Im Neujahrsblatt von 1723 war die Schlacht zwischen Helvetiern und Römern ein Thema. Der Stich stammt von Johann Melchior Füssli. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Das Ende der Kelten

Die Helvetier und andere keltische Stämme wurden einige Jahre vor Christi Geburt von einem Mann gebändigt: Julius Cäsar. Mit Taktik und gesundem Menschverstand eroberte dieser Römer ganz Gallien.

Für den Niedergang der Kelten war kein geringerer als Julius Cäsar verantwortlich. Und ein bisschen auch die Helvetier. Dieser keltische Stamm, so berichtet Cäsar in seinen «commentarii de bello gallico», habe im Frühjahr des Jahres 58 nämlich nach Westen wandern wollen. Dadurch drängte er ins Gebiet der mit Rom verbündeten Häduer und das gab Cäsar einen Anlass, gegen die Helvetier in den Krieg zu ziehen. Bei Bibracte, 70 Kilometer westlich von Dijon, kam es schliesslich zur entscheidenden Schlacht. Die Helvetier wurden vernichtend geschlagen.

Cäsar schickte sie daraufhin zurück in ihr Territorium zwischen Genfer- und Bodensee, stellte fest, dass bei den Kelten ohnehin ein grosses Durcheinander herrschte, das dringend aufgeräumt werden musste, und machte sich deshalb daran, Gallien zu unterwerfen. Der brillante Feldherr ging dabei äusserst geschickt vor und spielte die keltischen Stämme immer wieder gegeneinander aus. «Divide et impera» – teile und herrsche. Erst im Jahr 52 v. Chr. vereinigten sich die verbliebenen Kelten unter Vercingetorix. Der Aufstand gegen Cäsar scheiterte jedoch und von da an war das Gebiet Frankreichs, der Benelux-Staaten und der Schweiz, oder anders gesagt: ganz Gallien von den Römern besetzt.

Schulwandbild von Cäsar. Hergestellt von Illustrator A. Hollaender in Breslau. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Cäsars «Bericht vom Gallischen Krieg» ist auch heute noch ein spannender Text. Mit relativ bescheidenen Mitteln eroberte er ein enormes Gebiet, seine Truppen befanden sich oft in der Unterzahl und Cäsar gelangen spektakuläre taktische Manöver. Trotzdem berichtete er für römische Verhältnisse ungewohnt sachlich, nüchtern und ohne sich selbst übermässig zu loben. Ganz ohne Propaganda kam aber auch Cäsar nicht aus. Die Zahl seiner Feinde rundete er grosszügig auf und dass die Helvetier wirklich, wie von Cäsar behauptet, ihre Felder verbrannten und mit Hab und Gut, Kind und Kegel nach Südfrankreich auswandern wollten, gilt inzwischen als unwahrscheinlich. Viel eher unternahmen die Helvetier grössere Raubzüge nach Westen.

Interessant ist, wie pragmatisch sich Cäsar und die Helvetier nach der Schlacht von Bibracte zusammenrauften. Sie gingen ein Bündnis ein und im Gebiet der Helvetier wurden erste römische Stützpunkte errichtet. Erst unter Augustus wurden die Helvetier enger an Rom gebunden (Zeitreise 10). Wie die keltische und die römische Kultur mit der Zeit verschmolzen, zeigt beispielsweise die Siedlung auf der Engehalbinsel bei Bern. Das ursprünglich keltische Oppidum wurde mit der Zeit mit einem Amphitheater und weiteren römischen Errungenschaften ergänzt.

Kopie eines römischen Augensalbenstempels. Das Original wurde auf der Engehalbinsel in Bern gefunden. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

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Ihr Kommentar





4 Kommentare

Hans Arnold sagt:

Lesenswert dieser Beitrag für übriggebliebene Helvetier auf besagtem Territorium.

David Herter sagt:

Gibt es irgendwelche Quellen zur Aussage: „Viel eher unternahmen die Helvetier grössere Raubzüge nach Westen.“? „Geschickt“ ging Caesar bei der Unterwerfung Galliens sicherlich vor, doch es fehlen in dieser sehr kurzen Zusammenfassung der Geschehnisse meiner Meinung nach unbedingt die Begriffe „skrupellos“ und „brutal“. Insgesamt dünkt mich ihre Schilderung ganz nach dem Gusto von Julius Caesar. Genau so wollte er seine commentarii verstanden haben.

David Herter sagt:

Wikipedia? Im Ernst? Ich gehe einig mit Ihnen, dass zum Auszug der Helvetier die bisherigen – wieviele Opidas in der Schweiz sind schon komplett untersucht? – Erkenntnisse der Archäologie nicht passgenau sind.

Ihre Argumente zu den Raubzügen hingegen überzeugen mich nicht. Die Helvetier, zumindest teilweise bedroht von germanischen Wanderungen und Heerzügen – beispielsweise unter Arovist – sollen ihre Kräfte aufgeteilt haben um hin- und herzuziehen, um Land zu erobern und danach ihre Familien nachzuziehen? Kimbern und Teutonen (und Tiguriner) haben das etwas früher – wie ich das verstehe – anders gemacht.

Zudem folgen Sie in ihrer Zusammenfassung eng Cäsars Bericht – um diesen dann ausgerechnet beim Auszug der Helvetier für falsch zu erklären. Warum? Wie weiter oben schon jemand angeführt hat, hätten sich räuberische Helvetier sich viel besser geeignet beim Senat Armeeeinsätze zu rechtfertigen, als eine Völkerwanderung, die in den Jahren zuvor mit den Nachbarn verhandelt wurde und Rom eigentlich nichts anging.

Ich bin gespannt auf ihre Argumente.

Andreas Beck sagt:

Ich meine mich an die Ausführungen meines Geschichtslehrers zu erinnern, wonach Caesar die Helveter bei Genf nicht über die Rhone liess, so dass sie durch Gebiete verfeindeter Stämme ziehen mussten und zum Schluss auch von befreundeten Stämmen nicht eingelassen wurden. Demnach kamen sie arg dezimiert auf das Schlachtfeld von Bibracte, wo es keine Meisterleistung mehr brauchte, um sie endgültig zu besiegen. Sieht das die moderne Geschichtsschreibung heute anders?