Der Totensee am Grimsel. Hier soll das zähringische Heer von den Wallisern vernichtet worden sein.
Foto: Keystone

Mutige Walliser und schlaue Berner

Die Zeitreise durch die Schweizer Geschichte geht weiter. Diesmal sind schlagkräftige Walliser und clevere Berner das Thema. Der Zwischenstopp findet im Mittelalter statt.

Wie sein Vater Berchtold IV. war auch Herzog Berchtold V. von Zähringen bestrebt, seine Herrschaft im Gebiet der heutigen Schweiz auszudehnen. Im Osten brachte er Schaffhausen unter seine Kontrolle und auch in Zürich war Berchtold der Vertreter des Königs. Hier, wo vermutlich schon sein Vater die Pfalz auf dem Lindenhof zu einer Burg ausbauen liess, initiierte er den Bau einer grossen Befestigungsanlage. Und mit der Gründung Berns errichtete Berchtold 1191 eine Stadt im Zentrum seines Machtbereichs.

Berchtold hatte aber auch mit Konkurrenz zu kämpfen. Schon sein Vater hatte es nicht geschafft, den Einfluss der Familie über das Bistum Sitten und das Wallis durchzusetzen. Hier stellten sich den Zähringern die Grafen von Savoyen entgegen. Zweimal war Berchtold senior ins Wallis gezogen und gescheitert, 1211 versuchte Berchtold junior sein Glück. Mit 13’000 Mann zog er über den Grimselpass ins Oberwallis.

Oberwald und Obergesteln gingen in Flammen auf, das nächste Dorf war Ulrichen und dort erwarteten die Walliser unter der Führung Bischof Landrichs das zähringische Heer. Die Kämpfer aus dem Wallis, die damals unter dem Einfluss von Savoyen standen, entschieden die Schlacht für sich und die Reste der herzöglichen Truppen mussten sich in Richtung Grimsel zurückziehen. Die Männer des Bischofs setzten ihnen nach und stellten sie auf der Passhöhe erneut. Dort gibt es einen kleinen See, in den die Truppen Berchtolds angeblich getrieben wurden. Er soll sich rot verfärbt haben und erhielt den Namen Totensee. So wenigstens erzählen es die Walliser bis heute.

Werbekarte für ein Nahrungsmittelgeschäft. Sujet: Berchtold V. von Zähringen. Die Karte wurde anfangs des 20. Jahrhunderts produziert.
Schweizerisches Nationalmuseum

Das Ende der Zähringer kam sechs Jahre später mit dem Tod Berchtolds. Da er nur Töchter hinterliess, gab es niemanden, der sein Erbe antreten konnte. Seine Schwiegersöhne, die Grafen von Urach und Kyburg sicherten sich einen Teil der Herrschaft. Aber auch andere Geschlechter wie die Habsburger erhielten mit dem Aussterben der Zähringer mehr Einfluss.

Eigenartiges geschah nach Berchtolds Tod in Bern. Der Ort wurde zur freien Stadt, selbstverwaltet von den mächtigsten Familien. Und diese zerstörten die Burg Nydegg, ganz unten in der Aareschlaufe. Damit wollten sie verhindern, dass ein anderer Graf oder Herzog sie besetzen und sich zum Herrscher über Bern ausrufen könne. Und wie verhinderten sie, dass jemand eine neue Burg baute? Sie errichteten auf dem Burghügel die Nydeggkirche. Das war ziemlich schlau, denn wer eine Kirche abbricht, kommt bekanntlich direkt in die Hölle.

Druckgrafik von Bern aus dem 19. Jahrhundert. Im Vordergrund die Nydeggkirche.
Schweizerisches Nationalmuseum

Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

Benedikt Meyer
Historiker Benedikt Meyer ist auf historische Reportagen spezialisiert. Er schreibt unter anderem für das Reisemagazin Transhelvetica.

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