Auch im Kloster wurden Texte mal frisiert oder an gewissen Stellen zensuriert.
Wikimedia

Fake News aus dem Nonnenkloster

Donald Trump hat den Begriff Fake News geprägt wie kein anderer zuvor. Doch falsche, verzerrte oder manipulierte Nachrichten gibt es schon lange.

Andrej Abplanalp

Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

Ab dem 14. Jahrhundert waren Schwesternbücher vor allem in dominikanischen Frauenklöstern ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Sie wurden meist von einigen wenigen Nonnen geschrieben und waren ein Leitfaden für das Leben der Ordensfrauen, besonders für Novizinnen. Und, sie wurden oft frisiert, schliesslich mussten die Texte eine Vorbildfunktion erfüllen. Auch eine Zensur kannte man damals schon. So wurden beispielsweise die Schriften von Elsbeth von Oye an zahlreichen Stellen entschärft. Die Nonne aus dem Kloster Oetenbach im Kanton Zürich geisselte sich seit jungen Jahren, um den Qualen, die Jesus erlebt hatte, möglichst nahe zu kommen. In tagebuchartigen Texten beschrieb sie dieses Leiden. Diese Berichte waren teilweise sehr verstörend und lösten bei den Obrigkeiten Zweifel aus. Aus diesem Grund wurden an gewissen Teilen Radierungen vorgenommen.

Fake News wurden auch in zahlreichen Visitationsberichten über Besuche in Frauenklöster angewendet. Ziel war, den Beweis zu erbringen, dass Reformen bitter nötig waren. Im Spätmittelalter strebte die Kirche eine Rückbesinnung auf alte Werte an. Ein Leben in Klausur oder das Einhalten des Armutsideals beispielsweise. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde in den Klöstern teilweise ein recht freies Leben geführt. Um den angestrebten Reformen Nachdruck zu verleihen, wurde deshalb übertrieben oder gar etwas erfunden. Dass die Berichte ausschliesslich von Männern verfasst wurden, war auch nicht gerade förderlich. Die heutige Forschung geht davon aus, dass viele der erhobenen Vorwürfe weniger mit dem realen Leben in einem Frauenkloster als viel mehr mit den männlichen Vorstellungen davon zu tun haben.

Elsbeth von Oye fügte sich selbst Schmerzen zu, um die Qualen von Jesus nachzuempfinden. Über dieses Leiden schrieb sie auch.
© Wroclaw University Library

Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter

Landes­mu­se­um Zürich

20.3. — 16.8.2020

Nonnen im Mittel­al­ter waren weit mehr als enthalt­sa­me und asketi­sche Frauen, die sich nur für die Welt innerhalb der Kloster­mau­ern interes­sier­ten. Ihr Leben war vielsei­tig und spannend. Das Kloster bot Frauen Möglich­kei­ten, die sie sonst kaum hatten: Zugang zu höherer Bildung, soziale Absiche­rung und die Chance, sich familiä­ren Normen zu entziehen. Die Ausstel­lung zeigt anhand verschie­de­ner Persön­lich­kei­ten, wie vielfäl­tig die Lebens­for­men geistli­cher Frauen im Mittel­al­ter waren.

Weitere Beiträge

Adresse & Kontakt
Schweizerisches Nationalmuseum
Landesmuseum Zürich
Museumstrasse 2
Postfach
8021 Zürich
info@nationalmuseum.ch

Design: dreipol   |   Realisation: whatwedo
Schweizerisches Nationalmuseum

Unter dem Dach des Schweizerischen Nationalmuseums sind die drei Museen – Landesmuseum Zürich, Château de Prangins und das Forum Schweizer Geschichte Schwyz – sowie das Sammlungszentrum in Affoltern am Albis vereint.