
Die friedliche Invasion der US-Armee
Im Rahmen der «Aktion für amerikanische Armeeurlauber» bereisten zwischen Juli 1945 und März 1949 rund 300'000 Angehörige der US-amerikanischen Armee die Schweiz auf geführten Ferientouren. Besonders viele machten Halt in Luzern.
Der Bundesrat beauftragte den Chef des Schweizer Territorialdienstes, Oberstbrigadier Erich Münch, mit der Planung der Aktion. Ungeachtet der ursprünglichen Initiative aus der Tourismusbranche handelte es sich demnach um eine militärische Unternehmung. Münch nahm rund zwei Wochen nach Kriegsende Verhandlungen mit Vertretern der USA über die konkrete Ausgestaltung der Touren auf. Für den einwöchigen Besuch der Schweiz einigte man sich auf einen Preis von 35 Dollar pro Person, was dem Monatssold eines Government Issue (GI, geschlechtsneutrale Bezeichnung für Angehörige der US-Streitkräfte) und damals 150 Franken entsprach. Die US-Armee stellte pro Kopf zudem die volle Armeeverpflegungsration bereit, welche die Schweizer Oberleitung zwecks Deckung der Kosten weiterverkaufte. Ab März 1946 lieferte die US-Armee an Stelle der Essensrationen Kohle, Speck und Tee, nach Februar 1947 vergütete sie die Tourenkosten dann monetär.

Die GIs in Luzern
Mehr als die Hälfte aller Armeeangehörigen machte auf ihrer Tour Halt in Luzern. Die überproportionale Berücksichtigung der Stadt bei der Zusammenstellung der Tourenprogramme gründete in ihrer zentralen Lage sowie ihrer Nähe zu See und Bergen, die für alle Jahreszeiten attraktiv war. Auch hier wurden die GIs bei ihrer Ankunft von zahlreichen Schaulustigen empfangen. Sie verliehen der Stadt, so schwärmte ein Journalist in den Luzerner Neuesten Nachrichten vom 30. Juli 1945, «ein internationales Gepräge».


Es wurden vielfältige Touren für die GIs zusammengestellt. Schweizerisches Bundesarchiv / Schweizerisches Bundesarchiv
Diesem Versprechen stand jedoch ein traditionsreiches Hindernis im Weg: Das im katholischen Luzern geltende Tanzverbot aus dem Jahr 1884. Dieses sprach jedem Lokal jährlich lediglich sieben, zu bewilligende Tanztage zu. Drei davon mussten zwischen dem 1. September und dem 1. Dezember liegen, die übrigen vier durften weder in der Fastenzeit oder im Advent, noch freitags, samstags oder an Feiertagen stattfinden. Folglich war das Tanzen im Dezember 1945 untersagt. Eigentlich. Denn der Hotelierverein, das Verkehrsbüro und der Wirteverband ersuchten im Oktober 1945 den Regierungsrat, das Tanzverbot im Advent 1945 und in der Fastenzeit 1946 aufzuheben, damit die GIs ihrer «Hauptunterhaltung» nachgehen konnten.
In der Folge erlaubte es das Luzerner Militär- und Polizeidepartement dem Kursaal, seinen Betrieb im Advent 1945 für die Armeeangehörigen jeweils bis Mitternacht weiterzuführen. Es handelte sich demnach nicht um eine Gesetzesänderung, sondern lediglich um eine Ausnahmelockerung für einen einzelnen Betrieb. Damit sollte den religiösen Gefühlen der Einheimischen wie auch dem Ziel, aus der Urlaubsaktion möglichst grosse wirtschaftliche Vorteile zu schlagen, Rechnung getragen werden. Einige Luzerner Gaststätten beantragten daraufhin, dass die GIs auch in ihren Betrieben im Advent und in der Fastenzeit bis Mitternacht tanzen dürften. Darüber hinaus sei das Tanzverbot in einer «Fremdenstadt» wie Luzern grundsätzlich unangebracht und nicht mehr praktikabel, so die Rekurrenten. Der Regierungsrat wies ihren Antrag ab: Die Ausnahmebewilligung für den Kursaal, dem eine Sonderstellung in Luzern zukomme, sollte nicht ausgeweitet werden und eine vollständige Aufhebung des Adventtanzverbots sei indiskutabel.
Ansturm auf Uhren und Teppiche
Betteln um Kaugummi
Wegbereiter der Amerikanisierung
Der grösste Wert der Aktion wurde damals aber ihrer propagandistischen Wirkung beigemessen; sie sei nachgerade einem unbezahlbaren «Reklamefeldzug» in den USA gleichgekommen, so Erich Münchs Urteil. Reiseberichte der GIs fanden denn auch Eingang in zahlreiche Publikationen und viele kehrten später für einen privaten Urlaub in die Schweiz zurück. Auch die amerikanische Seite beurteilte die Aktion als das Bestmögliche, was sie ihren Armeeangehörigen betreffend Freizeitgestaltung habe bieten können.
Tourismus. Reiseziel Schweiz
Wie wurde die Schweiz zum beliebten Reiseziel? Die Ausstellung führt die Besuchenden auf eine Zeitreise durch prägende Stationen der Schweizer Tourismusgeschichte – von den Grand Tours englischer Aristokraten bis zu den Instagram-Hotspots unserer Zeit. Unterwegs begegnen sie wegweisenden Ereignissen, die das Reisen in die Schweiz ermöglicht, gefördert, zeitweise verhindert und grundlegend verändert haben.






