Auch im Kloster wurden Texte mal frisiert oder an gewissen Stellen zensuriert.
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Fake News aus dem Nonnenkloster

Donald Trump hat den Begriff Fake News geprägt wie kein anderer zuvor. Doch falsche, verzerrte oder manipulierte Nachrichten gibt es schon lange.

Ab dem 14. Jahrhundert waren Schwesternbücher vor allem in dominikanischen Frauenklöstern ein fester Bestandteil des täglichen Lebens. Sie wurden meist von einigen wenigen Nonnen geschrieben und waren ein Leitfaden für das Leben der Ordensfrauen, besonders für Novizinnen. Und, sie wurden oft frisiert, schliesslich mussten die Texte eine Vorbildfunktion erfüllen. Auch eine Zensur kannte man damals schon. So wurden beispielsweise die Schriften von Elsbeth von Oye an zahlreichen Stellen entschärft. Die Nonne aus dem Kloster Oetenbach im Kanton Zürich geisselte sich seit jungen Jahren, um den Qualen, die Jesus erlebt hatte, möglichst nahe zu kommen. In tagebuchartigen Texten beschrieb sie dieses Leiden. Diese Berichte waren teilweise sehr verstörend und lösten bei den Obrigkeiten Zweifel aus. Aus diesem Grund wurden an gewissen Teilen Radierungen vorgenommen.

Fake News wurden auch in zahlreichen Visitationsberichten über Besuche in Frauenklöster angewendet. Ziel war, den Beweis zu erbringen, dass Reformen bitter nötig waren. Im Spätmittelalter strebte die Kirche eine Rückbesinnung auf alte Werte an. Ein Leben in Klausur oder das Einhalten des Armutsideals beispielsweise. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde in den Klöstern teilweise ein recht freies Leben geführt. Um den angestrebten Reformen Nachdruck zu verleihen, wurde deshalb übertrieben oder gar etwas erfunden. Dass die Berichte ausschliesslich von Männern verfasst wurden, war auch nicht gerade förderlich. Die heutige Forschung geht davon aus, dass viele der erhobenen Vorwürfe weniger mit dem realen Leben in einem Frauenkloster als viel mehr mit den männlichen Vorstellungen davon zu tun haben.

Elsbeth von Oye fügte sich selbst Schmerzen zu, um die Qualen von Jesus nachzuempfinden. Über dieses Leiden schrieb sie auch.
© Wroclaw University Library

Nonnen. Starke Frauen im Mittelalter

Landesmuseum Zürich

20.3. - 16.8.2020

Nonnen im Mittelalter waren weit mehr als enthaltsame und asketische Frauen, die sich nur für die Welt innerhalb der Klostermauern interessierten. Ihr Leben war vielseitig und spannend. Das Kloster bot Frauen Möglichkeiten, die sie sonst kaum hatten: Zugang zu höherer Bildung, soziale Absicherung und die Chance, sich familiären Normen zu entziehen. Die Ausstellung zeigt anhand verschiedener Persönlichkeiten, wie vielfältig die Lebensformen geistlicher Frauen im Mittelalter waren.

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Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

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