Adrian Frutigers Schrift «Univers» begeisterte die Fachwelt.
Wikimedia

Mister Univers

Seine Schriften haben die Welt verändert. Trotzdem ist Adrian Frutiger nur in Fachkreisen bekannt. Die Geschichte eines stillen Genies.

Paris, 1957: Ein letztes Mal beugte sich Adrian Frutiger über seine Skizzen. Monatelang hatte er Schatten und Weissräume balanciert, an Linien gefeilt, Strichstärken variiert und Serifen angedeutet. Jetzt passte alles: «Univers» ging in Produktion. Für den jungen Schriftenmacher aus Unterseen bei Interlaken war es die Erfüllung eines Traums – und der Anfang einer grossen Karriere.

Auf den ersten Blick sah Univers aus, wie eine Schrift aus Zirkel und Lineal. Aber da war beispielsweise das kleine n. Der Bogen schoss leicht über die x-Höhe hinaus, neigte sich marginal nach rechts und die Strichstärke war zur Linken minim feiner gezogen – wie bei einer Handschrift. Frutiger hatte nichts berechnet, sein Vorgehen war intuitiv und überlegt. Viele Details sah man erst in x-Facher Vergrösserung. Das a hatte ein klitzekleines Füsschen, das o war kein Kreis, das s verjüngte sich minimal gegen oben und manche Geraden waren eigentlich keine. Das alles machte Univers leicht und neutral, aber nicht steril.

Adrian Frutiger bei der Arbeit, Bremgarten 1999.
Keystone

Es war eine stille Revolution: Univers wirkte modern und zeitlos. Und sie wurde zur Freude von Grafikern und Werbern als erste Schrift in diversen Variationen und Strichstärken produziert. Das war der eine Grund für ihren Erfolg. Der andere war, dass man mit ihr nichts falsch machen konnte: Univers war das kleine Schwarze der Typografie. Die Liste der Firmenlogos und Einsatzbereiche ist endlos, und das obwohl Univers so unspektakulär war, dass sie beinahe verschwand. «Wenn ich eine Suppe esse und mich hinterher an den Löffel erinnere», meinte Frutiger, «dann hatte er die falsche Form.»

Dass ein Jahr später «Helvetica» auf den Markt kam und Univers noch überflügelte, hat Frutiger nie gestört (wer die beiden G vergleicht, fragt sich allerdings, wie es Helvetica so weit gebracht hat). Die beiden Schweizer Kreationen verbreiteten sich rasant und setzten einen neuen Standard für die Schrift. Heute sind Univers, Helvetica und ihre billigen Kopien überall anzutreffen, weltweit und jederzeit.

Adrian Frutiger arbeitete weiter an seinen Zeichen und entwarf Schriften wie Egyptienne, Frutiger oder Avenir. Sein zweiter grosser Wurf aber war OCR-B, die sich beispielsweise auf Einzahlungsscheinen findet und von Maschinen am besten gelesen werden kann. Quasi Univers 2.0.

Einige von Adrian Frutiger entworfene Schriften.
Wikimedia

Die 100-teilige Serie im Zeitstrahl

240 Mio. v. Chr.

Dinosaurier am Monte San Giorgio

WEITERLESEN

12'000 v. Chr.

Wollnashorn und Riesenhirsch

WEITERLESEN

4000 v. Chr.

Die Schweizer tauchen auf

WEITERLESEN

1500. v. Chr.

Stechen, schlagen, schneiden

WEITERLESEN
Bridon Mors de l’âge du bronze.

500 v. Chr.

Die Tapferen

WEITERLESEN

150 v. Chr.

Handel à la Celtes

WEITERLESEN
Bataille opposant les Romains et les Helvètes.

58 v. Chr.

Als Cäsar die Helvetier stoppte

WEITERLESEN
Sol romain en mosaïque.

20 n. Chr.

Dolce Vita in Zürich

WEITERLESEN

50 n. Chr.

Zuckerbrot und Peitsche

WEITERLESEN

70 n. Chr.

Der Aufstieg eines Provinznests

WEITERLESEN

246 n. Chr.

Mord und Totschlag in der Wellnessoase

WEITERLESEN

275 n. Chr.

Römische Sandale

WEITERLESEN

295 n. Chr.

Römische Mauer

WEITERLESEN

303 n. Chr.

Der heilige Mauritius

WEITERLESEN

401 n. Chr.

Die Heilige Verena

WEITERLESEN

522 n. Chr.

Intrigen um Genf

WEITERLESEN

591 n. Chr.

Verfluchtes Tuggen

WEITERLESEN

753 n. Chr.

Weihnachten in Romainmôtier

WEITERLESEN

774 n. Chr.

Karl im Schneesturm

WEITERLESEN

819 n. Chr.

Haitos Plan

WEITERLESEN

917 n. Chr.

Reiter der Apokalypse in Basel

WEITERLESEN

962 n. Chr.

Zwei starke Frauen im Mittelalter

WEITERLESEN

999 n. Chr.

Ein Geschenk mit Folgen...

WEITERLESEN

1030 n. Chr.

Radbot und die Habichtsburg

WEITERLESEN

1157 n. Chr.

Herzog ohne Herzogtum

WEITERLESEN

1211 n. Chr.

Mutige Walliser und schlaue Berner

WEITERLESEN

1240 n. Chr.

Die verschwundene Stadt

WEITERLESEN

1315n. Chr.

Der Hinterhalt am Morgarten

WEITERLESEN

1319 n. Chr.

Die Festung am See

WEITERLESEN

1308 n. Chr.

Agnes von Ungarn

WEITERLESEN

1347 n. Chr.

Die Pest

WEITERLESEN

1356 n. Chr.

Das grosse Beben

WEITERLESEN

1415 n. Chr.

Gemeinsam ins Feld gezogen

WEITERLESEN

1473 n. Chr.

Streit am Bodensee

WEITERLESEN

1506 n. Chr.

Stürmische Mannen

WEITERLESEN

1516 n. Chr.

Erasmus von Rotterdam

WEITERLESEN

1524 n. Chr.

Des Pfarrers Hochzeit

WEITERLESEN

1527 n. Chr.

Ein Mann voller Fragezeichen

WEITERLESEN

1536 n. Chr.

Expansion nach Westen

WEITERLESEN

1540 n. Chr.

Die Hitze

WEITERLESEN

1618 n. Chr.

Europäisches Patt

WEITERLESEN

1687 n. Chr.

Die Hugenotten

WEITERLESEN

1697 n. Chr.

Die Kartoffel

WEITERLESEN

1731 n. Chr.

Die letzte Freiburger Hexe

WEITERLESEN

1748 n. Chr.

e wie Euler

WEITERLESEN

1765 n. Chr.

Rousseaus Insel

WEITERLESEN

1798 n. Chr.

Innerer Widerstand

WEITERLESEN

1800 n. Chr.

Frédéric-César de La Harpe

WEITERLESEN

1804 n. Chr.

Tell

WEITERLESEN

1806 n. Chr.

Verschüttet in Goldau

WEITERLESEN

1814 n. Chr.

Barry, der Bernhardiner

WEITERLESEN

1815 n. Chr.

Neustart in Wien

WEITERLESEN

1816 n. Chr.

Frankensteins Sommer

WEITERLESEN

1832 n. Chr.

Der Maschinensturm von Uster

WEITERLESEN

1839 n. Chr.

Kahlschlag in Peccia

WEITERLESEN

1847 n. Chr.

Der Sonderbund

WEITERLESEN

1850 n. Chr.

Schweizer Franken

WEITERLESEN

1851 n. Chr.

Amerika

WEITERLESEN

1853 n. Chr.

Züge für Zürich

WEITERLESEN

1865 n. Chr.

Absturz am Horn

WEITERLESEN

1871 n. Chr.

Bourbaki

WEITERLESEN

1872 n. Chr.

Anarchisten im Jura

WEITERLESEN

1879 n. Chr.

Die süsse Seite der Schweiz

WEITERLESEN

1880 n. Chr.

Durchbruch am Gotthard

WEITERLESEN

1881 n. Chr.

Johanna Spyris Heidi

WEITERLESEN

1885 n. Chr.

Künstler in der Sonnenstube

WEITERLESEN

1893 n. Chr.

Schächtverbot

WEITERLESEN

1898 n. Chr.

Generisches Maskulinum

WEITERLESEN

1905 n. Chr.

Einsteins Wunderjahr

WEITERLESEN

1915 n. Chr.

Rote Reden in Zimmerwald

WEITERLESEN

1916 n. Chr.

Dada

WEITERLESEN

1918 n. Chr.

Fiebriger November

WEITERLESEN

1925 n. Chr.

Der rollende Laden

WEITERLESEN

1934 n. Chr.

Aufwärts in Davos

WEITERLESEN

1935 n. Chr.

Über Geld spricht man nicht

WEITERLESEN

1938 n. Chr.

Rumantsch

WEITERLESEN

1939 n. Chr.

Von der Skipiste in den Orient

WEITERLESEN

1941 n. Chr.

Maurice Bavaud

WEITERLESEN

1943 n. Chr.

Farbige Basler Welt

WEITERLESEN

1956 n. Chr.

Betty Bossi

WEITERLESEN

1957 n. Chr.

Mister Univers

WEITERLESEN

1958 n. Chr.

Eine Frau geht ihren Weg

WEITERLESEN

1961 n. Chr.

Töffli

WEITERLESEN

1962 n. Chr.

Ursi und der Bikini

WEITERLESEN
Benedikt Meyer
Benedikt Meyer ist Historiker und Autor.

Kategorien

Sharing is caring
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on LinkedIn
Linkedin
Email this to someone
email

Ihr Kommentar





Ein Kommentar

Herzlichen Dank, dass sie dieses Schriftstecher-Genie hier gewürdigt haben.