«Die grosse Odaliske» trägt nichts ausser Schmuck, Turban und einen reich verzierten Fächer aus Pfauenfedern, wie ihn schon die Ägypter kannten. Orientalistisches Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres, 1814.
«Die grosse Odaliske» trägt nichts ausser Schmuck, Turban und einen reich verzierten Fächer aus Pfauenfedern, wie ihn schon die Ägypter kannten. Orientalistisches Gemälde von Jean-Auguste-Dominique Ingres, 1814. Musée du Louvre

Eine kleine Geschich­te des Fächers

Gebrauchsgegenstand und Accessoire, Kunstwerk und Statusobjekt: Der Funktionsreichtum des Fächers ist ebenso «breitgefächert» wie seine weit in die Vergangenheit zurückreichende Entwicklungsgeschichte.

Murielle Schlup

Murielle Schlup

Freischaffende Kunsthistorikerin und Kulturwissenschaftlerin

Die ältesten Darstellungen von Fächern zeigen grosse, langstielige Wedel aus Palm- oder Lotusblättern sowie Gebinde aus Stroh, Tierhaaren oder Federn, insbesondere Pfauen- und Straussenfedern, mit denen Diener und Sklaven in warmen Ländern – von Ägypten bis Griechenland, von China bis Indien – ihre Herrschaft vor Überhitzung und lästigen Insekten schützten. Der Fächer war schon immer mehr als ein rein funktionales Instrument zur Kühlung bei schwülem Klima. Die frühen Hochkulturen kannten den Fächer auch als Gegenstand zeremonieller Handlungen sowie als Hoheitssymbol von Machthabern und Würdenträgern. Zudem waren einfachste Handfächer auch in der Bevölkerung verbreitet. Sie wurden beispielsweise zum Kühlen heisser Speisen oder zum Anfeuern benutzt.
Männlicher Diener, der mit einem Handfächer eine Speise kühlt oder ein Feuer anfacht. Bemaltes Holz, Ägypten, zwischen 2200 und 1800 v. Chr.
Männlicher Diener, der mit einem Handfächer eine Speise kühlt oder ein Feuer anfacht. Bemaltes Holz, Ägypten, zwischen 2200 und 1800 v. Chr. © The Trustees of the British Museum

Die Entwick­lung der Fächer­pro­duk­ti­on in Europa

Handfächer aus dem Orient, insbesondere Rad-, Fahnen- und Federfächer, kamen erstmals durch die Kreuzfahrer im 12. Jahrhundert über Venedig nach Europa und verbreiteten sich zunächst vor allem in Oberitalien, wo sich im Laufe der Zeit die erste selbstständige Fächerproduktion Europas entwickelte. In zahlreichen repräsentativen Damenporträts tauchen im Laufe der Zeit Handfächer auf, wo sie als weibliche Statussymbole, ja quasi als feminine «Hoheitszepter» fungierten. So ist etwa Katharina de Medicis (1519–1589) Faible für Fächer in mehreren Porträts bezeugt.
Katharina de Medici mit einem kleinen Federfächer. Miniatur von François Clouet, Frankreich, ca. um 1555.
Katharina de Medici mit einem kleinen Federfächer. Miniatur von François Clouet, Frankreich, ca. um 1555. Victoria and Albert Museum
Durch ihre Heirat mit dem Herzog von Orléans (1519–1559), dem späteren König Henrich II. von Frankreich, führte sie den Fächer am französischen Hof ein, wo er sich als unverzichtbares Modeaccessoire der aristokratischen Damenwelt etablierte und von wo aus er sich bald auch an anderen europäischen Höfen verbreitete. Der Fächer unterstrich Eleganz und Stilbewusstsein der Trägerin und stand für eine verfeinerte Lebensart der gehobenen Gesellschaftsschicht. Gleichzeitig liessen sich hinter dem Fächer Gefühlsregungen ebenso verbergen wie ein Kropf, ein Geschwür oder schlechte Zähne. Im Verlaufe des 16. Jahrhunderts erhielten die bisher verbreiteten Fächer Konkurrenz, die den Markt schon bald dominierte: Portugiesische Händler brachten den Faltfächer aus Ostasien mit nach Europa. Die bereits bestehende lebhafte Nachfrage nach Fächern stieg insbesondere am französischen Hof nochmals erheblich und kurbelte zugleich die Einwanderung vieler Fächerhersteller aus Oberitalien nach Frankreich an. Französische Kunsthandwerker gingen bei diesen in die Lehre. Eine wachsende Anzahl «Eventaillistes», wie die Fächerhersteller in Frankreich hiessen, etablierten eine eigene, selbstständige Berufsgattung. Die wachsende nationale Produktion liess Ludwig XIV. (1638–1715) durch das Zurückdrängen italienischer Importe schützen.
«Der Triumph Alexanders des Grossen» auf einem italienischen Fächer, der zwischen 1690 und 1700 für den französischen Hof produziert worden ist. Die Szene ist einer Serie von fünf Gemälden entnommen, die Charles Le Brun zwischen 1661 und 1668 im Auftrag von Ludwig XIV. malte.
«Der Triumph Alexanders des Grossen» auf einem italienischen Fächer, der zwischen 1690 und 1700 für den französischen Hof produziert worden ist. Die Szene ist einer Serie von fünf Gemälden entnommen, die Charles Le Brun zwischen 1661 und 1668 im Auftrag von Ludwig XIV. malte. Victoria & Albert Museum
Spätestens bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, der Blütezeit des Fächers in Europa, war Frankreich zum Hauptzentrum der westlichen Fächerproduktion aufgestiegen. In England förderte die Einwanderung von Hugenotten nach dem Edikt von Nantes (1685) die stark und schnell wachsende Eigenproduktion auf der Insel mit Zentrum London.

Der Faltfä­cher – ein portables Kunstwerk

Der Faltfächer, der vermutlich eine Erfindung aus Japan ist, blieb bis heute die bekannteste und am weitesten verbreitete Fächerform. Nicht nur, weil er besonders raffiniert und handlich ist, sondern auch, da seine Konstruktion zahlreiche Variationen in Material und Gestaltung ermöglichte. Vor allem aber bot sein sich weit öffnendes Fächerblatt eine Plattform für virtuose portable Kunstwerke. Die Fantasie und Detailverliebtheit, mit der jeder Fächermacher den anderen zu übertrumpfen suchte, kannte dabei kaum Grenzen. Die Stäbe und die beiden Deckblätter des Gestells waren bei kostbaren Ausführungen oft aus Elfenbein, Perlmutter, Schildpatt, Edelholz und Edelmetallen gefertigt. Ausgeschmückt wurden sie mit aufwendigen Schnitzereien und Durchbrucharbeiten sowie Applikationen aus Strass und Edelsteinen.
Rokokofächer aus Seide, bestickt mit Pailletten, die Stäbe aus Perlmutter mit Motivapplikationen in Silber und Bronze, Frankreich, ca. um 1770. Das Bildthema des Fächers ist die Liebe. Solche Fächer waren beliebte Hochzeitsgeschenke.
Rokokofächer aus Seide, bestickt mit Pailletten, die Stäbe aus Perlmutter mit Motivapplikationen in Silber und Bronze, Frankreich, ca. um 1770. Das Bildthema des Fächers ist die Liebe. Solche Fächer waren beliebte Hochzeitsgeschenke. Victoria & Albert Museum
Das in offenem Zustand halbkreisförmige Fächerblatt aus Seide, Papier, Vellum (hauchdünnem Pergament) und Schwanenhaut (feinem Leder, etwa von Lämmern) wurde mit Seiden- und Silberfaden, Perlen, Pailletten, Spitzen und Malereien dekoriert. Letztere waren meist in Zentrum und zeigten gerne Szenen aus der altgriechischen Mythologie und der Bibel sowie Chinoiserien, später kamen Schäfer-, Genre- und Hafenszenen dazu, politische oder gesellschaftliche Aktualitäten sowie Kopien und Variationen bekannter Gemälde. Als Mitbringsel von Bildungsreisen wurden Fächer in Auftrag gegeben, die historische Städte und berühmte Bauwerke wie den Petersdom und das Kolosseum abbildeten.
Souvenirfächer mit drei kolorierten Ansichten Roms: links das Forum Romanum, in der Mitte das Kapitol und rechts das Kolosseum. Während das Fächerblatt aus Schwanenhaut zwischen 1775 bis 1795 in Italien gefertigt worden ist, stammen die Elfenbeinstäbe mit Metalldekorationen aus Frankreich.
Souvenirfächer mit drei kolorierten Ansichten Roms: links das Forum Romanum, in der Mitte das Kapitol und rechts das Kolosseum. Während das Fächerblatt aus Schwanenhaut zwischen 1775 bis 1795 in Italien gefertigt worden ist, stammen die Elfenbeinstäbe mit Metalldekorationen aus Frankreich. The British Museum
Auf einigen Fächer wurden kurze Gedichte, Charaden, Konversationsspiele oder Rebusrätsel integriert, mit denen sich die Damen bei Langeweile beschäftigen konnten. Im späteren 18. Jahrhundert kamen auch Ereignisse wie der Ausbruch des Vesuvs oder die Französische Revolution zur Darstellung.
Fächer mit Bezug zur Französischen Revolution, um 1793.
Fächer mit Bezug zur Französischen Revolution. Im Hintergrund ist die Stadtmauer von Koblenz abgebildet, wohin die französischen Aristokraten flüchteten. Im Vordergrund unterhalten sich der preussische König und der Kaiser von Österreich mit einem französischen Exilanten, der Jo-Jo spielt, ein damals populärer Zeitvertreib der wohlhabenden Schichten. Musée des arts décoratifs.
Vermehrt gerieten nun auch Werbefächer im Umlauf, die Ereignisse, Produkte und Unternehmen anpriesen. Sie waren günstig hergestellte Massenartikel wie jene Fächer, die als weiterreichbare «Berichterstatter» im Sinne eines Flugblattes tagespolitische Ereignisse festhielten und verbreiteten. Von diesen gab es am Vorabend der Französischen Revolution zur Genüge. Zu jener Zeit betrat das aufstrebende Bürgertum die Bühne, dessen Frauen sich die kostbaren Fächer nun ebenfalls leisten konnten. Sie zeigten sich mit diesen neu für sich eroberten Accessoires selbstbewusst in der Öffentlichkeit. Zugleich kamen einfachere Ausführungen auf den Markt, die zu Attributen der bürgerlichen Frauenkleidung wurden. Der Fächer war fortan kein «Privileg» des Adels mehr und verlor daher zunehmend an Strahlkraft. Nach der Französischen Revolution ging zudem die Nachfrage nach Statussymbolen des Ancien Régime, zu denen auch der Fächer gehörte, stark zurück. Beschleunigt wurde diese Entwicklung auch durch die neu aufkommende, viel leichtere Damenmode, die weniger Erfrischung verlangte als jene des Barock und Rokoko. Die Zeit, in der Fächer in stickigen Ballsälen drohende Ohnmachten von Korsett- und Perückenträgerinnen in schweren, mehrschichtigen Kleidern verhindern mussten, war definitiv vorbei.

Der Schweizer Fächer­ma­ler Johannes Sulzer

Der wohl bedeutendste Fächermacher der Schweiz war der Winterthurer Maler und Stecher Johannes Sulzer (1748–1794). Er entstammte einer Patrizierfamilie und soll sieben Jahre in Paris als Goldarbeiter tätig gewesen sein. Das Schweizerische Nationalmuseum besitzt rund ein Dutzend Fächer aus seiner Hand. Im Selbstverständnis eines Künstlers signierte Sulzer seine Werke mit «Peint & mont par J. Sulzer au Rossignol à Winterthur», was auf das 1949 abgebrochene Haus «Zur Nachtigall» (Stadthausstrasse 31, Winterthur) verweist.
Faltfächer von Johannes Sulzer, um ca. 1780 bis 1790, signiert. Das Fächerblatt zeigt auf der Vorderseite verschiedene Genreszenen.
Faltfächer von Johannes Sulzer, um ca. 1780 bis 1790, signiert. Das Fächerblatt zeigt auf der Vorderseite verschiedene Genreszenen. Schweizerisches Nationalmuseum
Sulzer war in erster Linie ein Maler, ein Kleinmeister. Aus den Fächerblättern schuf er Kunstwerke von beeindruckender Qualität und wiedererkennbaren Stils. Sie zeigen virtuose Genreszenen, die ländliche Bevölkerung bei der Arbeit, akribische Detailzeichnungen von Kostümen, Trachten, Accessoires, Werkzeugen, Blatt- und Blumenranken sowie Vögel und Käfer von naturwissenschaftlicher Genauigkeit. Seine Spezialität waren feinste scherenschnittartige Auslassungen im Papiergrund, die Vogelkäfige, Fangnetze, Körbe und Volieren darstellen und oft zusätzlich mit Pailletten und Seidenfäden dekoriert sind. Zudem versah er seine Fächer gerne mit einer feinen Schicht Silberstaub, so dass das Papier den Glanz von edler Seide imitierte.

Hilfsmit­tel der nonver­ba­len Kommunikation

Zu den Einsatzbereichen des Fächers gehörte auch die nonverbale Kommunikation. Der mit viel Symbolgehalt aufgeladene, weiblich konnotierte, körperbezogene und daher auch gewissermassen intime Fächer konnte beim gesellschaftlichen Auftritt und beim Flirt als Hilfsmittel der Selbstdarstellung und Koketterie seine Dienste erweisen. Körpersprache, Gestik und Mimik liessen sich mit dem Fächer akzentuieren, die Augen Dritter auf ein pralles Dekolleté lenken oder die Aufmerksamkeit eines Mannes durch das gezielte Fallenlassen des Fächers gewinnen. «Women are armed with Fans as Men with Swords, and sometimes do more Execution with them» («Frauen sind mit Fächern bewaffnet wie Männer mit Schwertern und führen manchmal mehr Hinrichtungen mit ihnen durch»), stellte Joseph Addison 1711 in The Spectator fest – dies zwar satirisch, aber auch nicht ganz zu Unrecht. Wie mit einem Schleier beim verführerischen Tanz liess sich mit dem Fächer das spannende Wechselspiel zwischen Verstecken und Hervorheben, Verhüllen und Zeigen inszenieren. Es liegt geradezu auf der Hand, dass der unbeholfen oder unbedacht eingesetzte Fächer zuweilen auch Auslöser für peinliche Missverständnisse sein konnte, zum Beispiel, wenn affektierte Wedeleien einer Angehimmelten von einem übereifrigen Verehrer als vermeintliche Liebeszeichen falsch gedeutet worden sind.

Von der legendä­ren «Fächer­spra­che»

Nicht aus dem Theater, sondern aus dem Reich der Legenden stammt die sogenannte «Fächersprache», die im 18. Jahrhundert weit herum bekannt, gleichzeitig aber auch geheim gewesen sein soll – ein Widerspruch in sich. Gemäss dieser «Fächersprache» unterlag die Art, wie der Fächer gehalten und eingesetzt wurde, klar definierten, universal angewandten Regeln oder vielmehr geheimer Codes, wie die Frau in Gesellschaft ohne Worte heimliche Botschaften an einen Verehrer übermitteln konnte. So soll der geschlossene, an die linke Wange gehaltene Fächer etwa «Ich liebe dich» bedeuten. Das älteste schriftliche Dokument, in der die «Fächersprache», aufgeschlüsselt nach Gesten mit entsprechenden Aussagen, zu finden ist, ist ein gedrucktes Faltblatt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Dieses brachte die Londoner Niederlassung der 1827 in Paris gegründeten Fächermanufaktur Duvelleroy in Umlauf. Die aktuelle Forschung geht mehrheitlich davon aus, dass der Inhalt dieses Faltblattes die originäre Quelle der «Fächersprache» ist und dass es sich dabei um eine gewitzte Verkaufsförderungsmassnahme eines Fächerproduzenten handelt, der das «Storytelling» als Marketinginstrument gewinnbringend beherrschte: Duvelleroys Fächer verkauften sich an wohlhabende Kunden bis nach Asien und in die Emirate. In London avancierte Duvelleroy zum königlichen Fächerhersteller. In Paris existiert das Unternehmen als Luxuswarengeschäft bis heute.
Englische Version der «Langage de l’eventail», der Fächersprache.
Englische Version der «Langage de l’eventail», der Fächersprache. mosaic.gr

Revival und erneuter Rückzug des Fächers

Duvelleroys Verkaufsgeschick ist es zumindest anteilmässig zuzuschreiben, dass im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts ein Fächerrevival in der Mode einsetzte. Auch Prosper Mérimées «Carmen», 1845 erschienen, steuerte seinen Teil dazu bei, dass der Fächer nochmals gehörig Aufwind erhielt und erneut zum unabdinglichen Accessoire der eleganten, modebewussten Dame wurde.
Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1898), Porträt von Franz Xaver Winterhalter, 1865
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837–1898) zu den bekannten Fächerliebhaberinnen. Sie schütze ihr Gesicht mit dem Fächer gerne gegen aufdringliche Blicke und – nach dem Aufkommen der Fotografie – vor Kameras. Porträt von Franz Xaver Winterhalter, 1865. Wikimedia
In Oscar Wildes Komödie «Lady Windermere’s Fan: A Play About a Good Woman» («Lady Windermeres Fächer. Die Geschichte einer anständigen Frau»), deren Uraufführung 1892 in London stattfand, kommt dem Fächer nochmals eine Hauptrolle im Theater zu. In der Jugendstilepoche wurden der damaligen Mode angepasste, neuartige Fächer hergestellt, vermehrt kamen aber auch wieder Federfächer in Umlauf. Werbefächer waren inzwischen massenhaft verbreitet.
Werbefächer aus Papier und einfachen Holzstäben in Ballonform, hergestellt vom Pariser Fächerhersteller Chambrelent im Auftrag des französischen Champagnerproduzenten Louis Roederer, ca. 1925/1930. Die Frau im Bild trägt einen opulenten Fächer mit rot gefärbten Straussenfedern.
Werbefächer aus Papier und einfachen Holzstäben in Ballonform, hergestellt vom Pariser Fächerhersteller Chambrelent im Auftrag des französischen Champagnerproduzenten Louis Roederer, ca. 1925/1930. Die Frau im Bild trägt einen opulenten Fächer mit rot gefärbten Straussenfedern. The Fan Museum
Gleichzeitig brachte der sich laufend verstärkende Import von Massenware aus China die europäischen Fächerhersteller vermehrt in Bedrängnis. Zudem erhielt der Fächer im Verlaufe der Zwanzigerjahre des letzten Jahrhunderts starke Konkurrenz von einem neuen «Accessoire», mit dem die Dame von Welt sich fortan gerne inszenierte: der Zigarette. Sie versprühte einen «frischen» Hauch von Mondänität und emanzipierter Extravaganz. Der Fächer mutete dagegen ganz schön altweibisch und vorgestrig an. Ganz verschwunden ist der Fächer jedoch bis heute nicht. Nach wie vor rege genutzt wird er als Stilmittel und Ausdrucksträger beim Tanz, vor allem beim Flamenco. Der billig hergestellte Fächer «made in China» liegt in Souvenir- und Touristenläden auf, insbesondere in Spanien. Zudem hat der Fächer bis heute gelegentliche Auftritte in der Werbefotografie, in Modemagazinen, in Filmen sowie in prominenter Hand – etwa jener von Karl Lagerfeld (1933–2019). Der ikonische Modedesigner machte den Fächer in den 1980er-Jahren zu seinem Markenzeichen, ähnlich wie seine grosse Sonnenbrille und später seine schlohweisse Zopffrisur. Für Lagerfeld soll der Fächer zudem einen individuellen Nutzen gehabt haben: Er schützte sich damit angeblich vor dem Mundgeruch der ihn umgebenden Menschen.
Karl Lagerfeld mit Fächer, 1997.
Karl Lagerfeld mit Fächer, 1997. Dukas / Steve Wood / Rex Features

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