Handzeichnung des Schloss' Habsburg. Im Hintergrund Wildegg. Gezeichnet wurde sie von Johann Heinrich Bleuler um 1800. Schweizerisches Nationalmuseum

Radbot und die Habichtsburg

Den Bau der Habsburg verdanken wir einem Habicht. Der Raubvogel entflog seinem Besitzer, Graf Radbot, und führte ihn so auf einen Hügel mit herrlicher Sicht. Der Adlige beschloss, dort eine Burg zu bauen.

Alles begann mit dem Habicht des Grafen Radbot – so jedenfalls erzählt es die Legende. Als der Herrscher des Klettgaus in der Nähe von Brugg auf die Jagd ging, stürzte sich sein Greifvogel nicht auf die davonspringenden Hasen, sondern flog stattdessen auf einen bewaldeten Hügel, den Wulpelsberg. Radbot wollte das wertvolle Tier nicht verlieren, folgte ihm auf die Anhöhe und bemerkte, dass man von dort einen ausserordentlich guten Blick über das Umland hatte. Etwas, was schon die Römer bemerkt hatten, weshalb sie hier unweit ihres Legionslagers in Windisch vor Jahrhunderten einst eine Signalstation aufgestellt hatten.

Radbot liess der Ort keine Ruhe und bald begann er mit dem Bau einer Burg auf dem Wulpelsberg. Zu Ehren des Vogels, der ihn auf die Idee gebracht hatte, nannte er sie Habichtsburg. Allerdings ging ihm bald das Geld aus und so bat er seinen Bruder Werner – seines Zeichens Bischof von Strassburg – um Unterstützung. Dieser wollte sich zuerst einmal anschauen, wofür er sein Geld investieren würde und besuchte Radbot auf dem neuen Sitz. Die Enttäuschung war gross: Nur ein steinernes Haus, dazu ein paar hölzerne Hütten und Verschläge waren zu sehen. Nicht mal eine ordentliche Burgmauer fand er vor!

Ansicht der Habsburg aus der Chronik von habsburgischen Adligen, um 1560. Schweizerisches Nationalmuseum

Silberpfennig aus der Münzstätte Ravensburg von Rudolf von Habsburg. Schweizerisches Nationalmuseum

Radbot beruhigte seinen Bruder: Er solle sich schlafen legen. Bis zum nächsten Morgen würde Radbot eine Mauer um die Burg ziehen. Als Werner erwachte, war er überrascht: Rund um die Burg lagerte eine beträchtliche Zahl schwer bewaffneter Ritter. Treue Gefolgsleute – erklärte Radbot – seien eben wichtiger als starke Burgmauern.

Auch diese Geschichte ist nicht gesichert. Sie weist aber auf einen wahren Punkt mittelalterlicher Herrschaft hin: Oft wichtiger als Burgen und Landbesitz waren gute Beziehungen. Radbot und seine Nachfahren jedenfalls pflegten beides. Die Burg über dem Städtchen Brugg wurde kontinuierlich ausgebaut und um 1250 war sie bereits eine der grössten der Gegend. Noch beeindruckender waren aber die politischen Erfolge der Familie von der Habichts- oder eben von der Habsburg: Sie wurde zum wohl mächtigsten Adelsgeschlecht überhaupt. Die Habsburger beherrschten nicht nur grosse Teile Europas, nach 500 Jahren reichte ihr Herrschaftsgebiet sogar bis in die Neue Welt. Bloss die Habsburg und ihre aargauischen Stammlande hatten die Habsburger bis dahin verloren.

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Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

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Ein Kommentar

Burtscher Gertrud sagt:

Sehr interessanter Artikel. Schon in der Volksschule (1946-1950 Vorarlberg/AT) gelernt. Grund, dass ich seit 1958 in der Schweiz ansässig bin? Schillers „Wilhelm Tell“ soll eine abgekupferte nordische Legende sein… Bin der Schweiz aus vielen Gründen ewig verbunden: Liebespakete und Aufnahme vorarlberger Kinder während Schulferien (persönlich durch ein Bündner Gärtner-Ehepaar), Auffindung durch Rotes Kreuz meines im 2WK in amerikanischer Gefangenschaft (missing in action) Bruders, usw. usw. Ein herzliches Dankeschön!