Dieses Schulwandbild heisst «Gaswerk» und stellte das Thema Industrie dar. Kreiiert hat es Otto Baumberger 1937.
Schweizerisches Nationalmuseum

Schulwandbilder – pädagogische Kunst

Heute lernen die Schüler mit Computern oder mit ihren Handys. Früher wurde der Lernstoff oft mit Schulwandbildern vermittelt. Diese wurden teilweise von renommierten Künstlern kreiert.

Schulwandbilder wurden von Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts eingesetzt. Ihre Blütezeit begann nach der Einführung der lithografischen Drucktechnik, welche die kostengünstige Herstellung von diesem speziellen Bildmaterial erst möglich machte. Neben den didaktischen Zielen solcher Bilder wurde deren Ästhetik nach der Jahrhundertwende immer wichtiger und oft wurden Künstler damit beauftragt, ein Motiv zu entwerfen. So auch in der Schweiz.

Bis in die 1930er-Jahre stammten die meisten Bilder, die in den hiesigen Schulzimmern hingen, aus Deutschland. Im nördlichen Nachbarland hatte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts eine blühende Produktion von Schulwandbildern entwickelt. Im Winter 1934/35 ergriff der Bundesrat Massnahmen, um gegen die Wirtschaftskrise vorzugehen. Eine davon war der Lieferstopp von Schulmaterial aus dem Deutschen Reich. Dahinter verbergen sich allerdings noch weitere Interessen. Einerseits sollten vermehrt schweizerische Bilder und Motive abgebildet und damit letztlich der nationale Zusammenhalt gefördert werden. Andererseits waren die Produkte aus dem Ausland qualitativ nicht immer ganz einwandfrei.

Marta Seitz entwarf 1963 ein Schulwandbild zum Thema Bienen.
Schweizerisches Nationalmuseum

Andreas Barth entwarf ein Schulwandbild zum Thema Jesus und die Ehebrecherin. Es stammt aus dem Jahr 1970.
Schweizerisches Nationalmuseum

Namhafte Künstler

Schnell wurde ein Wettbewerb zur Gestaltung von Schulwandbildern ins Leben gerufen. Finanziert wurde er durch einen Fonds zur Arbeitsbeschaffung von bildenden Künstlern. Pro Motiv wurden jeweils zwei bis drei Künstler eingeladen, ihren Vorschlag einzureichen. Eine pädagogische und eine künstlerische Jury beurteilten die Vorschläge. Im Vordergrund standen anfangs vor allem die didaktischen Nutzen der Schulwandbilder. Mit der Zeit wurden jedoch die gestalterischen Kritierien wichtiger. Es durfte durchaus pädagogisch sinnvoll und zugleich ästhetisch sein.

Für die Schweizer Kunstszene war die Herstellung von Schulwandbildern eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle. Namhafte Maler und Grafiker wie Hans Erni, Alois Carigiet oder Otto Baumberger nahmen an den Wettbewerben teil und konnten ihre Vorschläge verwirklichen. Mit der Verbreitung anderer technischer Hilftmittel wie Diaprojektoren oder Prokischreiber ging die Ära der Schulwandbilder in den 1960er-Jahren zu Ende. Geblieben sind zahlreiche wertvolle Bilder und viele Erinnerungen von langen Lehrervorträgen.

Aldo Patocchi thematisierte 1972 auf einem Bild den Buchdruck.
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Hans Erni entwarf 1937 ein Schulwandbild über die Gewinnung von Salz.
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Andrej Abplanalp
Historiker und Kommunikations-Chef des Schweizerischen Nationalmuseums.

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