Druckgrafik der Disputation von Poissy von 1561. Bei diesem von Katharina von Medici einberufenen Religionsgespräch nahmen die Hugenottenkriege ihren Anfang.
Schweizerisches Nationalmuseum

Die Hugenotten

Als die Protestanten im 17. Jahrhundert in Massen aus Frankreich flüchteten, kamen rund 20'000 Hugenotten in die Eidgenossenschaft. Sie belebten die Wirtschaft und die Kultur ihrer neuen Heimat.

Anne-Marguerite Petit war überglücklich. Endlich war sie den Häschern des Sonnenkönigs Louis XIV. entkommen! Endlich auf protestantischem Boden! Ursache für Anne-Marguerites Flucht von Südfrankreich nach Genf war das Edikt von Fontainebleau. 1685 hatte Louis XIV. die Religionsfreiheit eingeschränkt und die Ausübung des Protestantismus de facto untersagt. Schon zuvor waren Frankreichs Protestanten immer heftiger drangsaliert worden. Man verunglimpfte sie als «Hugenotten», mit dem Wort, das herauskam, wenn französische Zungen «Eidgenossen» zu sagen versuchten. Eine Anspielung darauf, dass die Protestanten von der Schweiz, genauer von Jean Calvin, inspiriert waren.

Die Protestanten flohen in die Niederlande, nach Deutschland, England, Südafrika und in die Schweiz. Die Flucht war gefährlich – besonders für eine allein reisende Frau. Anne-Marguerite schnitt sich deshalb die Haare, verkleidete sich als Knabe und vertraute ihr Schicksal einem Schlepper an. Dieser nahm ihr fast den gesamten Besitz ab, sogar ihr Pferd verkaufte er unterwegs. Besonders brenzlig wurde es, als ein Dorfrichter in Anne-Marguerite einen hugenottischen Jüngling zu erkennen glaubte und erst von ihr abliess, als sie ihm versicherte, sie sei genauso sicher katholisch, wie sie ein Knabe sei. Ob das im Detail stimmt oder einfach gut erzählt ist, bleibt bis heute offen.

Anne-Marguerite wurde später eine Art Klatschreporterin und wusste Texte unterhaltsam zu gestalten. Ihrer Schreibtätigkeit übrigens ist es zu verdanken, dass ihre Geschichte überhaupt aufgeschrieben wurde und damit erhalten blieb. Sicher ist, dass Anne-Marguerite Petit gut aufgenommen wurde, als sie 1686 in der Schweiz ankam. Die protestantischen Eliten sahen in den Flüchtenden Glaubensbrüder, die sie gerne unterstützten. Ausserdem war Mademoiselle Petit früh dran. Im Folgejahr schwoll der Strom deutlich an und am 30. August 1687 erreichten an einem einzigen Tag 8000 Personen Genf – das gerade mal 16'000 Einwohner zählte. Insgesamt durchquerten wohl etwa 60'000 Flüchtende die Schweiz – wobei sie die katholischen Gebiete sorgsam umgingen. Ungefährlich war ihre Reise trotzdem nicht. Am 5. September 1687 kenterten kurz vor Lyss zwei völlig überfüllte Weidlinge. 111 von 137 Passagieren starben.

Die meisten Flüchtenden verliessen die Schweiz in Richtung Norden. Sie fanden ihre neue Heimat vor allem in Norddeutschland, einer Gegend, die infolge des Dreissigjährigen Krieges noch immer entvölkert war. Rund 20'000 Hugenotten blieben in der Schweiz. Anfänglich kam es zu Konflikten mit dem lokalen Gewerbe, langfristig war die Zuwanderung aber wirtschaftlich positiv. Die Hugenotten brachten neue Ideen und Produktionsweisen. Ihr vielzitierter Einfluss auf die Uhrmacherei wird gemäss neueren Forschungen indes gerne überschätzt.

Porträt von Anne-Marguerite Petit.
Wikimedia

Hinterglasgemälde mit Jean Calvin als Sujet. Es entstand um 1820.
Schweizerisches Nationalmuseum

Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

240 Mio. v. Chr.

Dinosaurier am Monte San Giorgio

WEITERLESEN

12'000 v. Chr.

Wollnashorn und Riesenhirsch

WEITERLESEN

4000 v. Chr.

Die Schweizer tauchen auf

WEITERLESEN

1500. v. Chr.

Stechen, schlagen, schneiden

WEITERLESEN
Bridon Mors de l’âge du bronze.

500 v. Chr.

Die Tapferen

WEITERLESEN

150 v. Chr.

Handel à la Celtes

WEITERLESEN
Bataille opposant les Romains et les Helvètes.

58 v. Chr.

Als Cäsar die Helvetier stoppte

WEITERLESEN
Sol romain en mosaïque.

20 n. Chr.

Dolce Vita in Zürich

WEITERLESEN

50 n. Chr.

Zuckerbrot und Peitsche

WEITERLESEN

70 n. Chr.

Der Aufstieg eines Provinznests

WEITERLESEN

246 n. Chr.

Mord und Totschlag in der Wellnessoase

WEITERLESEN

275 n. Chr.

Römische Sandale

WEITERLESEN

295 n. Chr.

Römische Mauer

WEITERLESEN

303 n. Chr.

Der heilige Mauritius

WEITERLESEN

401 n. Chr.

Die Heilige Verena

WEITERLESEN

522 n. Chr.

Intrigen um Genf

WEITERLESEN

591 n. Chr.

Verfluchtes Tuggen

WEITERLESEN

753 n. Chr.

Weihnachten in Romainmôtier

WEITERLESEN

774 n. Chr.

Karl im Schneesturm

WEITERLESEN

819 n. Chr.

Haitos Plan

WEITERLESEN

917 n. Chr.

Reiter der Apokalypse in Basel

WEITERLESEN

962 n. Chr.

Zwei starke Frauen im Mittelalter

WEITERLESEN

999 n. Chr.

Ein Geschenk mit Folgen...

WEITERLESEN

1030 n. Chr.

Radbot und die Habichtsburg

WEITERLESEN

1157 n. Chr.

Herzog ohne Herzogtum

WEITERLESEN

1211 n. Chr.

Mutige Walliser und schlaue Berner

WEITERLESEN

1240 n. Chr.

Die verschwundene Stadt

WEITERLESEN

1315n. Chr.

Der Hinterhalt am Morgarten

WEITERLESEN

1319 n. Chr.

Die Festung am See

WEITERLESEN

1308 n. Chr.

Agnes von Ungarn

WEITERLESEN

1347 n. Chr.

Die Pest

WEITERLESEN

1356 n. Chr.

Das grosse Beben

WEITERLESEN

1415 n. Chr.

Gemeinsam ins Feld gezogen

WEITERLESEN

1473 n. Chr.

Streit am Bodensee

WEITERLESEN

1506 n. Chr.

Stürmische Mannen

WEITERLESEN

1516 n. Chr.

Erasmus von Rotterdam

WEITERLESEN

1524 n. Chr.

Des Pfarrers Hochzeit

WEITERLESEN

1527 n. Chr.

Ein Mann voller Fragezeichen

WEITERLESEN

1536 n. Chr.

Expansion nach Westen

WEITERLESEN

1540 n. Chr.

Die Hitze

WEITERLESEN

1618 n. Chr.

Europäisches Patt

WEITERLESEN

1687 n. Chr.

Die Hugenotten

WEITERLESEN

1697 n. Chr.

Die Kartoffel

WEITERLESEN

1731 n. Chr.

Die letzte Freiburger Hexe

WEITERLESEN

1748 n. Chr.

e wie Euler

WEITERLESEN

1765 n. Chr.

Rousseaus Insel

WEITERLESEN

1798 n. Chr.

Innerer Widerstand

WEITERLESEN

1800 n. Chr.

Frédéric-César de La Harpe

WEITERLESEN

1804 n. Chr.

Tell

WEITERLESEN

1806 n. Chr.

Verschüttet in Goldau

WEITERLESEN

1814 n. Chr.

Barry, der Bernhardiner

WEITERLESEN

1815 n. Chr.

Neustart in Wien

WEITERLESEN

1816 n. Chr.

Frankensteins Sommer

WEITERLESEN

1832 n. Chr.

Der Maschinensturm von Uster

WEITERLESEN

1839 n. Chr.

Kahlschlag in Peccia

WEITERLESEN

1847 n. Chr.

Der Sonderbund

WEITERLESEN

1850 n. Chr.

Schweizer Franken

WEITERLESEN

1851 n. Chr.

Amerika

WEITERLESEN

1853 n. Chr.

Züge für Zürich

WEITERLESEN

1865 n. Chr.

Absturz am Horn

WEITERLESEN

1871 n. Chr.

Bourbaki

WEITERLESEN

1872 n. Chr.

Anarchisten im Jura

WEITERLESEN

1879 n. Chr.

Die süsse Seite der Schweiz

WEITERLESEN

1880 n. Chr.

Durchbruch am Gotthard

WEITERLESEN

1881 n. Chr.

Johanna Spyris Heidi

WEITERLESEN

1885 n. Chr.

Künstler in der Sonnenstube

WEITERLESEN

1893 n. Chr.

Schächtverbot

WEITERLESEN

1898 n. Chr.

Generisches Maskulinum

WEITERLESEN

1905 n. Chr.

Einsteins Wunderjahr

WEITERLESEN

1915 n. Chr.

Rote Reden in Zimmerwald

WEITERLESEN

1916 n. Chr.

Dada

WEITERLESEN

1918 n. Chr.

Fiebriger November

WEITERLESEN

1925 n. Chr.

Der rollende Laden

WEITERLESEN

1934 n. Chr.

Aufwärts in Davos

WEITERLESEN

1935 n. Chr.

Über Geld spricht man nicht

WEITERLESEN

1938 n. Chr.

Rumantsch

WEITERLESEN

1939 n. Chr.

Von der Skipiste in den Orient

WEITERLESEN

1941 n. Chr.

Maurice Bavaud

WEITERLESEN

1943 n. Chr.

Farbige Basler Welt

WEITERLESEN

1956 n. Chr.

Betty Bossi

WEITERLESEN

1957 n. Chr.

Mister Univers

WEITERLESEN

1958 n. Chr.

Eine Frau geht ihren Weg

WEITERLESEN

1961 n. Chr.

Töffli

WEITERLESEN

1962 n. Chr.

Ursi und der Bikini

WEITERLESEN

1966 n. Chr.

Mani Matter

WEITERLESEN

1967 n. Chr.

Picasso: Ja oder Nein?

WEITERLESEN

1972 n. Chr.

Smoke on the Water

WEITERLESEN

1981 n. Chr.

Sommerzeit

WEITERLESEN

1983 n. Chr.

Swatch

WEITERLESEN

1990 n. Chr.

World Wide Web

WEITERLESEN

1991 n. Chr.

Endlich!

WEITERLESEN
Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

Kategorien

Sharing is caring
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email

Ihr Kommentar





Ein Kommentar

Sandra sagt:

Spannend und gut zusammengefasst . Aber etwas mehr hätten wir trotzdem doch noch gern zu den Hugenotten und deren Flucht in die Schweiz gewusst . Danke trotzdem für die Arbeit und liebe Grüsse .