Einer der fünf erhaltenen Himmelsgloben von Jost Bürgi ist im Landesmuseum Zürich zu sehen.
Schweizerisches Nationalmuseum

Vergoldete Mathematik

Jost Bürgi war ein Genie. Er revolutionierte die Mathematik und die Zeitmessung. Dank seiner handwerklichen Begabung sind die Resultate seiner Forschungen bis heute mehr als Theorien für die Wissenschaft.

Wie kommt man vom abgelegenen Toggenburg an den glamourösen Hof von Rudolf II., Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, in Prag? Geografisch über Kassel, wo Jost Bürgi für den Landgrafen Wilhelm IV. arbeitete. Inhaltlich über die Genialität, die beim Uhrmacher im Überfluss vorhanden war. Der Mann aus Lichtensteig war nicht nur technisch begabt, sondern auch ein talentierter Mathematiker und ein visionärer Astronom. Ausserdem war ihm eine ausserordentliche handwerkliche Begabung in die Wiege gelegt worden. Diese Mischung machte den Toggenburger zu einem der gefragtesten Männer im Europa des 16. Jahrhunderts.

Jost Bürgi (1552 – 1632) war schon früh von der Wissenschaft fasziniert. Nicht nur beobachtete er die Gestirne, er beschäftigte sich auch mit mathematischen Fragen und vor allem mit der Zeit. Als einer der ersten Menschen baute Bürgi 1585 eine Uhr mit einem Sekundenzeiger. Bis zu diesem Augenblick war niemandem so ganz klar, wie lange eine Sekunde wirklich dauert. Die besten Uhren der damaligen Zeit hatten täglich eine Abweichung von rund einer Viertelstunde! Bürgis Uhr mit Sekundenzeiger, die er für Wilhelm IV. angefertigt hatte, machte ihn mit einem Schlag berühmt. Der «Sekundenmann aus dem Toggenburg» war in aller Munde und begehrt wie nie zuvor. Dabei war er vom hessischen Landgrafen ursprünglich nur als Verantwortlicher für die Instrumente und astronomischer Gehilfe angestellt worden.

Himmelsglobus von Jost Bürgi, 1594.
Schweizerisches Nationalmuseum

Begehrt waren auch Bürgis Himmelsgloben. Darin vereinigte der Uhrmacher seine gesamte wissenschaftliche und handwerkliche Genialität: Mathematik, Astronomie und Zeitmessung wurden mit künstlerischen Fertigkeiten in ein Wunderwerk der Technik verschmolzen. Dass Jost Bürgi darin auch noch die mit der Einführung des gregorianischen Kalenders 1582 nötigen Schaltjahre berücksichtigte, grenzt fast an ein Wunder. Heute existieren noch fünf von Bürgi geschaffene Himmelsgloben. Das jüngste und komplexeste Exemplar ist in der neuen Dauerausstellung «Die Sammlung» im Landesmuseum Zürich zu sehen. Beim Betrachten dieses Ausnahmeobjekts wird klar: Der Weg aus dem Toggenburg an den kaiserlichen Hof nach Prag war kein Zufall, sondern nur eine Frage der Zeit!

Die Sammlung

Landesmuseum Zürich

ab 11. Oktober 2019

Die komplett neu konzipierte Dauerausstellung zeigt über 7000 historische Objekte aus der Sammlung des Schweizerischen Nationalmuseums. Präsentiert werden die Preziosen im sorgfältig sanierten Westflügel des Landesmuseums. Die historischen Räumlichkeiten sind Teil der neuen Ausstellung und verbinden sich perfekt mit den wertvollen Exponaten.

Porträt des Universalgelehrten Jost Bürgi (1552 – 1632).
Wikimedia

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Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

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