten Gesicht hält er seinen Kasten bis zur Schlusssirene sauber. In diesen letzten Minuten vor dem triumphalen Sieg entsteht das Foto, das Rigolet in der Eishockeywelt unsterblich macht und das sich heute in der Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums befindet. Rigolet wird ins All-Star-Teams des Turniers gewählt, in der Garderobe gratulieren die Bundesräte Ernst Brugger und Ludwig von Moos.

Die erste Torhütermaske von Jacques Plante. Foto: Michael Pick

Der lange Weg zur Goalie-Maske

Gérald Rigolet hätte also einen Gesichtsschutz getragen, wenn er ihm während des Spiels nicht abhandengekommen wäre. Zu Rigolets Zeit waren Masken erst seit ein paar Jahren üblich. Goalie-Masken, die den heutigen ähnlich sehen, gibt es erst seit den 80er-Jahren. Ab den 60er-Jahren werden Fiberglas-Masken, die direkt auf dem Gesicht des Torhüters sitzen, eingesetzt. Verletzungen werden dadurch zwar unwahrscheinlicher, einen 100 km/h schnellen Puck ins Gesicht zu kriegen war aber auch damit nicht gerade angenehm. Zu Beginn waren Masken tabu und durften höchstens im Training getragen werden. Der erste Torhüter, der regelmässig mit einem Gesichtsschutz spielte, war der Kanadier Jacques Plante von den Montreal Canadiens. Wegen einer Gesichtsverletzung trug er den Schutz auch während eines Meisterschaftsspiels im November 1959. Für diese Aktion wurde er in Montreal als Weichei beschimpft. Dass er aber das Spiel auch mit Maske gewann, besänftige die abergläubischen Hockeyfans und Plante trug den Gesichtsschutz fortan in jedem Spiel. Weitere Goalies folgten seinem Beispiel. Der letzte Torhüter, der in der NHL ohne Maske spielte war Andy Brown von den Pittsburgh Penguins. Auch an seinem letzten Spiel am 7. April 1974 stand der Kanadier ohne Gesichtsschutz zwischen den Pfosten.

The Evolution of Goalie Masks | Sports Illustrated

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