
Tsunamis auf dem Vierwaldstättersee
Seit 2015 hat der Kanton Nidwalden die erste Tsunami-Gefahrenkarte der Schweiz. Wie kam es dazu?
Dieser grosse Aufwand ist berechtigt. Die Ergebnisse der Berechnungen und Analysen zeigen: Die Gefahr ist real. In einem plausiblen Szenario dringt eine Tsunamiwelle an den Nidwaldner Ufern bis zu mehrere hundert Meter weit ins Landesinnere ein und verursacht erhebliche Schäden.
Renward Cysat ist erschüttert
ein wild gethümmel und wäsen mitt rumplen und boldern nitt anderst dann alls ob ein halb dotzet starcker männern uff- und aneinandren mit streichen, schlägen, ringen und fechten gewachsen wärent und allso durch das gemach hin und wider mitt einandern umbher wutschtend
Als Cysat Luzern erreichte, wurde ihm geschildert, wie sich das Wasser in der Reuss mehrmals ganz in den See zurückgezogen habe, nur um dann flutartig wieder ins Flussbett zurückzukehren. Heute weiss man, dass es sich dabei um sogenannte Seiches handelte. Dabei oszilliert das ganze Wasser des Sees von einer Seite auf die andere: Die Seeoberfläche steht schief und schwappt hin und her. Vom Ufer aus betrachtet zieht sich der See für einige Stunden zurück, nur um dann als meterhohe Flutwelle wieder zurückzukehren.
Diese grossen Flutwellen wurden nicht direkt vom Erdbeben ausgelöst. Die Ursache des Tsunamis waren sogenannte subaquatische Sedimentlawinen. Durch das Erdbeben lösten sich an den unter Wasser liegenden Hängen riesige Massen an abgelagertem Schlamm und Gestein. Ähnlich wie bei einem Schneebrett glitt diese Sedimentlawine auf einer Schwachschicht kompakt nach unten in Richtung Seegrund. Dabei drückte das fallende Material das Wasser nach oben und die steigende Wassersäule löste an der Wasseroberfläche eine Tsunamiwelle aus. 1601 entstanden so Wellen von bis zu zehn Metern Höhe, die während ihrer Ausbreitung kaum an Mächtigkeit verloren und so die Seiches entstehen liessen.
Konsequenzen damals und heute
Unnd diewyl dann von der schwäre unnd vile unser sünden wegen Gott der allmechtig uns verschinen montags znacht mit einem erschröcklichen erdbidem heimgesuocht. So habent miner gnädigen herren inn statt unnd land alles tantzen, spilen unnd überflüssiges prassen, dessglychen alles geschrei, getümel, gesang und seittenspil, bis uff die fassnacht by schwärer straff abstricken und verbieten lassen.
Doch die wissenschaftlichen Untersuchungen geben teilweise Entwarnung. Ein Ereignis wie 1601 wird es so schnell nicht mehr geben. Damals glitt so viel Material von den unterseeischen Hängen, dass es noch Jahrhunderte dauern wird, bis sich dort wieder die gleichen Massen aufgebaut haben.
Dennoch sind Tsunamis auf dem Vierwaldstättersee weiterhin möglich. Zwei Beispiele aus der Region zeigen, dass es an möglichen Auslösern nicht mangelt.
Bergstürze als Tsunami-Trigger
Die nächste Flutwelle kommt




