Das neue Medium Radio begeisterte die Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts.
Das neue Medium Radio begeisterte die Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts. Schweizerisches Nationalmuseum

Im Strahlen­meer

Bedenken gegenüber elektromagnetischen Wellen sind heute verbreitet. Aktuelle Triggerworte sind 5G, WLAN, Strahlengrenzwerte und Elektrosmog. Doch die Ursprünge dieser Skepsis liegen Jahrzehnte zurück.

Juri Jaquemet

Juri Jaquemet

Dr. phil., Sammlungskurator für Informations- und Kommunikationstechnologie, Museum für Kommunikation, Bern

Die ab den 1920er-Jahren verkauften Radio-Detektorempfänger zeigen exemplarisch, dass in den von Sendeanlagen abgestrahlten Wellen Energie steckt. Diese Radios einfachster Bauart wandeln die unsichtbaren Radiosignale um und machen sie hörbar. Dazu brauchen sie keinen Stromanschluss. Gehört wird via Kopfhörer – die Energie für den Betrieb stammt von den Radiowellen selbst. Besorgt hat dieses Phänomen damals offenbar kaum jemanden. Es dominiert die Euphorie über das neue Medium. Doch wann kommen gesundheitliche Bedenken gegenüber Radiosignalen auf? Diese Spurensuche konzentriert sich in der Folge auf Phänomene und Wahrnehmungen, die durch elektromagnetische Felder (nichtionisierende Strahlung) ausgelöst werden, verursacht etwa von Radio-Sendeanlagen oder Mobilfunkantennen. Zur Einordnung der folgenden Zeilen sei daran erinnert, dass bis in die 1970er-Jahre hinein auch im Umgang mit der klar schädlichen Radioaktivität (ionisierende Strahlung) ein eher sorgloser Umgang vorherrscht. In der Schweiz sind in den 1960er-Jahren beispielsweise 850 «Schuhdurchleuchtungsapparate» im Einsatz, womit sich im Fachgeschäft dank Röntgenstrahlen die Passform der Schuhe verifizieren lässt. Uhrenzifferblätter mit Radium-Leuchtfarbe machen das Zeitablesen in der Finsternis möglich und radioaktive selbstleuchtende Stoffe auf militärischen Instrumenten sichern die Nachtkampftauglichkeit der Schweizer Armee.
Männer hören Radio, um 1920.
Männer hören Radio, um 1920. Schweizerisches Nationalmuseum
Ob die Radiowellen gesundheitliche Bedenken ausgelöst haben, ist kaum erforscht. Trotzdem sorgten die für den Menschen unsichtbaren Bereiche des elektromagnetischen Spektrums für Diskussionen. Die Presse thematisiert etwa verschiedentlich sogenannte «Todesstrahlen». So widmet die NZZ dem Thema am 3. März 1926 einen längeren Artikel auf der Technik-Seite. Der Artikel erinnert an Physikunterricht an einem gestrengen Gymnasium. Die für den Rundfunk verwendeten Frequenzbereiche und Wellen werden nüchtern erklärt und als ungefährlich erachtet. Bei «Todesstrahlen» denke man aber, «an irgendeine geheimnisvolle sichtbare oder unsichtbare Strahlung, die wirklich in der Lage ist, entweder Lebewesen zu töten oder aber Sprengstoffe zur Explosion zu bringen, die Zündung in Flugzeugmotoren aufzuheben, oder ähnliche für die Kriegsführung wichtige Dinge auf grössere Entfernung auszuführen.» Mehrfach versuchen in England laut NZZ selbsternannte «Erfinder» dem Militär entsprechende Apparaturen schmackhaft zu machen. Sie scheitern jedoch jeweils bei der Vorführung. Auch im Zusammenhang mit der Entdeckung der ionisierenden kosmischen Strahlung (Nobelpreis für Viktor Franz Hess 1936) bemühten deutschsprachige Zeitungen wieder den Begriff der «Todesstrahlung». Der somit für natürliche und künstlich erzeugte Strahlung gebrauchte Begriff, zeugt von der Faszination des Neuen und von Ängsten vor dem Unsichtbaren und Unverstandenen.
Für das Unverstandene hatte auch der Esoteriker und Begründer der Anthroposophie Rudolf Steiner (1861-1925) ein Faible. Er liefert ein frühes Zitat, welches sich mahnend zur Präsenz von elektromagnetischen Feldern äussert. In einem Vortrag unter dem Titel «Vom Wesen des wirkenden Wortes» dozierte er am 11. Juli 1923 in Stuttgart: «Vergleichen Sie die Welt von heute mit der von vor hundert Jahren. […] einer der gewaltigsten Unterschiede, der nicht aufgezählt wird, das ist der, dass wir heute unsere Atmosphäre durchzogen haben von lauter Telegraphendrähten, Telephondrähten und so weiter. Nun, in Europa scheint das Durchwachsensein mit Drähten noch ein Kinderspiel zu sein gegenüber Amerika. Deshalb ist dort eine Spur von Einsicht vorhanden, was das für den Menschen bedeutet. Man ahnt dort endlich, dass der Mensch nicht unbeeinflusst bleibt von dem, was in den Telegraphendrähten lebendig durch die Luft schwirrt, dass der Mensch ein richtiger Induktionsapparat wird.» Zum Thema Radio äussert sich Steiner konkret nie. Die drahtlose Telegrafie – welche auf Radiosignalen beruht – diskutiert er sehr ähnlich wie im obigen Zitat und bezeichnet sie in einem anderen Vortrag als «materieller Segen für die Menschheit». Steiners Haltung gegenüber der Fernmeldetechnik ist also nicht klar reaktionär – auch die Vorteile der neuen Technologien werden erkannt. Die heutige Anthroposophie kann aus den alten Zeilen Ihres Gurus aber durchaus eine kritische Haltung gegenüber elektromagnetischen Feldern ableiten.
Telegraphenmasten in den USA, 1916.
Telegraphenmasten in den USA, 1916. Library of Congress
Kritische Stimmen zur Radiotechnik bleiben im deutschsprachigen Raum lange rar. Radio wird in der Schweiz in den 1930ern zum Leitmedium und die drei Landessender Beromünster, Sottens und Monte Ceneri strahlen auf Mittelwelle die Programme der Schweizerischen Rundspruchgesellschaft SRG aus. Betrieben werden die Sendeanlagen von den staatlichen Post-, Telefon- und Telegrafenbetriebe PTT. Im Zweiten Weltkrieg sind die Landessender im In- und Ausland als seriöse Informationskanäle geschätzt und Teil der Geistigen Landesverteidigung. Für die Zeit zwischen 1940er- und 1960er-Jahren finden sich kaum kritische Zeitungsberichte zu den strahlenden Sendeanlagen. Elektromagnetische Felder rücken in dieser Zeit aber durchaus in das Bewusstsein der Gesellschaft. Elektrische Gerätschaften in Haushalt und Gewerbe werden erschwinglich und störten oft den einwandfreien Radio- und später auch den TV-Empfang. Laufende Waschmaschinen, Mixer, Haarföhne oder eine nahe Tramlinie machen Radiohören teilweise zur Qual. Die 1933 gegründete Vereinigung «Pro Radio» (ab 1958 «Pro Radio-Television), finanziert durch die PTT, SRG, Radio-Fabrikanten, Radio-Händler sowie durch die Elektrizitätswirtschaft, nimmt sich dem Problem an. Filmvorträge und Ausstellungen leisten Aufklärungsarbeit und der Erlass von technischen Vorgaben bekämpfen Störungen präventiv. Zudem tourt ab 1949 ein «Werbe- und Entstörungswagen mit Sattelschlepper» durch die Schweiz. Darin entstörten spezialisierte Elektriker auch in abgelegenen Berggebieten Gerätschaften. Die Nachfrage nach dem Service ist hoch. Die Statistik der Vereinigung weist für den Zeitraum 1936-1983 über 300'000 «praktische Entstörungen» aus.
Kinder belagern in Roveredo (GR) den Entstörungswagen von Pro Radio, 1950er Jahre.
Kinder belagern in Roveredo (GR) den Entstörungswagen von Pro Radio, 1950er Jahre. Museum für Kommunikation
Doch nicht nur Haarföhne verursachen Störungen. In der Nähe der Landessender und im Gebiet des 1940 eröffneten Kurzwellensenders Schwarzenburg erleben Anwohnerinnen und Anwohner bisweilen spukhaftes: Aus der Dachrinne oder aus dem Postauto-Chassis erklingt Musik und Neonröhren leuchten selbständig.  Es ist auch ein Fall dokumentiert, in dem eine schlecht ausgeführte Amalgam-Zahnfüllung oxidiert und für unfreiwilligen Radioempfang via Zahnwurzel und Kieferhöhle sorgt. Der Sender Sottens liefert dem Geplagten Radiounterhaltung frei Haus in den Kopf – die Radiowellen werden durch die Zahnfüllung im Kopf hörbar. Entsprechende Phänomene dürften im Laufe der Zeit zugenommen haben, steigern doch die Landesender ihre Leistung zwischen 1940 und 1970 beträchtlich. Liegt diese in Beromünster anfänglich zwischen 15 und 25 kW, so wird sie bis 1950 auf 200-250 kW verstärkt. Da ausländische Sender teilweise das Signal stören, steigert Beromünster 1969 nochmals die Leistung und strahlt nun maximal 500 kW ab. Der Kurzwellensender Schwarzenburg erreicht ab 1970 eine maximale Leistung von 250 kW und kann die Radiosignale gezielt in eine bestimmte Richtung abstrahlen.
Die Sendetürme sowie das Sendergebäude des Landessenders Beromünster im Jahr 1949. Von der Sendeanlage gingen starke elektromagnetische Felder aus.
Die Sendetürme sowie das Sendergebäude des Landessenders Beromünster im Jahr 1949. Von der Sendeanlage gingen starke elektromagnetische Felder aus. Museum für Kommunikation
Die grossen Schweizer Radiosender erreichen um 1970 ihre maximale Sendeleistung. Diese Jahre legen in der Schweiz gleichzeitig die Basis für ein öffentliches Bewusstsein betreffend Umweltprobleme. Eine Art Auftakt macht 1968 die «Earthrise»-Farbfotografie von Apollo 8, welche die Erde laut dem Astronauten Jim Lovell als eine «grandiose Oase in der weiten Wüste des Weltalls» zeigt. Dann folgen Diskussionen zum Umweltschutzartikel der Bundesverfassung 1971, der Bericht des Club of Rome 1972 und die Erdölkrise 1973. Skepsis gegenüber dem Fortschrittsparadigma gehört zum neuen Zeitgeist. Die Antiatombewegung – getragen von der Gegenkultur der 68er-Generation – praktiziert neue Formen der politischen Opposition und findet in der Besetzung des AKW-Geländes in Kaiseraugst 1975 einen ersten Höhepunkt.
Besetzung des Baugeländes in Kaiseraugst durch Atomkraftwerk-Gegner, Mai 1975.
Besetzung des Baugeländes in Kaiseraugst durch Atomkraftwerk-Gegner, Mai 1975. Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
Dass elektromagnetische Felder auch auf die lebendige Umwelt einen Einfluss haben könnten, wird in der Schweiz unter Fachleuten erstmals 1977 ausführlich diskutiert. 1981 bildet sich in der Schweiz eine erste Arbeitsgruppe, die sich mit der Frage beschäftigt, ob starke elektromagnetische Felder in der Nähe von Sendeanlagen gesundheitsschädlich sind? Auslöser sind Pläne der PTT den Kurzwellensender Schwarzenburg auszubauen. Die Zeitung «Der Bund» berichtet im Dezember 1981 über das Vorhaben und fragt im Titel «Sind Radiowellen schädlich?». Im Artikel findet sich auch der Hinweis, dass in der UdSSR bereits viel strengere Grenzwerte gelten würden. Ein Chemiker des Bundesamtes für Umwelt (damals BUWAL) erklärt der Leserschaft, dass man die Untersuchungen aus dem kommunistischen Osten zuerst für «nicht wissenschaftlich genug» hielt, jetzt aber ein Umdenken stattfände und dass gewisse Resultate auch im Westen verifiziert werden konnten. Im Jahr darauf lanciert die PTT einen «Schutzanzug gegen elektromagnetische Felder bei Sendeanlagen». Anzug und Gesichtshaube bestehen aus einem metallisierten Textilgewebe und bilden einen «Einmann-Faradaykäfig», so die Fachzeitschrift «Technische Mitteilungen» der PTT. Und weiter ist zu lesen: «Bei Arbeiten, die in der Nähe von Rundfunk- und Richtstrahl-Sendeantennenanlagen auszuführen sind, können Intensitäten des elektromagnetischen Feldes auftreten, die beim Menschen schädliche Wirkungen hervorrufen können.»
1982 lanciert die PTT einen Schutzanzug gegen elektromagnetische Felder bei Sendeanlagen.
1982 lanciert die PTT einen Schutzanzug gegen elektromagnetische Felder bei Sendeanlagen. Das geschwärzte Metallgitter der Schutzhaube beeinträchtig die Sicht kaum und «entspricht dem Arbeiten mit einer Sonnenbrille.» e-periodica
Bald macht das Thema auch ausserhalb von Fachmagazinen Schlagzeilen. Umgangssprachlich und in der Tagespresse etabliert sich in den 1980er-Jahren der Begriff «Elektrosmog». Entsprechende Belastungen werden oft durch Sendeanlagen oder auch durch Hochspannungsleitungen und Eisenbahnleitungen verursacht. Konzentrieren wir uns darum erneut auf eine Sendeanlage. Was Kaiseraugst für die Antiatombewegung ist, dürfte der Kurzwellensender Schwarzenburg für den Widerstand gegen Sendeanlagen sein: der Ausgangspunkt für eine politische Bewegung. In Schwarzenburg strahlen die PTT das in erster Linie für Auslandschweizerinnen und -schweizer gedachte Programm von «Radio Schweiz International» aus. Mitte der 1980er-Jahre ist eine erste grössere Protestwelle dokumentiert. 121 Personen reichen an den Gemeinderat von Wahlern (BE) eine Petition ein und beklagen im Juni 1986 gemäss den «Freiburger Nachrichten» ausser Kontrolle geratene Melkmaschinen, Lüftungen, Computer und gestörte Heizungssteuerungen. Im November 1986 diskutiert die gleiche Zeitung dann auch erstmals Klagen der Anwohner in Bezug auf die Gesundheit und berichtet von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Nervenbeschwerden und von ständigem «Kribbeln ganzer Körperteile». Die Klagen der Anwohnerschaft sowie die Presseberichte schrecken die PTT auf. Anfänglich evaluiert der Staatkonzern alternative Standorte im Grossen Moos und in der Waadt. Das Vorhaben scheitert – niemand will einen Kurzwellensender vor der Haustüre.  Bereits 1987 legt darum der sonst eher behäbige Staatskonzern ein Sanierungskonzept für die Sendeanlage und ein Budget für Entstörungsarbeiten vor und veranschlagt dafür mehrere Millionen Schweizer Franken. Teilweise wirkt das Bemühen heute amüsant. Für eine irrlichternde elektronisch gesteuerte Spitzenklasse-Nähmaschine bot die PTT beispielsweise ein mechanisches Modell als Ersatz an. Betreffend Entstörung greift die PTT aber grundsätzlich auf eine reiche Erfahrung zurück und bekämpft gekonnt Technik mit Technik.
Der Kurzwellensender Schwarzenburg im Januar 1947.
Der Kurzwellensender Schwarzenburg im Januar 1947. Museum für Kommunikation
Technik mit Technik bekämpfen. Phono-Eingangsfilter gegen HF-Störsignale TBA-302. Unter anderem mit solchen Filtern wurden in der Nähe des Kurzwellensender Schwarzenburg Stereoanlagen und Radios «entstört».
Technik mit Technik bekämpfen. Phono-Eingangsfilter gegen HF-Störsignale TBA-302. Unter anderem mit solchen Filtern wurden in der Nähe des Kurzwellensender Schwarzenburg Stereoanlagen und Radios «entstört». Museum für Kommunikation
Das Handling des menschlichen Faktors gestaltet sich für die Beamten deutlich schwieriger. Dieses «Problem» kriegt der Staatskonzern nicht unter Kontrolle. Die Bevölkerung ist in Bezug auf Umweltfragen sensibilisiert und allenfalls auch misstrauisch gegenüber Behörden. Seveso, Tschernobyl und Schweizerhalle prägen den Zeitgeist mit. 1990 reichen 195 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Wahlern bei Bundesrat Adolf Ogi, Chef des Eidgenössischen Verkehrs- und Energiewirtschaftsdepartements, eine Petition ein. Sie fordert eine Untersuchung zu möglichen gesundheitlichen Gefahren der Sendeanlage. Das Anliegen wird vom Bund aufgenommen und in den 1990er-Jahren werden in Schwarzenburg Daten für Studien erhoben. Die ab 1995 publizierten Resultate lassen die Möglichkeit zu, «dass die Emissionen solcher Kurzwellensender die Schlafqualität beeinträchtigen können», so das Bundesamt für Gesundheit 2007 in einer Publikation zum Thema «Hochfrequente Strahlung und Gesundheit».
Bundesrat Adolf Ogi musste sich 1990 mit der «Strahlenfrage» beschäftigen.
Bundesrat Adolf Ogi musste sich 1990 mit der «Strahlenfrage» beschäftigen. Schweizerisches Nationalmuseum / ASL
1997 reicht die PTT für den Kurzwellensender ein Baugesuch ein und will die bisherige Antennenanlage durch moderne Drehstandantennen ersetzen. Gegen dieses Vorhaben gehen über 400 Einsprachen ein und der Verein «Schwarzenburg ohne Kurzwellensender» organisiert Proteste vor Ort. Ende 1998 wird der Kurzwellensender stillgelegt. Ausschlaggebend sind laut Bund und SRG in erster Linie wirtschaftliche Überlegungen. Gegen Bezahlung können Radioprogramme via Sendeanlagen in Übersee ausgestrahlt werden und es zeichnet sich ab, dass sich SRG-Inhalte auch via Internet weltweit zugänglich machen lassen. Die Protestbewegung vor Ort und die Aussicht auf rechtlichen Klagen betreffend Gesundheitsschäden dürfte dem Bund den Entscheid zur Stilllegung allerdings leicht gemacht haben.
TV-Beitrag über den Radiosender Schwarzenburg. SRF
Die Aufmerksamkeit in Bezug auf mögliche schädliche elektromagnetische Felder verlagert sich nach 1998 langsam auf Mobilfunkantennen und strahlende Handys. Im Jahr 2002 gibt es in der Schweiz erstmals mehr Mobil- als Festnetzanschlüsse – die Nachfrage nach mobiler Telefonie und Datennutzung steigt seither stetig. Mobilfunkantennen prägen heute das Siedlungsbild mit. Anders als noch zur Zeit der Landessender, manifestiert sich die Technik flächendeckend. Eine Mobilfunkanlage strahlt dabei deutlich weniger kW ab als ein Mittelwellen- oder Kurzwellensender. Gegenwärtig formiert sich gleichwohl zunehmend Widerstand gegen 5G-Antennen. Hans-Ueli Jakob, die zentrale Figur der Protestbewegung gegen den Kurzwellensender Schwarzenburg, schlussfolgert im Dezember 2021 in der Zeitung «Der Bund», dass sich viele nicht um die Problematik kümmern, «bis ihnen ein Antennenmast an den Hag gestellt wird». Diesem Argument hält Martin Röösli, Professor für Umweltepidemiologie in Basel, kürzlich in der Basler Zeitung entgegen: «Keine Antenne in der Nähe zu haben und ein Handy zu nutzen ist also die effizienteste Art, die eigene Strahlenbelastung zu maximieren.» Anders als beim Radioempfänger sind Mobilfunktelefone selber auch Sender. Viele Diskussionen haben dabei leider längst die sachliche Ebene verlassen – was auch an der Komplexität des Themas liegen dürfte. Einfache Fragen wie «Schaden elektromagnetische Felder von Sendeanlagen und Mobilfunk der Gesundheit?» werden von Fachleuten meist nicht mit Ja oder Nein beantwortet. Als Antwort gilt es eine mehrseitige Risikoabwägung auszuhalten. Solche Nutzen- und Schadensabwägungen sind nachvollziehbar, will doch kaum jemand auf die Vorzüge eines Smartphones verzichten.
Angst vor Handy-Strahlen als Geschäftsmodell. «Faradaykäfig» für die Geschlechtseile dank eingewirkten Silberfäden.
Angst vor Handy-Strahlen als Geschäftsmodell. «Faradaykäfig» für die Geschlechtseile dank eingewirkten Silberfäden. Museum für Kommunikation

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