Kreativ gegen destruktiv, Kunst gegen Handwerk, schön gegen biestig: Auf dem Rasen treffen Welten aufeinander.
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Der Schöne und das Biest

Urs Althaus spielte beim FC Zürich, bevor er als Fotomodell und Schauspieler durchstartete. Bereits auf dem Rasen regelmässig «durchgestartet» ist Rolf Bollmann. Davon konnten seine Gegenspieler ein Liedchen singen.

Als Urs Althaus 1973 zum ersten Mal im Basler St. Jakob-Stadion weilt, wird er frenetisch beklatscht. Dabei war der in Altdorf aufgewachsene Sohn eines Nigerianers und einer Schweizerin nur als Zuschauer da. Das Publikum hatte ihn mit dem peruanischen Weltstar Teofilo Cubillas verwechselt, dessen Wechsel zum FCB angekündigt war. So weit wollte es auch Althaus bringen, doch im Basler Nachwuchs konnte er sich nicht durchsetzen. Der FC Zürich gab ihm eine neue Chance. Dort spielte zwischen 1973 und 1976 im Reserveteam und trainierte oft mit der 1. Mannschaft. Daneben machte er eine Lehre im Reisebüro. Eher zufällig kam die Anfrage für die Modeschau eines Sportgeschäfts. Und so kam er doch noch zu seiner Weltkarriere. Auf dem Laufsteg war Althaus nämlich derart erfolgreich, dass er es 1977 als erstes dunkelhäutiges Model auf das Cover des Lifestyle-Magazins «GQ» schaffte und später in New York eine eigene Agentur gründete.

Urs Althaus im Dress des FC Zürichs...

... und auf dem Cover des amerikanischen Lifestyle-Magazins GQ, 1977.

Besonders bekannt wurde Urs Althaus in Italien, wo sie ihn bis heute «Aristoteles» rufen. So heisst der brasilianische Held im Kult-Fussballfilm «L‘allenatore nel pallone», in dem Althaus eine Hauptrolle spielt und Fussballgrössen wie Zico, Carlo Ancelotti oder Nils Liedholm auftauchen. Der Film ist mindestens einmal pro Jahr im TV zu sehen und wenn Schweizer Mannschaften gegen italienische Teams spielen, ist der Urner nach wie vor ein beliebter Interviewpartner. Urs Althaus machte aber nicht nur im Fussballtrikot, sondern auch in der Mönchskutte eine gute Figur. 1986 stand er an der Seite von Sean Connery als Venantius von Salvemec in der Umberto-Eco-Verfilmung «Der Name der Rose» vor der Kamera. Seine ungewöhnliche Lebensgeschichte schrieb der erste schwarze Top-Dressman der Welt in der 2009 erschienenen Biografie nieder. Bezeichnender Titel: «Ich, der Neger».

https://www.youtube.com/watch?v=X2jmoiSRUfY

Als brasilianischer Fussballstar Aristoteles glänzte der Schweizer im italienischen Film «L'allenatore nel pallone».
YouTube

Bei den Dreharbeiten traf Urs Althaus Fussballgrössen wie Carlo Ancelotti (zweiter von links) oder Francesco Graziani (zweiter von rechts).

Mannschaftsbild des FC Zürich 1974/75.
FCZ Museum

Rolf Bollmann, das Biest

Heute werden Fussballer in den Stadien in Kampagnen stets gemahnt, fair zu spielen, und die Schiedsrichter zücken schnell bei übertriebenen Aktionen eine Karte. Das war längst nicht immer so. Da gab es etwa Rolf Bollmann, der es als Gründer der Pendlerzeitung «20 Minuten» und späterer Mitverleger und CEO der «Basler Zeitung» zum erfolgreichen Unternehmer brachte. In den 1970er-Jahren hingegen bezeichnete man ihn als «grössten Verbrecher im Schweizer Fussball». Die Spezialitäten des Winterthur-Verteidigers: «Ellenbogen ausfahren, Hodenklemmen, bei Freistössen den Gegner mit einer Stecknadel in den Hintern stechen, grausame Sachen», wie er später zugab.

Bei seinem ersten Länderspiel gegen Belgien vergass Bollmann die Linsen im Hotel, verschwieg das allerdings. So war er gezwungen, extrem nahe bei Gegenspieler Lambert zu stehen und «den Mann unten in der Mitte festzuhalten». Obwohl er mehrere hohe Bälle verpasste, bekam Bollmann anständige Noten für sein Debüt. Als er Natitrainer Hüssy danach sein Missgeschick beichtete, meinte dieser verständnisvoll: «Du huere Arschloch!» Hüssy bot ihn nie mehr auf.

So blieb Bollmanns Highlight der Cupfinal im Folgejahr mit dem FC Winterthur (1:2), auf den er sich einstimmte mit einem mit Schlankheitstropfen und Amphetamin durchsetzten Kaffee. Der Effekt blieb nicht aus: Mit Schaum vor dem Mund rannte er die ersten zehn Minuten seinem Verteidigerkollegen statt seinem Gegenspieler, dem Basler Stürmer Ottmar Hitzfeld, nach.

Bollmann im Dress der Schweizer B-Nationalmannschaft, 1973.
Keystone / STR

Rolf Bollmann (rechts) im Zweikampf mit Ottmar Hitzfeld, Cupfinal 1975.
Keystone / STR

Mämä Sykora
Mämä Sykora ist Chefredaktor des Fussballmagazins «Zwölf».

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