In den Anfangszeiten wurde über das Alter der Frau auf der Goldmünze heftig gestritten.
In den Anfangszeiten wurde über das Alter der Frau auf der Goldmünze heftig gestritten. Illustration: Marco Heer

Das goldene Mädchen

Das Goldvreneli gehört zu den beliebtesten Münzen der Schweiz. In seinen Anfängen war das Vreneli allerdings eine Helvetia und erst noch eine, welche die Gemüter erhitzte.

Bernhard Graf

Bernhard Graf

Bernhard Graf ist Kulturvermittler und wohnt seit vielen Jahren im Tessin.

Bald ist wieder Weihnachten. In dieser Zeit hat in der Schweiz eine ganz spezielle Münze Hochkonjunktur: das Goldvreneli. Nur wenige wissen, dass die Goldmünze bis heute ein verwendbares Zahlungsmittel ist. Die Vreneli wurden zwischen 1897 und 1949 in unterschiedlichen Mengen und mit unterschiedlichen Werten geprägt (10, 20 und 100 Franken). Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat sich das Goldvreneli zum begehrten Sammlerstück entwickelt. Interessanterweise ist das auf der Münze abgebildete Vreneli eigentlich eine Helvetia. Deren Bildnis war vom Neuenburger Künstler Fritz Ulysse Landry entworfen worden. Bereits in den Anfängen wurde seine Darstellung der Landesmutter kritisiert. Der Jury, welche für die Beurteilung zuständig war, schien die abgebildete Frau zu jung und zu wild. Landry passte die Abbildung an, die Münze konnte geprägt werden. Doch auch danach kam immer wieder Kritik auf: Helvetia sei immer noch zu jung, Willhelm Tell wäre besser gewesen, die Berge im Hintergrund würden nur einen kleinen Teil des Landes repräsentieren... Helvetia hin, Tell her, der Bevölkerung gefiel die Münze. Und vor allem gefiel ihr die junge Frau. Und so bürgerte sich in den 1940er-Jahren der Name Goldvreneli ein, der bis heute geblieben ist.
Goldvreneli von 1897 im Wert von 20 Franken.
Goldvreneli von 1897 im Wert von 20 Franken. Schweizerisches Nationalmuseum

Wilhelm Tell oder nicht?

Eine ähnliche Uneinigkeit besteht gelegentlich auch beim Betrachten des Männerkopfes auf dem «Fünfliber» von 1922 – er hat seinen Namen von den bernischen 5-Pfund-Münzen, deren Bezeichnung im Französischen 5 Livres lautete. Wer es patriotisch mag, schaut nicht genauer hin und behauptet, es handle sich um Wilhelm Tell. Aber weder dessen Bart noch die Armbrust als mögliche Attribute sind zu sehen! Hingegen bedeckt seinen Kopf eine Kapuze nicht unähnlich derjenigen der heute weit verbreiteten Kapuzenjacken, die gemäss eines Werbetextes «männlichen Charme mit Pfiff» ausstrahlen. Diese Formulierung könnte man durchaus auch dem Mann auf dem Fünfliber verpassen, wenn sie sich nicht an der offiziellen Aussage, es handle sich um einen – prototypischen – Alphirten, reiben würde (wobei ja Alphirten heute vielleicht auch nicht mehr so aussehen, wie es der Fünfliber darstellt). Unbestritten ist, dass die aktuelle 5-Franken-Münze die einzige Schweizer Münze mit einem männlichen Bildnis ist.
Fünfliber von 1931.
Fünfliber von 1931. Schweizerisches Nationalmuseum

Mehr Männer im Ausland

Wirft man einen Blick über die Schweizer Grenze hinaus in die Euro-Zone, wird es etwas männlicher. Zumindest im Bereich der Münzen. Auf Spaniens Juan Carlos folgte 2014 Felipe. Der  belgische König Albert trug 1999 eine Brille und Griechenland erinnert mit dem 1936 verstorbenen Eleftherios Venizelos an den Verfechter eines modernen Grossgriechenlands. Dass man sich in Athen nicht für einen Lebenden entschied, hat vielleicht auch damit zu tun, dass der spanische König wegen seiner Grossmutter mütterlicherseits auch «König der Griechen» ist... Zumindest dank der verschiedenen Münzbilder widerspiegelt sich in der Ferienkasse also doch noch die europäische Ländervielfalt und dies erst noch ohne Umrechnerei in Lire oder Drachmen. So wird der Panettone vom Weihnachtsmarkt in Aosta zum wahren Genuss und der griechische Honig schmeckt noch süsser. Beim Vreneli allerdings braucht es ein wenig Hirnschmalz und einen Taschenrechner. Beeinflusst vom Goldpreis bewegt sich die Münze nämlich im nicht immer berechenbaren Sammlermarkt. Das kann schnell mal ins Geld gehen. Aber was macht man nicht alles für die Liebsten...
König Albert II. von Belgien auf einer Euromünze.
König Albert II. von Belgien auf einer Euromünze. Wikimedia

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