Die Heilige Verena von Zurzach. Die Skulptur wurde im 16. Jahrhundert wohl in Süddeutschland gefertigt. Foto: Schweizerisches Nationalmuseum

Zurzachs berühmtester Badegast

Wie eine junge Ägypterin zur Heiligen Verena wurde und warum sie von Solothurn nach Zurzach zog.

Als im 4. Jahrhundert die thebäische Legion gegen Norden zog, soll der Legende nach auch eine junge Ägypterin namens Verena mitmarschiert sein. Von ihr wird berichtet, dass sie Menschen heilen konnte. Nach dem Martyrium der Thebäer bei St. Maurice zog Verena in die Nähe von Salodorum (Solothurn), wo sie als Einsiedlerin in einer Schlucht ein frommes Leben führte, fastete, betete sowie Blinde und Besessene heilte. Die Kunde von der Heilerin verbreitete sich, der Besucherstrom schwoll an und schliesslich wurde Verena der Trubel um ihre Person zu viel. Sie packte ihre Habseligkeiten und wanderte aareabwärts nach Tenedo, dem heutigen Bad Zurzach.

Der Ort war damals ein wichtiger Brückenkopf über den Rhein und wurde nach dem Rückzug der Römer sogar zum Kastell ausgebaut. In Tenedo fand Verena die gewünschte Ruhe und pflegte bis ins hohe Alter heilsuchende und betagte Leute. Dabei bekehrte sie viele Heiden zum christlichen Glauben und taufte sie vor Ort, was möglicherweise die heutige Badekultur begründete. Die Legende berichtet, sie habe sogar Alemannen bekehrt, was allerdings kaum stimmen dürfte: Selbst wenn Verena so alt geworden wäre, wie es gewisse Überlieferungen behaupten, wäre sie doch noch deutlich vor der Ankunft der Alemannen gestorben. Naheliegender ist, dass es sich bei den Bekehrten nicht um Germanen, sondern um gallorömische Provinzbewohner handelte.

Die Einsiedelei St. Verena in Solothurn (oben). Skulptur der Heiligen Verena aus dem späten 15. Jahrhundert. Fotos: Schweizerisches Nationalmuseum

Nach ihrem Tod wurde Verena gemäss römischer Sitte an der Strasse von Tenedo nach Vindonissa beerdigt. Über dem Grab wurde bald eine Kirche gebaut, weshalb die Strasse einen Bogen machen musste. Der seltsame Schlenker ist selbst in der heutigen Strassenführung erhalten geblieben.

Als die Römer 401 abzogen, siedelten sich die übriggebliebenen Romanen im ehemaligen Kastell an. Dort errichteten sie eine der ersten Kirchen in der Region; ihre Grundrisse sind noch heute gut erkennbar. Erhalten ist auch das ehemalige Taufbecken zwischen Kirche und Kastellmauer. Es ist gross genug für die Taufe von Erwachsenen, die dafür mit dem ganzen Körper ins Wasser eintauchten. Hier tauchten dann möglicherweise auch die ersten Alemannen als Heiden ab und als Getaufte wieder auf.

Heilige – Retter in der Not

Forum Schweizer Geschichte Schwyz

03.11.18 - 10.03.19

In einer grossen Wechselausstellung präsentiert das Forum Schweizer Geschichte Schwyz zahlreiche Heiligenfiguren und erzählt ihre spannenden Geschichten. Heilige sind mehr als eine Legende, sie geben gläubigen Menschen auf der ganzen Welt auch heute noch Hoffnung und spielen in katholischen Gebieten und in der Ostkirche nach wie vor eine grosse Rolle.

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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

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Ihr Kommentar





2 Kommentare

elia sagt:

OMG wala voll krass ey

Andrea Schaer sagt:

Das Thermalwasser wurde in Zurzach erst in den 1890er-Jahren bei Solebohrungen entdeckt. In den 1950er-Jahren wurde das Thermalwasser mittels Bohrung erschlossen und damit die Grundlage zum Bau des Thermalbades geschaffen. Verena und die (im Verhältnis kurze) Zurzacher Badetradition geschaffen.
In Baden hingegen bestand seit römischer Zeit ein Thermalbad. In der Badener Folklore hat Verena als Namensgeberin der gleichnamigen Quelle und des darüberliegenden Bades einen grossen Stellenwert. Womöglich lebt hier mit der Verenenverehrung hier eine ältere Kulttradition – die der römischen Isis – weiter.
Gerade dieser Tage ist das Badener Verenabad – das berühmteste Bade der Bäderstadt an der Limmat – im Fokus des Interesses. https://www.srf.ch/play/radio/echo-der-zeit/audio/spektakulaerer-fund-in-baden?id=987020fc-1610-4bb3-8060-261c64031af6