Druckgrafik der Schlacht bei Rheinfelden im Februar 1638. Entstanden ist das Werk um 1670 wohl in Frankfurt am Main.
Schweizerisches Nationalmuseum

Europäisches Patt

Die Eidgenossenschaft, konfessionell gespalten, mischte sich nur am Rand in den Dreissigjährigen Krieg ein. Trotzdem war sie am Ende stark davon betroffen. Das Land schied am Ende aus dem Heiligen Römischen Reich aus und wurde ein unabhängiger Staat.

Man nehme eine Europakarte, Farbstifte sowie ein Kleinkind und lasse das Ganze zehn Minuten allein. Schon erhält man eine detaillierte Darstellung des Dreissigjährigen Krieges.

Alles begann damit, dass ein paar katholische Gesandte 1618 in Prag aus einem Fenster geworfen wurden. Zwar wurden sie von einem Miststock (protestantische Quellen) oder von Engeln (katholische Quellen) aufgefangen, dennoch entwickelte sich aus dem Vorfall eine blutige Kettenreaktion. Ein Gerangel um religiöse Prinzipien – und um politische Macht. Letzteres führte beispielsweise dazu, dass das katholische Frankreich sich mit dem protestantischen Schweden verbündete, um gegen die katholischen Habsburger zu kämpfen. Und es führte zu bewegten Biografien wie jener von Jörg Jenatsch.

Jenatsch war reformierter Pfarrer im Veltlin, einem katholisch dominierten Untertanengebiet der reformierten Bündner. Die Veltliner erhoben sich gegen die Bündner. Daraufhin griff Pfarrer Jenatsch zum Schwert, verbündete sich mit Frankreich und eroberte das Gebiet zurück. Da die Franzosen die Talschaft aber nicht an die Bündner übergaben, konvertierte er zum Katholizismus und führte eine weitere Revolte an, mit der die Veltliner die Franzosen aus dem Tal warfen. Kurz darauf wurde Jenatsch unter ungeklärten Umständen an der Churer Fasnacht ermordet.

Reproduktion eines Bildes von Jörg Jenatsch. Hergestellt zwischen 1890 und 1936.
Schweizerisches Nationalmuseum

Die «Bündner Wirren» waren der grösste Schweizer Anteil am Dreissigjährigen Krieg. Zudem liessen sich viele Männer als Söldner rekrutieren und im Norden des Landes verübten Schweden und Franzosen wiederholt Überfälle. Wirklich aktiv beteiligte sich die Eidgenossenschaft aber nicht am Krieg und das aus einem einfachen Grund: man konnte sich nicht entscheiden, auf welche Seite man sich schlagen sollte. Die katholischen Kantone wollten dieses, die protestantischen jenes und beides hätte die Schweiz zerrissen. Doch nicht nur die Frage des inneren Zusammenhalts motivierte zur Neutralität, sondern auch das Geld. Getreide, Vieh, Geräte: alles konnte zu exzellenten Preisen exportiert werden.

Der Dreissigjährige Krieg wütete insbesondere im Gebiet des «Heiligen Römischen Reichs», einem Gebilde, welches das heutige Deutschland, Österreich, die Schweiz, die Niederlande sowie Teile Italiens, Sloweniens, Tschechiens und Polens umfasste. Als 1648 der «Westfälische Friede» geschlossen wurde, war die Bevölkerung im heutigen Süddeutschland um einen Drittel geschrumpft. Mit den Friedensverträgen akzeptierten die europäischen Mächte das Patt zwischen den protestantischen und den katholischen Kräften.

Der Basler Bürgermeister Johann Rudolf Wettstein nahm auf eigene Initiative an den Verhandlungen teil – und er erreichte eine wichtige Veränderung: Die Eidgenossenschaft wurde aus dem Heiligen Römischen Reich herausgelöst und als unabhängiges Land anerkannt.

Herrenporträt von Johann Rudolf Wettstein. Anonym, 1750 - 1800.
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Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

Benedikt Meyer
Historiker Benedikt Meyer ist auf historische Reportagen spezialisiert. Er schreibt unter anderem für das Reisemagazin Transhelvetica.

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