Russischer Eierkult

Im Frühjahr 2017 feierte sowohl die West- wie auch die Ostkirche das Osterfest am gleichen Tag. In Russland ist das Verzieren der Ostereier ein besonderer Brauch. Luxuriöser Höhepunkt waren die berühmten Fabergé-Eier.

Ein Osterfest ohne Ostereier ist in der Christlichen Tradition undenkbar. Das Osterei ist eines der ältesten Symbole, das den Glauben an die Auferstehung Christi ausdrückt. Laut Überlieferungen reicht die Tradition des Austausches von Eiern bis in die 30er-Jahre des ersten Jahrhunderts zurück. Das Osterei symbolisiert die Entstehung eines neuen Lebens mitten im Grab, für welches die Eierschale symbolisch steht und die mit der Kraft des Lebens aufgebrochen wird.

Bemalte Ostereier in Russland

Ostern ist der höchste religiöse Feiertag in Russland. Für die Gläubigen der russisch-orthodoxen Kirche hat es eine lange Tradition, an Ostern bemalte oder verzierte Eier zu schenken. Die Eier werden mit dem Ausspruch «Christos Woskresje», also «Christus ist auferstanden», beschriftet und gelten als ein Symbol für das Leben. Das Bemalen und Verzieren von Ostereiern wurde in Russland zur Volkskunst. Mit der Zeit wurden die Motive sowie die Materialien immer vielfältiger. Neben christlichen Bräuchen und Heiligen werden auch historische und mythologische Sujets dargestellt. Die Kirche unterstützt immer auch die Herstellung von wertvollen Ostereiern, die aus Porzellan, Edelmetallen oder anderen Materialien gefertigt und aufwendig verziert, bemalt oder mit Juwelen besetzt werden. Während des Ersten Weltkriegs erhielten Soldaten Eier mit Rotkreuzsymbolen.

Die Fabergé-Eier der Zaren

Die bekanntesten und auch wertvollsten Ostereier stammen vom St. Petersburger Juwelier Peter Carl Fabergé (1846–1920). Sein erstes Osterei hat Fabergé 1885 hergestellt. Zwischen 1885 und 1894 schaffte er zehn Ostereier für Zar Alexander III. und zwischen 1895 und 1916 weitere 40 Eier für den nachfolgenden und letzten Zaren, Nikolaus II. Neben den 50 kaiserlichen Ostergeschenken fertigte Fabergé auch weitere Meisterwerke wie beispielsweise Tischuhren an, welche hauptsächlich mit Uhrwerken der Schaffhauser Firma Moser & Cie. bestückt wurden. Nach der Oktoberrevolution beschlagnahmten die Bolschewiki alle Kunstwerke und Juwelen der Zarenfamilie, so auch die Fabergé-Eier. In den 1920ern und 1930ern verkaufte die kommunistische Regierung den Grossteil der Eier an westliche Händler. Fabergé selbst flüchtete nach dem Umsturz in die Schweiz, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Auch heute wird der Brauch, kunstvolle Ostereier herzustellen, in Russland hochgehalten.

Peter Carl Fabergé, Fabergé Ei, Tischuhr mit Moser–Uhrwerk in Form, 1893. St. Petersburg. Silber, Nephrit, vergoldet, ziseliert. Fondation Igor Carl Fabergé, Genève.

Der Streit ums Osterdatum

Ostern gehört zu den Kirchenfesten, deren Datum jedes Jahr variiert. Doch auch innerhalb des Christentums feiern nicht alle Kirchen Ostern am selben Datum. Da die Ostkirchen das Osterdatum auf Basis des julianischen Kalenders berechnen, kann der Ostertermin im Westen und Osten um bis zu fünf Wochen auseinanderliegen. 2017 fielen die beiden Daten jedoch zusammen. Das ist eher selten. Die nächste gemeinsame Osterfeier findet 2025 statt.

Ostereier, 1884–1900. Porzellan, Email, Granit und Silber. Liechtensteinisches Landesmuseum, Vaduz. Sammlung Adulf Peter Goop. Fotos: Sven Beham.

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Marina Amstad
Marina Amstad ist Historikerin und Slawistin und arbeitet als Praktikantin am Schweizerischen Nationalmuseum.

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