Soulsängerin Aretha Franklin am Montreux Jazz Festival, 1971.
Schweizerisches Nationalmuseum / ASL

Smoke on the Water

Dank Claude Nobs, einem Grossbrand und einer Hardrockband wurde Montreux zum Fixpunkt auf der musikalischen Landkarte.

Benedikt Meyer

Benedikt Meyer

Benedikt Meyer ist Historiker und Autor. Er schreibt u.a. für "Transhelvetica".

Wuchtige Riffs, steile Soundwände, komplexes Geklimper: Frank Zappa und die «Mothers of Invention» spielten im Casino von Montreux. Plötzlich gab ein Fan einen Schuss aus einer Leuchtpistole ab. Die Decke fing Feuer und Claude Nobs, «Monsieur Montreux», der Gründer des Jazz-Festivals, beeilte sich, die Leute sicher zu den Ausgängen zu führen. Glücklicherweise kam niemand zu schaden, aber das Feuer entwickelte sich überraschend schnell und das komplette Equipment der «Mothers» wurde zerstört. Auch das Casino brannte völlig nieder.

Die Geschichte wäre eine Anekdote in Zappas bunter Biografie geblieben, hätten nicht die Musiker von «Deep Purple» das Feuer von ihrem Hotel aus beobachtet. «Deep Purple» hatten im Casino die Aufnahmen für ihr nächstes Album machen wollen. Nun sahen sie Rauch auf dem Wasser und Feuer am Himmel; «Smoke on the Water, Fire in the Sky». Zunächst kamen sie in einem anderen Gebäude unter, doch die Nachbarn fühlten sich gestört. Nach einer Woche fanden sie ein altes Hotel, quartierten sich ein, mieteten von den Rolling Stones die nötigen Geräte und nahmen ihr Album «Machine Head» auf, das 1972 auf den Markt kam. Auf diesem findet sich auch der Song «Smoke on the Water», ein Song mit einfachem, aber extrem eingängigem Intro, der bald zum Welterfolg, zum Inbegriff der Rockmusik wurde und Montreux ein weiteres musikhistorisches Denkmal setzte. Dem berühmten Intro folgte die Zeile «We all came out to Montreux …»

Deep Purple spielen «Smoke on the Water» am Jazzfestival Montreux, 2006.
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Der kleine Ort am Lac Léman avancierte zum Musikmekka. Gründe dafür waren vor allem die Ruhe, die Landschaft, die Patina der Belle-Epoque und Nobs’ Gastgeberqualitäten. Das Jazzfestival wurde zum internationalen Geheimtipp. Musikgrössen von Led Zeppelin bis Leonard Cohen, von Keith Jarrett bis Miles Davis, von Ella Fitzgerald bis Aretha Franklin, von BB King bis ZZ Top spielten auf. Queen richteten ein eigenes Studio ein, in welchem bei einer Jam-Session mit David Bowie auch der Song «Under Pressure» entstand. Auch ihr allerletztes Album spielten die britischen Glam-Rocker in Montreux ein. «Made in Heaven» erschien vier Jahre nach Freddy Mercurys Tod. Auf dem Cover prangt die drei Meter grosse Statue des Sängers am Genfersee. Montreux wurde zum Fixpunkt auf der musikalischen Landkarte. Nicht nur, aber auch weil 1971 das Casino in Flammen stand.

Claude Nobs und Jean-Paul Marquis beim Brand des Casinos, 1971.
Alain Bettex

Claude Nobs (Mitte) posiert mit der Band Queen, 1981.
Claude Nobs Archives

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