Von Ostermundigen nach Hollywood: Ursi Andress am Flughafen Cointrin, 1966.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Ursi und der Bikini

Mit ihrem Auftritt in einem James-Bond-Film veränderte Ursi Andress die Meinung zum Bikini. Zuvor hatte diese Badebekleidung einen eher zwielichtigen Ruf.

Benedikt Meyer

Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

Die junge Frau stieg aus der Brandung der Karibik. Sie war blond, sie war schön und sie trug nichts weiter als ein Messer und einen Bikini. Die Experten streiten bis heute, welches von beiden gefährlicher war.

Ursula Andress stammte aus dem bernischen Ostermundigen, ihre Eltern hatten eine Gärtnerei und Ursula ging mit 16 Jahren nach Paris und später nach Rom. Dort traf sie Marlon Brando, der sie nach Hollywood mitnahm. Und irgendwie erhielt sie dort die Rolle in «James Bond jagt Dr. No». Das war eine Überraschung, denn abgesehen von ihrem Aussehen und der amüsanten Doppeldeutigkeit ihres Namens, war Miss «Undress» alles andere als perfekt. Ihre Haut war so blass, dass sie künstlich gebräunt werden musste und ihr Schweizer Akzent so schlimm, dass man sie synchronisiert hat.

Die Schauspielerin litt bei ihrem Auftritt. Was aussah wie feiner weisser Sand, waren zerbröselte Korallen und das Gehen darauf fühlte sich an, wie ein Spaziergang über einen Haufen Legos. Doch die später zu «Ursi National» verklärte Andress definierte mit ihrem Auftritt die Rolle des Bond-Girls überhaupt. Und die Szene, in dem sie aus den Wellen stieg, wurde zu einem magischen Moment der Filmgeschichte – auf einer Stufe mit Anita Ekbergs Bad im Trevi-Brunnen oder Darth Vaders «Ich bin dein Vater» in «Star Wars». Die Liste der filmischen Anspielungen und Zitate ist endlos und die Szene landet in Abstimmungen über den erotischsten Moment der Filmgeschichte regelmässig auf Platz eins.

Diese Filmszene wurde für die Ewigkeit gedreht: Ursi Andress in «James Bond jagt Dr. No».
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Vor der Strandszene von Ursi Andress in James Bond hatten Bikinis wie dieses hier aus den 1950er-Jahren einen zwielichtigen Ruf.
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Auch die Schweizer Schauspielerin profitierte von ihrem Auftritt als Bondgirl. Sie drehte danach mit diversen Stars wie Elvis Presley, Jean-Paul Belmondo oder Marcello Mastroianni.
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Das liegt zum einen an Andress – und zum andern am Bikini. Der war 1962 zwar nicht mehr ganz neu, hatte aber immer noch einen eher zwielichtigen Ruf und wurde deshalb nicht oft getragen. Das änderte sich mit Andress’ Auftritt. Der Bikini verkaufte sich und die Frau aus Ostermundigen wurde zum internationalen Star, der nicht nur weitere Filme mit Sean Connery drehte, sondern auch solche mit Elvis Presley und weiteren Stars.

Ursula Andress’ Bikini-Szene schrieb Film- und Mode-Geschichte, dokumentierte aber auch einen Wandel von den moralinsauren 1950ern hin zu den liberaleren 1960er-Jahren, die mit einem positiveren Körperbild und unverkrampfterer Sexualität einhergingen. Ausserdem hätte Mani Matter den «Dialog im Strandbad» ohne Ursis Auftritt vielleicht nie geschrieben.

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