Jeden Tag in der Hand, selten genau betrachtet: Hinter der achten Banknotenserie steckte jahrelange Entwicklungsarbeit.
Jeden Tag in der Hand, selten genau betrachtet: Hinter der achten Banknotenserie steckte jahrelange Entwicklungsarbeit. Keystone, Foto: Christian Beutler

Ein Stück Schweiz im Portemonnaie

In den 1990er-Jahren erhielten die Schweizer Banknoten ein neues Gesicht. Die achte Serie (1995–2016) verband hohe Sicherheitsanforderungen mit neuartiger Gestaltung. Eine Entdeckungsreise ins Archiv und ein Blick hinter die Kulissen zeigen, wie diese Banknoten geplant, entworfen und vermittelt wurden.

Eric Häusler und Jürgen Häusler

Eric Häusler und Jürgen Häusler

Eric Häusler ist Historiker an der ETH Zürich. Jürgen Häusler ist emeritierter Professor für Kommunikation an der Universität Leipzig und war langjähriges Mitglied der Geschäftsleitung der Zintzmeyer & Lux AG.

Auf den Schweizer Banknoten der achten Serie findet sich – nach dem Namen des Gestalters Jörg Zintzmeyer – ein unscheinbares Zeichen: die Buchstaben «Z&L». Sie stehen am Rand, erklären sich nicht und drängen sich nicht auf. Millionen Menschen trugen sie jahrelang bei sich – im Portemonnaie, im täglichen Gebrauch –, ohne zu wissen, wofür sie stehen. Und doch führt dieses kleine Kürzel mitten hinein in einen Entstehungsprozess, in dem Gestaltung, Sicherheit und Vertrauen untrennbar miteinander verbunden sind.
Die achte Banknotenserie wurde ab Oktober 1995 schrittweise eingeführt. Den Anfang machte die «Grüne Sophie» – die erste Schweizer Banknote, die eine Frau zeigte.
Die achte Banknotenserie wurde ab Oktober 1995 schrittweise eingeführt. Den Anfang machte die «Grüne Sophie» – die erste Schweizer Banknote, die eine Frau zeigte. Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN359.602

Der Farbko­pie­rer

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre veränderte sich der sicherheitstechnische Horizont grundlegend. Mit der raschen Verbreitung leistungsfähiger Farbkopierer zeichnete sich ab, dass bestehende Banknoten bald angreifbar sein könnten. Zwar blieb die Zahl der Fälschungen in der Schweiz überschaubar, doch internationale Daten für den Zeitraum zwischen 1975 und 1985 zeigten eine klare Tendenz: Der technologische Fortschritt machte Nachahmungen möglich. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagierte nicht auf eine gegenwärtige Krise, sondern auf eine, die sich abzuzeichnen begann. Im Bankausschuss, dem operativen Aufsichtsgremium der SNB, wurde das Thema am 16. Oktober 1987 prominent auf die Agenda gesetzt und ausführlich diskutiert: Wie liess sich das Vertrauen in Bargeld unter veränderten technischen Bedingungen dauerhaft sichern? Die Antwort lautete: nicht durch kleine Verbesserungen, sondern durch die Entwicklung einer neuen Banknotenserie. Bei dieser sollte das Thema Sicherheit von Anfang an im Mittelpunkt stehen.

Die Persön­lich­kei­ten

Bereits 1984 hatte die SNB beschlossen, dass die neue Banknotenserie kulturelle Persönlichkeiten zeigen sollte, deren Wirkung weit über die Schweiz hinausreichte und liess sich dafür durch Expertinnen und Experten aus Literatur, Malerei, Musik und Architektur beraten. Mit Le Corbusier, Arthur Honegger, Sophie Taeuber-Arp, Alberto Giacometti, Charles Ferdinand Ramuz und Jacob Burckhardt sollte eine Schweiz sichtbar werden, die sich über geistige Produktion, künstlerische Innovation und internationale Vernetzung definierte. Man verzichtete bewusst auf leicht erkennbare nationale Symbole und setzte stattdessen auf Bildung, Neugier und Offenheit.

Erwartungsgemäss blieb die Entscheidung nicht ohne Widerspruch. Kritische Stimmen sahen darin eine späte und teils ungerechtfertigte nationale «Aneignung» von Exilkünstlerinnen und Exilkünstlern, deren internationale Anerkennung ausserhalb der Schweiz erfolgt war. Dass mehrere der dargestellten Persönlichkeiten lange im Ausland tätig waren oder dort anerkannt wurden, war jedoch Teil des Konzepts. Die Banknoten sollten nicht das vorhandene Selbstbild bestätigen, sondern anregen, über Geschichte, Kultur und die Frage nachzudenken, wie man eine nationale Identität vermitteln kann.

Der Gestalter

Zwischen 1988 und 1991 wurden in einem mehrstufigen Ideenwettbewerb aus 13 eingereichten Entwürfen 3 ausgewählt und vertieft ausgearbeitet. Schliesslich setzte sich Jörg Zintzmeyer mit einer Mehrheit von 4 zu 3 Stimmen und der Empfehlung des Direktoriums im Bankausschuss durch. Mit ihm schloss die Schweizerische Nationalbank einen Vertrag, der weit über klassische gestalterische Leistungen hinausging.
Vom Wettbewerbsentwurf (links) zum finalen Design (rechts): Die 100-Franken-Note war dem Werk von Alberto Giacometti gewidmet.
Vom Wettbewerbsentwurf (links) zum finalen Design (rechts): Die 100-Franken-Note war dem Werk von Alberto Giacometti gewidmet.
Von der Wettbewerbseingabe (links) zum finalen Design (rechts): Die 100-Franken-Note war dem Werk von Alberto Giacometti gewidmet. Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN341.203 (G + H) / BN354.303
Zintzmeyer arbeitete nicht als freier Einzelkünstler, sondern im Rahmen seines Zürcher Gestaltungs- und Beratungsunternehmens Zintzmeyer & Lux. Dies stellte eine Neuerung dar: Bisher wurden Banknoten meist von Einzelpersonen gestaltet. Bei der achten Serie änderte sich das: Sie entstand durch eine feste Zusammenarbeit verschiedener Fachleute, die sich die Arbeit nach klaren Regeln und Verträgen teilten. Die Gestaltung wurde zu einer Gemeinschaftsaufgabe.

Teil dieses neuen Rahmens war auch der Aufbau einer speziell gesicherten Arbeitsumgebung. Dieser abgeschirmte Raum mit streng kontrolliertem Zugang wurde intern «der Bunker» genannt. In Zürich, zuerst an der Hotzestrasse 33 und ab dem 29. Juli 1994 am Kirchenweg 5, wurde kreative Arbeit mit strengster, offizieller Geheimhaltung kombiniert. Die Schweizerische Nationalbank zahlte eine gute halbe Million Franken für die Einrichtung dieses Standorts. Darin enthalten waren bauliche Massnahmen, Büromöbel, ein Tresor sowie Computer, Programme und die technische Vernetzung.
 
In diesem Sicherheitsraum erfolgte die Gestaltung der Banknoten erstmals vollständig digital: Von den ersten Entwürfen und Farben bis hin zu den feinen Linien und Sicherheitsmerkmalen wurde alles am Computer entwickelt, überprüft, weiterentwickelt und dokumentiert. Damit markierte die achte Banknotenserie einen gestalterischen und mediengeschichtlichen Einschnitt: den Übergang der Banknotengestaltung in ein vollständig digitales, institutionell eingebettetes Zeitalter.
Ein Fernsehbeitrag gibt Einblick in das digitale Design der neuen Banknoten. SRF

Die Teamar­beit

An der Umsetzung arbeiteten nebst dem Team rund um Zintzmeyer auch Fachkräfte aus der Industrie und den zuständigen Institutionen. Dazu gehörten die Banknotendruckerei Orell Füssli, der Spezialist für Sicherheitsfarben SICPA, die Firma Landis & Gyr für präzise Mess- und Kontrolltechnik sowie Sihl als Hersteller der Spezialpapiere. Eine sechsköpfige Arbeitsgruppe bestehend aus den Fachstellen der Schweizerischen Nationalbank, dem Gestalter und den beteiligten Zulieferern tagte zwischen 1989 und 1995 fast monatlich. Sicherheitstechnische, funktionale und geldpolitische Anforderungen wurden gebündelt, abgestimmt und entschieden.
Bilder, Farben, Typografie: Jedes Detail musste stimmen. Zahlreiche Archivschachteln bezeugen den langen Gestaltungsprozess.
Bilder, Farben, Typographie: Jedes Detail musste stimmen. Zahlreiche Archivschachteln bezeugen den langen Gestaltungsprozess. Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN353.602_2
Die Entwicklung verlief nicht Schritt für Schritt. Gestalterischer Entwurf, technische Umsetzung und sicherheitstechnische Prüfung waren von Anfang an eng miteinander verknüpft. Vorschläge wurden getestet, verworfen, angepasst und erneut geprüft. Prototypen zirkulierten zwischen Gestalter, Druckerei und Nationalbank, jede Veränderung hatte Auswirkungen auf andere Ebenen. Gestaltung war nicht der erste Schritt, Technik nicht der letzte – beide entwickelten sich parallel. Routine- und Krisensitzungen wechselten sich ab. Und bisweilen traf man sich abseits des Geschäfts «bei einem Glas Wein».

Sicher­heit als Leitlinie

Die Sicherheit der neuen Banknoten sollte als zusammenhängendes System funktionieren, mit Sicherheitsmerkmalen, die sich gegenseitig stützten und überprüfbar machten. Farbe, Linienführung, Mikrotypografie, Papierstruktur, Druckverfahren und taktile Elemente wurden deshalb so aufeinander abgestimmt, dass sie ein stimmiges Ganzes bildeten. Neue Farben wirkten sich direkt darauf aus, wie gut die Sicherheitslinien zu sehen waren. Gleichzeitig machte eine andere Papieroberfläche es nötig, die Einstellungen für den Druck anzupassen. Gestaltung und Technik waren nicht zu trennen, sondern Teil einer gemeinsamen Entwicklungsaufgabe.
Eines von vielen Sicherheitsmerkmalen: Mit einem Laser wurden winzige Löcher in die Banknoten gemacht. SRF
Im Gegensatz zu früheren Serien sollten die Sicherheitsmerkmale nicht länger so gestaltet sein, dass man Fachwissen oder Hilfsmittel brauchte, um sie überhaupt zu finden. Stattdessen wurde Sicherheit sicht- und erfahrbar gemacht. Wer die Noten im Alltag verwendete, sollte ihre Echtheit durch Kippen, Gegenlicht oder Berührung überprüfen können. Das Vertrauen sollte durch Verlässlichkeit und Wiedererkennbarkeit im Alltag entstehen, nicht durch Anleitung.
 
Die neuen Sicherheitsmerkmale und das ungewohnte gestalterische Konzept machten eine gezielte kommunikative Vermittlung der neuen Serie erforderlich. Die Schweizerische Nationalbank entschied sich deshalb für eine offensive Informationsstrategie. Unter Titeln wie «Alles, was echt ist», «Gute Noten für unsere Noten» und «Die neuen Noten. Überprüfbar echt» entstanden Broschüren, Leporellos, Informationsmaterialien für Banken und für die breite Öffentlichkeit. Es war nicht das Ziel, technische Details vollständig zu vermitteln, sondern die neuen Banknoten als überprüfbare Gebrauchsobjekte verständlich zu machen.
Der Leporello «Durchschauen Sie Ihre Noten» erklärte einige Sicherheitsmerkmale, die jede Person selbst überprüfen konnte.
Der Flyer «Durchschauen Sie Ihre Noten» erklärte einige Sicherheitsmerkmale, die jede Person selbst überprüfen konnte. Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN359.17
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Zu jeder Banknote gab es auch eine Prüfkarte, die ins Portemonnaie passte.
Zu jeder Banknote gab es auch eine Prüfkarte, die ins Portemonnaie passte. Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN359.17
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So konnten die neuen Noten jederzeit auf ihre Echtheit überprüft werden.
So konnten die neuen Noten jederzeit auf ihre Echtheit überprüft werden. Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN359.17
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Archiv der Schweizerischen Nationalbank, BN359.17
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Ein Stück Schweiz

Die achte Banknotenserie ist ein Stück Schweiz. Sie entstand durch eine Mischung aus Design-Anspruch mit höchster Sicherheit, neuen kreativen Ideen, handwerklicher Genauigkeit und einer durchdachten Kommunikation. International gilt sie in vielerlei Hinsicht als wegweisend. Besonders die enge Verzahnung von Gestaltung, Sicherheitsarchitektur und industrieller Produktion setzte neue Massstäbe im modernen Banknotendesign. Das machte sie zur Referenz für zahlreiche andere Banknotenprogramme. Ein Vertreter der Bank of England wandte sich 1997 in einem persönlichen Schreiben an den Präsidenten des Bankrats: «may I congratulate you on the production of another attractive and innovative design» («Ich möchte Ihnen zu der Entwicklung eines weiteren ansprechenden und innovativen Designs gratulieren»). Auch die Österreichische Nationalbank gratulierte zur Serie, die neue Massstäbe setze und die europäische Banknotenherstellung nachhaltig beeinflussen werde.
Im eigenen Land war die Serie umstritten. In zahlreichen Zeitungskommentaren und Leserbriefen wurde sie als zu modern, zu rational und zu wenig heimatlich kritisiert. Die gewählten Persönlichkeiten erschienen vielen fremd, die Gestaltung eher unzugänglich und das Sicherheitskonzept als zu verkopft. Die Weltwoche beklagte 1995 sogar den «Hochverrat im Kleinformat», kritisierte «Allerwelts-Design» und «High-Tech-Spielereien».
 
Erst im Gebrauch behaupteten sich die Noten. In der Summe eine Serie, die polarisierte – ein nahezu avantgardistisches Stück Schweiz im Portemonnaie.

Bankenland Schweiz

12.06.2026 08.11.2026 / Landesmuseum Zürich
Die Schweiz zählt zu den bedeutendsten Finanzplätzen der Welt – doch was macht sie eigentlich zum Bankenland? Die Ausstellung zeigt, wie tief das Bankwesen in der Schweizer Identität verwurzelt ist. Jüdische Geldverleiher, lombardische Händler und später städtische «Wechselstuben» legten den Grundstein für den modernen Finanzplatz. Die Ausstellung beleuchtet nicht nur die historischen Entwicklungen, sondern lädt Besucherinnen und Besucher auch zur Auseinandersetzung mit dem Bankenland von heute ein.

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