
Ein Stück Schweiz im Portemonnaie
In den 1990er-Jahren erhielten die Schweizer Banknoten ein neues Gesicht. Die achte Serie (1995–2016) verband hohe Sicherheitsanforderungen mit neuartiger Gestaltung. Eine Entdeckungsreise ins Archiv und ein Blick hinter die Kulissen zeigen, wie diese Banknoten geplant, entworfen und vermittelt wurden.
Der Farbkopierer
Die Persönlichkeiten
Erwartungsgemäss blieb die Entscheidung nicht ohne Widerspruch. Kritische Stimmen sahen darin eine späte und teils ungerechtfertigte nationale «Aneignung» von Exilkünstlerinnen und Exilkünstlern, deren internationale Anerkennung ausserhalb der Schweiz erfolgt war. Dass mehrere der dargestellten Persönlichkeiten lange im Ausland tätig waren oder dort anerkannt wurden, war jedoch Teil des Konzepts. Die Banknoten sollten nicht das vorhandene Selbstbild bestätigen, sondern anregen, über Geschichte, Kultur und die Frage nachzudenken, wie man eine nationale Identität vermitteln kann.
Der Gestalter

Teil dieses neuen Rahmens war auch der Aufbau einer speziell gesicherten Arbeitsumgebung. Dieser abgeschirmte Raum mit streng kontrolliertem Zugang wurde intern «der Bunker» genannt. In Zürich, zuerst an der Hotzestrasse 33 und ab dem 29. Juli 1994 am Kirchenweg 5, wurde kreative Arbeit mit strengster, offizieller Geheimhaltung kombiniert. Die Schweizerische Nationalbank zahlte eine gute halbe Million Franken für die Einrichtung dieses Standorts. Darin enthalten waren bauliche Massnahmen, Büromöbel, ein Tresor sowie Computer, Programme und die technische Vernetzung.
In diesem Sicherheitsraum erfolgte die Gestaltung der Banknoten erstmals vollständig digital: Von den ersten Entwürfen und Farben bis hin zu den feinen Linien und Sicherheitsmerkmalen wurde alles am Computer entwickelt, überprüft, weiterentwickelt und dokumentiert. Damit markierte die achte Banknotenserie einen gestalterischen und mediengeschichtlichen Einschnitt: den Übergang der Banknotengestaltung in ein vollständig digitales, institutionell eingebettetes Zeitalter.
Die Teamarbeit
Sicherheit als Leitlinie
Die neuen Sicherheitsmerkmale und das ungewohnte gestalterische Konzept machten eine gezielte kommunikative Vermittlung der neuen Serie erforderlich. Die Schweizerische Nationalbank entschied sich deshalb für eine offensive Informationsstrategie. Unter Titeln wie «Alles, was echt ist», «Gute Noten für unsere Noten» und «Die neuen Noten. Überprüfbar echt» entstanden Broschüren, Leporellos, Informationsmaterialien für Banken und für die breite Öffentlichkeit. Es war nicht das Ziel, technische Details vollständig zu vermitteln, sondern die neuen Banknoten als überprüfbare Gebrauchsobjekte verständlich zu machen.
Ein Stück Schweiz
Erst im Gebrauch behaupteten sich die Noten. In der Summe eine Serie, die polarisierte – ein nahezu avantgardistisches Stück Schweiz im Portemonnaie.
Bankenland Schweiz
Die Schweiz zählt zu den bedeutendsten Finanzplätzen der Welt – doch was macht sie eigentlich zum Bankenland? Die Ausstellung zeigt, wie tief das Bankwesen in der Schweizer Identität verwurzelt ist. Jüdische Geldverleiher, lombardische Händler und später städtische «Wechselstuben» legten den Grundstein für den modernen Finanzplatz. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die historischen Entwicklungen, sondern lädt Besucherinnen und Besucher auch zur Auseinandersetzung mit dem Bankenland von heute ein.






